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Kultur Künstler Ai Weiwei baut Atelier in Berlin
Nachrichten Kultur Künstler Ai Weiwei baut Atelier in Berlin
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19:50 28.03.2011
Der Künstler Ai Weiwei
Der Künstler Ai Weiwei Quelle: dpa (Archiv)
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Er ist der größte Star des chinesischen Kunstbetriebs und einer der schärfsten Kritiker der Kommunistischen Partei – doch angesichts wachsender Repressionen in seiner Heimat plant Ai Weiwei nun einen Teil­umzug nach Deutschland. Im Berliner Stadtteil Schöneweide hat der 53-Jährige ein Studio gekauft und trifft derzeit Vorbereitungen, um mit seinem Team künftig dort arbeiten zu können. „Ich möchte in der Lage sein, meine tägliche Arbeit an meiner Kunst und meinen Ausstellungen auch von Berlin aus zu machen“, erklärte Ai gegenüber der HAZ. „Die Vorbereitungen laufen bereits seit drei Monaten, aber da der Aufbau der notwendigen Infrastruktur in Deutschland nicht ganz einfach ist, brauchen wir noch etwas Zeit, bevor wir richtig loslegen können.“

Als Flucht aus der Volksrepublik will Ai seinen Schritt nicht verstanden wissen und sein derzeitiges Studio in Peking weiterbetreiben. Ai, dessen Werke Rekordpreise erzielen, nutzt die mit seinem Ruhm und Geld verbundene Unabhängigkeit seit Langem, um der Partei Paroli zu bieten. Unter jungen Chinesen ist er vor allem als Internetaktivist bekannt, der mit seinen Projekten immer wieder die Korruption und Grausamkeit des Regimes entlarvt. Nachdem die Behörden den Künstler und seine Mitarbeiter zunehmend unter Druck gesetzt und zeitweise sogar unter Hausarrest gestellt haben, sieht er sich nun zur Suche nach Alternativen gezwungen.

Obwohl Ai, der in den Achtzigern in New York lebte, sich Berlin seit Langem verbunden fühle, sei der Aufbau eines Studios „kein freiwilliger Schritt“, erklärte er. „Ich bin einfach ratlos, wie ich hier weiterarbeiten kann.“ Erst im Januar hatte die Regierung sein neu gebautes Studio in Schanghai abreißen lassen. Im Februar verhinderte sie die erste große Ausstellung seiner Werke in China.

Seine Erfolge als Künstler feierte Ai Weiwei bisher fast ausschließlich im Ausland. 2009 sorgte eine große Soloschau im Haus der Kunst in München für Aufsehen. Vergangenes Jahr füllte er die Turbinenhalle der Londoner Tate Modern mit 100 Millionen Sonnenblumenkernen aus Porzellan. In Berlin ist im Ostasiatischen Museum derzeit Ais „Teehaus“ zu sehen, eine Installation aus 3000 Kilogramm gepresstem Pu-Er-Tee. „Für meine Kunst pendele ich schon lange zwischen China und Europa“, sagt Ai. „Angesichts der gegenwärtigen Situation sollte ich meine Präsenz in Europa verstärken.“

Pekings Repressionen gegen kritische Intellektuelle haben in den vergangenen Monaten stark zugenommen – offenbar eine Reaktion auf die Vergabe des Friedensnobelpreises an den inhaftierten Demokratieaktivisten Liu Xiaobo sowie die Volksrevolten in Nordafrika, die auch im chinesischen Internet zu Revolutionsaufrufen führten. Erst vergangene Woche war der Bürgerrechtler Liu Xianbin zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, weil er kritische Artikel verfasst hatte. Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay nannte das Urteil ein „weiteres Beispiel für das eskalierende Durchgreifen gegen die Aktivitäten von Bürgerrechtlern“. Eine abweichende Meinung sei kein Verbrechen.

Chinas unerbittlicher Kurs gegen seine Kritiker dürfte auch zum Schlüsselthema des Peking-Besuchs von Außenminister Guido Westerwelle in dieser Woche werden. Neben internationalen Menschenrechtsorganisationen appellierten auch deutsche China-Korrespondenten an den FDP-Politiker, gegenüber der chinesischen Regierung klare Worte zu finden. Nach den jüngsten Festnahmen und Beschränkungen für ihre Berichterstattung forderten 26 Journalisten, darunter auch der Korrespondent der HAZ, den Minister in einem Brief auf, sich für die Einhaltung international gültiger Pressefreiheitsregeln einzusetzen. „Eine normale Recherche vor Ort wird den Auslandskorrespondenten in China immer häufiger unmöglich gemacht“, heißt es in dem Schreiben.

Hauptanlass von Westerwelles Besuch ist die Eröffnung der Schau „Kunst der Aufklärung“, einer Kooperation der Staatlichen Museen in Berlin, Dresden und München. 600 Exponate sollen ein Jahr lang im Pekinger Nationalmuseum gezeigt werden, darunter Werke von Caspar David Friedrich und Francisco de Goya.

Die Ausstellung, die größtenteils vom deutschen Steuerzahler finanziert wird, kostet rund zehn Millionen Euro und ist damit die teuerste Kulturveranstaltung, die Deutschland je im Ausland veranstaltet hat. Begleitet wird die Ausstellung von Diskussionsforen, doch wer dort auftreten darf, entscheiden die chinesischen Partner. Ai Weiwei, den die Deutschen gerne in das offizielle Programm eingebunden hätten, kommt dabei als Teilnehmer nicht infrage.

Bernhard Bartsch

Matthias Halbig 27.03.2011
28.03.2011