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14:32 15.05.2017
Voller Einsatz: Szene mit (von links) Uwe Gottswinter, Gihoon Kim, Michael Chacewicz, Edward Mout, Jan Szurgot und Karine Minasyan
Voller Einsatz: Szene mit (von links) Uwe Gottswinter, Gihoon Kim, Michael Chacewicz, Edward Mout, Jan Szurgot und Karine Minasyan Quelle: Thomas M. Jauk
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Hannover

Premiere in Jungen Oper: Das Staatstheater bringt Detlev Glanerts
„Leyla und Medjnun“
auf die Ballhof-Bühne – eine uralte Liebesgeschichte aus dem Orient, aufgeschrieben im 12. Jahrhundert von dem persischen Dichter Nizami. Fast war es eine Uraufführung, denn der 1960 geborene Komponist hat sein Erstlingswerk von 1988 für die hannoversche Oper völlig überarbeitet.

Das Libretto: eine Geschichte so alt wie die Menschheit. Leyla und Medjnun können nicht voneinander lassen. Nur ihre Familien haben etwas dagegen – da wird der Clan zur Hetzmeute, gewalttätig werden die Liebenden getrennt. Leyla wird anderweitig zwangsverheiratet und stirbt natürlich an Liebeskummer. Medjnun flüchtet sich in die Kunst, wird ein großer Dichter, flüchtet in die Wüste und wird ein großer Guru, dem selbst die wilden Tiere gehorchen. Nichts kann ihn aus seiner mentalen Verstörung herausreißen.

Edward Mout singt die schwierige Partie eindringlich mit hellem gut fokussiertem Tenor. Bei Karine Minasiyans Leyla stehen die innigen anrührenden Farben ihres Soprans im Vordergrund. Daneben gibt es sieben Solisten, die mit vokaler und spielerischer Intensität mal Tiere, Tote oder Schüler darstellen. Besonders aufgefallen: der warme Alt der Mutter (Marlene Gaßner) und der sanft-zornige Bariton des Vaters (Gihoon Kim).

Kulissen gibt es nicht, das 14-köpfige Ensemble sitzt offen hinter der Bühne. Die bleibt bis auf wenige Requisiten leer. Sebastian Welker hat in seiner Inszenierung alles auf den Kern der Handlung reduziert und setzt dafür auf eine fein ausgeklügelte Personenregie. Das schafft Raum für dramatische Spannung und visionäre Leichtigkeit.

Glanerts Musik ist ganz der emotionalen Struktur der Geschichte verpflichtet: von schwebender Innigkeit bis zur expressiven Zerreißprobe zeichnet sie die alten Motive von Romeo und Julia oder Orpheus nach.

Das Orchester unter Siegmund Weinmeisters Leitung agiert ausgesprochen plastisch und präzise. Besonders spannend erweist sich Glanerts Crossover mit altpersischer Musiktradition. Zur modernen Atonalität gesellt er eine Oud, eine orientalische Laute, die immer wieder mit in sich kreisenden Motiven eingreift und das Geschehen kommentiert.

Und noch ein Kommentator aus dem nahen Osten: die so genannte Zenne, eine Sprecherrolle, die alles deutet und die Handlung vorantreibt. Sehr witzig macht das hier Matthias Buss, von komischer Anmut bis zur kosmischen Verzweiflung zieht er alle Register.

Langer Beifall und viele Bravos für alle Beteiligten.

Von Günter Heiss

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