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Kultur Langsamkeit ist Hexerei - Der neue "Harry Potter" kommt
Nachrichten Kultur Langsamkeit ist Hexerei - Der neue "Harry Potter" kommt
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17:09 15.11.2010
Auf der Flucht: Harry (Daniel Radcliffe) und Hagrid (Robbie Coltrane) sitzt Lord Voldemort hinterm Auspuff.
Auf der Flucht: Harry (Daniel Radcliffe) und Hagrid (Robbie Coltrane) sitzt Lord Voldemort hinterm Auspuff.
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VON MATTHIAS HALBIG

Unheil zieht herauf. Rons Augen wandern unruhig den Horizont lang. Hermine löscht sich derweil aus der Erinnerung ihrer Muggel-Eltern. Und HP lugt hinter der Gardine im Ligusterweg hervor, unten auf der Straße packen die Dursleys ihr Fluchtauto. Die Häuser sind dunkel, die Himmel grau, die Baumkronen sind voller Wind, und die Musik ist todtraurig. Es ist Endzeit, die Zauberer bereiten die Unterjochung der Muggel (Menschen) und „Schlammblut“ genannten Halbmagischen vor. So geht der neue Harry-Potter-Film los.

Worin sich Harry, Hermine und Ron anschicken, die Horcruxe zu finden, die versteckten Seelenschnipsel des dunklen Lord Voldemort, die dessen Unsterblichkeit sichern. Die Suche ist entmutigend, ohne Vorgaben. Wie sind die drei Erbstücke Professor Dum­bledores in den Kampf einzubinden? Was hat es mit den drei Heiligtümern des Todes aus einem Märchenbuch auf sich?

Zu den Horcruxen kommt die Crux der Hormone. Ron, unerklärt verliebt in Hermine, ermüdet von der end- wie erfolglosen Wanderschaft, wird von Eifersucht auf Harry geplagt und gibt auf. Die Gemeinschaft zerfällt, die Todesser genannte Besen-Air-Force des Bösen errichtet derweil ihre Diktatur mit Entführung und Prozessen.

Ein Roadmovie ist es – mit magischem Zelt (außen klein, innen geräumig) statt der vertrauten, gruselig-behaglichen Türme von Hogwarts. Die große Kulisse wird indes bald nicht mehr vermisst, die Sicherheit des Internats war eh immer brüchig, in den Harry-Potter-Storys war die Kindheit nie ein geschützter Ort, der Tod war oft nah, auf die Erwachsenen oft kein Verlass. Ohne Hogwarts-Chef Dumbledore spitzt sich die Geschichte von den antastbaren Kindern zu. Und die gleichgeschalteten Medien sorgen mit Dumbledores Demontage dafür, dass die beiden jugendlichen Hänsel mit ihrer Gretel irritiert werden über ihren toten Protegé und den Sinn ihrer Mission.

Regisseur David Yates hat zwei Filme für ein Buch. Und kann sich um Kleinigkeiten kümmern, die sein Werk beseelen. Zeit für eine Träne im Auge einer sterbenden Hexe. Zeit für einen gemeinsamen Klavierversuch von Hermine und Ron an Beethovens „Für Elise“. Zeit für Voldemort, den nasenlosen Dämon, dessen schwächliche Stimme an einer Tafel bedröppelter Todesser vor Machtbewusstsein singt. Und Zeit für das Ende von Dobby, dem Hauselfen, das nicht einfach abgehakt wird, sondern folgerichtig End- und Höhepunkt des ersten „Heiligtümer“-Teils bildet. Dobby wird von Harry betrauert wie Winnetou von Shatterhand. Schließlich machte uns Dobby in „HP 2“ klar, dass die scheinbar heile Welt der Zauberer nicht nur Dünkel bis zum Rassismus barg, sondern auch auf Sklaverei fußte.

Geschwindigkeit, so sagt der Volksmund, ist keine Hexerei. Langsamkeit dagegen kann verzaubern. Der neue Harry-Potter-Film gibt Figuren, die es wert sind, den Raum, sich zu zeigen. Man hätte viel früher, schon ab Band fünf, dazu übergehen sollen zu splitten. Mags jetzt aus Raffgier geschehen sein, wie viele meinen, damit noch zweimal Kasse gemacht wird, so ist das Ergebnis doch feines Erzählkino. Ein Film, statt der „Flims“, der flitzenden Flimmerchen „HP 5“ und (eingeschränkt) „HP 6“, die einen pausenlos aufs Verwirrendste mit Action bewarfen.

Hätte jetzt noch ein Regiemeister wie Alfonso Cuaron (der tatsächlich im Gespräch war) Handschrift ins Spiel gebracht, wäre „HP 3“ („Askaban“), der von Cuaron gedrehte Königspotter, ernsthaft in Gefahr geraten, seinen Thron an „HP 7/1“ zu verlieren.

Genug geredet. Voldemort lebt noch. Im Juli 2011 ist er fällig. „HP 7/2“ kommt in 3-D.

Bewertung: 4/5

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1 (HP 7/1)“, USA/GB 2010, 141 Minuten. Regie: David Yates. Darsteller: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, Ralph Fiennes, Helena Bonham Carter.

Chapeau! Der Kino-Potter geht souverän in die Zielkurve.

Vorpremieren am 17. November in Hannover

Im Cinestar Garbsen geht es mit der ersten von neun Vorstellungen bereits um 14 Uhr los, die restlichen acht beginnen um 14.30, 15.45, 17, 17.30, 18, 19.45, 20 und 20.30 Uhr. „Mit dem Vorverkauf sind wir bisher zufrieden“, erklärt Theaterleiterin Ulla Petzelt, „es gibt aber noch Karten, denn wir haben ausreichend Kapazitäten geschaffen, um alle Fans unterzubringen.“ Mit oder ohne Kostüm – denn erfahrungsgemäß kommen „auch der eine oder andere Harry und nicht nur Muggel“. Für die hat Petzelt vorgesorgt, denn es stehen Taschen, Tassen und T-Shirts zum Verkauf.

Auch in den Cinemaxx-Kinos gibt es noch Tickets für die Vorstellungen. Am Raschplatz beginnen die um 19.30, 20, und 22.30 Uhr, in der Nikolaistraße um 15.30, 17.15, 19.30, 20, 20.30 und 23 Uhr.

Im Utopia-Filmpalast in Langenhagen gibt es Harry Potter hoch drei, denn um 14, 17, und 20 Uhr läuft dort die Vorpremiere von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1“. „Für die Abendvorstellung gibt es nur noch Resttickets, für 14 Uhr haben wir noch mehr Karten“, sagt Theaterleiter Joachim Schumacher. Er ist mit dem Vorverkauf zufrieden: „Es läuft besser an als der vorhergehende Potter-Film, das liegt aber wohl auch am Starttermin im November.“ mko