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Kultur „Live! The realest MC“ eröffnet Tanztheater International
Nachrichten Kultur „Live! The realest MC“ eröffnet Tanztheater International
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16:28 31.08.2018
Eindrucksvoll: Szene aus „Live! The realest MC“.
Eindrucksvoll: Szene aus „Live! The realest MC“. Quelle: Julien Benhamou
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Hannover

Adidas würde sich über dieses Stück besonders freien. Ein Abend im Zeichen der drei Streifen. Goldglitzernd, mit unzähligen Pailletten bestickt, vor mal schwarzen, mal giftgrünem Bühnenhintergrund geben sie dem Stück „Live! The realest MC“ von Kyle Abraham eine einprägsame Struktur.

Toller Start von Tanztheater International mit einem tollen Stück in der Orangerie: Darin geht es um den Selbstmord eines 13-Jährigen nach Cyber-Mobbing, um das Finden in Geschlechterrollen, um Unterdrückung, Schmerz und Überwindung, das Finden der eigenen Identität. Das zu wissen, ist hilfreich, aber nicht unbedingt nötig. Denn hier geht es um Tanz, der für sich – und das macht die Qualität des Stückes aus – wunderbar funktioniert. Wie hier neue Tanzelemente aus dem Hip-Hop gewonnen werden, wie dessen Bewegungsmuster dem klassischen Ballett angenähert werden. Wenn Abraham sich zwar der subkulturellen Elemente bedient, ihm aber Bilder absoluter Schönheit gelingen.

Natürlich steht der Ausdruck, die Botschaft im Vordergrund – wenn Bassgewummer, Rückkopplungsjaulen, Elektronikklänge (Alva Noto) ohrenbetäubend ins Publikum gefeuert werden. Dazu Tänzer als Schauspieler, die sich per Mikro lautstark und klagend an das Publikum wenden, die eigene Unterdrückung rausschreien. Was aber immer wieder durch Humor gebrochen wird, wenn etwa per Video ein Hip-Hop-Tanzkurs angeboten wird.

Zum Schluss wird es dann ganz versöhnlich mit dem „Peace Piece“ von Bill Evans, perlende, beruhigende Klavierklänge, entspannende Bewegungen, der Spot auf dem Rücken eines verbleibenden Tänzers, nur noch die goldschimmernde Haut des Rückens ist im Spot zu sehen: ein sanftes, glitzernden Rollen mit dem Schulterblatt in der Dunkelheit. Und Schluss.

Mehr Zuschüsse

Davor gab es frohe Botschaft. Das Festival auf dem entsprechenden Niveau zu halten, kostet natürlich Geld (Budget: 360 000 Euro), was auch die Förderer wissen. Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, kündigte an, den eigenen Zuschuss zu erhöhen, wenn auch die anderen Förderer, wie vor allem die Stadt, mitmachen. Könnte klappen und wäre gut für Hannover, auch mit Hinblick auf die Bewerbung um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“.

Von Henning Queren