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Kultur Kurzfilmer wollen den Kino-Vorfilm zurück
Nachrichten Kultur Kurzfilmer wollen den Kino-Vorfilm zurück
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13:47 19.04.2012
Kurzspielfilme als Fingerübung: Nachwuchsregisseur Max Zähle wurde für seinen Streifen „Raju“ sogar für einen Oskar nominiert. Quelle: dpa
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Baden-Baden

Ein Vorfilm und das HB-Männchen – das fällt älteren Menschen zu ihren ersten Kinobesuchen ein. Inzwischen hat die Werbung enorm zugenommen und der Vorfilm ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Kurzfilm, Sylke Gottlebe, will diese Tradition nun wiederbeleben. „Das Publikum will solche Filme auf jeden Fall sehen“, sagte sie beim Filmtheaterkongress, zu dem sich Vertreter der Kinobranche bis zum Donnerstag in Baden-Baden trafen. „Alle Kinos, die den Vorfilm pflegen, berichten von einer guten Resonanz.“

Nach ihren Informationen entstehen allein in Deutschland mehr als 2000 Kurzfilme pro Jahr, die ihre Zuschauer suchen. Knapp die Hälfte stammen von Studenten der Filmhochschulen oder anderen Ausbildungsgängen. „Kurzfilme sind eine tolle Fingerübung“, sagte Gottlebe. Die Filmemacher müssten in der Spanne von wenigen Minuten eine eigenen Geschichte erzählen. „Das ist anders als bei den Youtube-Splittern, in denen meist einfach nur Szenen festgehalten werden.“

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Vor allem Programmkinos pflegten die Tradition des Vorfilms. „Sie können sich damit profilieren, alte Kunden an sich binden und neue gewinnen.“ Nach Gottlebes Berechnungen haben zurzeit etwa 150 der knapp 1850 deutschen Kinos Vorfilme im Programm. Tendenz steigend – allerdings nur sehr langsam.

Vor allem bei den Kinocentern müsse sie noch viel Überzeugungsarbeit für die Kunst der kleinen Form leisten, sagte Gottlebe. „Die Taktung der Filme ist sehr eng – und die verbleibende Zeit wird für die Werbung gebraucht.“ Außerdem seien die Kinoleiter oft ziemlich eingespannt. „Für ein Kurzfilmprogramm braucht man aber Leidenschaft und muss sich für das Format interessieren.“

Eine Frage des Geldes ist der Vorfilm jedoch nicht. Kinos, die Vorfilme abspielen, erhalten seit 2009 zwischen 1300 und 1800 Euro pro Jahr an Filmförderung. Das ist etwa der Preis für ein Kurzfilmabonnement bei einem Filmverleih. „Damit sind nur noch die Kosten für den Versand zu tragen – und für die Werbung.“ Gottlebe rät nämlich den Kinos, die sich entscheiden, wieder Vorfilme zu zeigen, in die Offensive zu gehen. „Wenn Vorfilme unangekündigt ins Programm genommen werden, kann das beim Publikum schon mal zu Irritationen führen.“

dpa