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Kultur Kunstmarkt: Der weibliche Triumph?
Nachrichten Kultur Kunstmarkt: Der weibliche Triumph?
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17:13 01.02.2019
Das Auktionshaus Sotheby’s organisierte vor ihrer Abendauktion in New York eine Ausstellung, die den Fokus auf Malerinnen zwischen den 16. und 19. Jahrhundert legt. Quelle: Julian Cassady Photography/Sotheby’s
New York

Im 17. Jahrhundert, als es noch keine Hashtags und schon gar kein #MeToo gab, war eine Künstlerin bereits ein Paradebeispiel für die Selbstermächtigung der Frau in einem männerdominierten System. Artemisia Gentileschi, Tochter vom halbwegs erfolgreichen Maler Orazio Gentileschi, wurde von ihrem Vater als Malerin unterstützt. Doch musste sie sich früh wehren: Ihr Lehrer Agostino Tassi hat sie vergewaltigt, wurde 1612 angeklagt und nach einem schwierigen Prozess schließlich zu acht Monaten Haft verurteilt.

Gentileschi wurde später zur ersten Frau, die in die Florentinische Akademie aufgenommen wurde. Die Medici waren ihre Kunden und ihr Lieblingsmotiv das der mordenden Judith, die Holofernes den Kopf abschlägt. Zu ihrer Zeit war Gentileschi mitnichten verkannt, geriet aber nach ihrem Tod 1656 in Neapel in Vergessenheit.

Victoria Beckham als Patin für die vergessenen Malerinnen

Späte Schützenhilfe hat Gentileschi ebenso wie andere vergessene Malerinnen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert von überraschender Seite erhalten. Die Designerin Victoria Beckham stand Patin für eine Ausstellung beim Auktionshaus Sotheby’s in New York – „The Female Triumphant“ – die triumphierende Frau. Zu sehen waren Gemälde unter anderem von Angelika Kauffmann oder Elisabeth-Louise Vigée Le Brun. Zur Eröffnung ließ sich Beckham vor den Goldrahmen ablichten, teilte Fotos auf ihrem Instagram-Profil – mit praktischem Hinweis auf ihr eigenes Designlabel.

Mit dieser Ausstellung sollten Jahrhunderte der Geschlechterungerechtigkeiten wieder gutgemacht werden. Doch in der Auktion, die am späten Mittwochabend bei Sotheby’s stattfand, kamen Gemälde sowohl von männlichen wie weiblichen Meistern unter den Hammer. Das Geld, das heute gezahlt wird, gilt als Gradmesser für Aufmerksamkeit und Wertschätzung der Künstler von früher. Auf den ersten Blick für die Frauen mit Erfolg: Nach den Zahlen gehend war die Siegerin des Abends in der Kategorie Gemälde Elisabeth-Louise Vigée Le Brun mit dem Bild „Portrait of Muhammad Dervish Khan“, das für 7,2 Millionen Dollar einen anonymen Käufer fand.

Noch immer verdienen Künstlerinnen weniger Geld

Sind die unterschätzten Malerinnen nun also endlich in den höchsten Kulturkreisen angekommen? Victoria Beckham kämpft den einfachen Kampf – indem sie längst verstorbene Malerinnen, mehr oder weniger verkannte Malerinnen, mit ihrer Prominenz zu mehr Aufmerksamkeit verhilft. Heute ist es Künstlerinnen selbstverständlich gewährt, an Kunsthochschulen und Akademien zu studieren – sie sind unter den Studierenden auch meist in der Überzahl –, doch noch immer gibt es starke Unterschiede im finanziellen Erfolg zwischen Frauen und Männern.

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Der deutsche Kulturrat hat 2016 die Gleichstellung von Frauen und Männern im Kunstmarkt untersucht und festgestellt, „dass es bildende Künstlerinnen offensichtlich ungleich schwerer haben, Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden, und sich entsprechend häufiger durch andere, gegebenenfalls auch nicht künstlerische Tätigkeiten finanzieren zu müssen.“ Auch die Künstlersozialkasse hat die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen im Kunstmarkt festgehalten: Während Männer 2017 im Schnitt 19 824 Euro pro Jahr verdient haben, konnten Künstlerinnen 14 292 Euro pro Jahr durch Kunst verdienen, eine Differenz von fast 500 Euro pro Monat. Ein großer Unterschied ist das nicht, bei dem geringen Lebensunterhalt, den Künstler haben, aber ein entscheidender.

Artemisia Gentileschi vs. Orazio Gentileschi

Obwohl Artemisia Gentileschi in ihrer Künstlerlaufbahn sich von ihrem Vater emanzipierte, ihren eigenen Stil fand und ihn zeitweise in den Schatten stellte, hat sie bei der Auktion von Sotheby’s am Mittwochabend das Rennen gegen ihren Vater verloren. Ihr Werk, das Los mit der Nummer 45, war das ihrer Spätphase neu zugeschriebene „Saint Sebastian tended by Irene“ – es wechselte für 615.000 Dollar den Besitzer. Doch das Gemälde ihres Vaters, das das Porträt einer jungen Frau zeigt, kam für 1.812.500 Dollar unter den Hammer. Wenn sich der Erfolg von Künstlerinnen in Verkaufssummen messen lässt, kommen sie noch heute in der Männerwelt zu kurz. Ein weiblicher Triumph? Nein, noch lange nicht.

Von Geraldine Oetken / RND

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