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Kultur Lisa Bassenge entschleunigt kunstvoll
Nachrichten Kultur Lisa Bassenge entschleunigt kunstvoll
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14:50 26.11.2018
Lisa Bassenge trat im ausverkauften Jazz-Club auf.Foto: Archiv
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Hannover

Am Anfang liegen zwei Zigaretten im Aschenbecher, aus denen bald drei werden – und das Unheil, das schon von Patsy Cline besungen wurde, nimmt seinen Lauf: „Three cigarettes in the Ashtray”, die traurige Hymne einer verlassenen Frau. Lisa Bassenge, die damit ihren Auftritt im ausverkauften Jazz-Club eröffnet, verkündet gleich danach launisch: „Von nun an geht’s bergab“.

Womit allerdings nicht die Qualität der Darbietung gemeint ist, sondern die Stimmungslage in den Songs des Abends. „Borrowed and Blue” heißt nicht umsonst das neue Album, auf dem sie von anderen Künstlern geborgte Lieder interpretiert, die von leichter Melancholie bis zur ausgewachsenen Verzweiflung das ganze Spektrum der Traurigkeit ausloten. Für die Berliner Sängerin schließt sich damit ein Kreis, denn schon zu Beginn ihrer Karriere in den späten 90ern hatte sie dadurch aufmerksam gemacht, dass sie fremde Lieder meist sehr entschleunigt coverte – und damit Stücken wie „In Between Days” von The Cure, „Like a Virgin” von Madonna oder „Can’t get you out of my head” von Kylie Minogue eine fast vollkommene Verwandlung angedeihen ließ.

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Die Lieder der aktuellen Tour lassen ein wenig den Überraschungseffekt dieser Interpretationen vermissen, da sie dem dezenten Jazz-Gewand näher scheinen, das Lisa Bassenge ihnen gemeinsam mit dem Pianisten Jacob Karlzon und dem Bassisten Andreas Lang schneidert. Mit einer Ausnahme: der Beatles-Klassiker „Norwegian Wood”, der ausgesprochen spartanisch mit einer Bassfigur und Bassenges wundervollem Gesang beginnt. Als nach der ersten Strophe das Klavier hinzukommt, erkennt man endgültig das Grundprinzip der Darbietung: minimale Mittel, maximale Wirkung.

Karlzon etwa versteht sich darauf, den Stücken vollkommen uneitel Atmosphäre zu verleihen – und auch Lang fällt eher durch die ansteckende Begeisterung auf, mit der er sein Instrument bedient, als durch aufmerksamkeitsheischende Fingerfertigkeiten. Alle drei Musiker könnten das Publikum ohne Frage auch handwerklich beeindrucken. Dass sie darauf zugunsten der Songs verzichten, macht aus ihrer Darbietung große Kunst – und aus dem Abend einen Genuss. „Don’t Let It Bring You Down” singt Lisa Bassenge als Zugabe. Keine Sorge. Im Gegenteil.

   

Von Matthias Wieland