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Kultur Lux: Faber gibt großes Konzert im kleinen Rahmen
Nachrichten Kultur Lux: Faber gibt großes Konzert im kleinen Rahmen
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12:59 03.12.2019
Versunken: Faber bei seinem Club-Konzert im Lux. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Zwischendurch geht Faber mal vor die Tür vom Lux. Raucherpause, zehn Minuten, die guten alten, also schlechten Genussmittel. Moderner Fit-for-Fun-Hedonismus ist so gar nicht seins. Und die Besucher dieses exklusiven Konzerts im kleinen Rahmen können kaum fassen, wie nahbar der Schweizer Musiker ist.

Vor drei Jahren hat er in dem kleinen Club seine erste richtige Tournee gestartet. Ein Jahr später musste es schon das Capitol sein. 2020 wird er es zwei Tage hintereinander ausverkaufen. Julian Pollina, wie er eigentlich heißt, hat es geschafft. Und gibt jetzt noch einmal ein Konzert an alter Wirkungsstätte, mit kleinem Besteck: er selbst an der Gitarre, Tillmann Ostendarp (seine „Band“) an Schlagzeug und Posaune – die er gleichzeitig spielt.

„Akustik-Punk für Mädchen“

Er füllt auch so mühelos den Raum. Fabers Stimme klingt nach drei Päckchen täglich mit Whiskey-Gurgeln hinterher, das Instrumentarium wie eine ganze Kapelle. Aus Chanson und Indiepop, Prisen von Balkanbeat und Ragtime, Polka und Rock hat er sich eine ganz eigene musikalische Welt geschaffen „Akustik-Punk für Mädchen“ hat er das mal genannt. Jungs sind auch da; die singen nur nicht ganz so laut mit.

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Diese Texte! In böser Rollenprosa führt er die leeren Versprechungen unserer Zeit vor: „Ich geh jetzt pumpen, man muss Ziele haben im Leben“, singt er in „Das Leben sei nur eine Zahl“. 26 Jahre ist er gerade mal alt und klingt dreimal so lebensmüde und abgegessen. Wie jung er ist, merkt man, als er das erste Mal die E-Gitarre umschnallt und Nirvanas „Teen Spirit“ anstimmt, diesen „Rock-Klassiker“.

Triste Standortbestimmungen

Bald drei Stunden spielt er, vor allem Lieder seines – schon der Titel ein Zynismus – neuen Albums „I Fucking Love my Life“. Es geht um triste Standortbestimmung („Generation Youporn“), gepflegte Chauvinismen („Sag mir wie du heißt“) und verzweifelte Liebe („Nie wieder“), jede Zeile ihre eigene Kehrseite. „Das Boot ist voll“ haut er, da mal ganz Holzhammer, den „besorgten Bürgern“ um die Ohren, denen er es gerne auch mal so richtig besorgen würde – „wenn sich 2019 ’33 wieder einschleicht“.

Ein Trauerspiel? Von wegen. Im Untergang steckt auch Größe: „Wenn du dann am Boden bist, weißt du, wo du hingehörst“, singt er in „Alles Gute“, einem älteren Song. Es klingt wie ein Heilsversprechen. Das Partisanenlied „Bella Ciao“ gibt es – als sein Verstärker mal kurz abgerauscht ist – akustisch, Britneys „Hit me Baby one more Time“ mit Polkaeinschlag, Rihannas „Umbrella“ als Gitarrenballade. Darin liegt auch Kraft.

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Als letztes Lied singt er ins schwindende Bühnenblau „Heiligabend ich bi besoffe“, sein erstes schwyzerdütsches Lied. Die letzten Worte: „Lass mich nicht allein“. Es gibt so viele von uns.

Faber spielt am 27. und 28. Februar wieder in Hannover, dann im Capitol. Für den ersten Termin gibt es noch Karten (39,25 Euro)in den NP-Ticketshops.

Von Stefan Gohlisch

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