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Kultur Pur und mit viel Gefühl
Nachrichten Kultur Pur und mit viel Gefühl
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22:47 09.12.2018
Pure Musik: Frontmann Hartmut Engler begeisterte die 12 000 Zuschauer auf einer Centerbühne in der Tui-Arena. Quelle: Foto: Franson
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Hannover

Sie sind eine der erfolgreichsten deutsche Bands: Pur nimmt die 12 000 Zuschauer in der ausverkauften Tui-Arena mit, mit auf eine Reise durch die Bandgeschichte. Und es wird ein aufgeräumter Abend werden.

Die Stimme von Sänger Hartmut Engler ertönt durch die Lautsprecher: „Grüße aus der Garderobe. In wenigen Sekunden sehen wir euch. Habt Spaß.“ Das macht schon mal Laune. Nach und nach kommen die Musiker auf die Bühne und singen dabei den Song „Freunde“ von 1989.

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Große emotionale Momente beim Pur-Konzert in der Tui-Arena: 12 000 gehen mit „Herzbeben“ in das „Abenteuerland“. Mehr als zwanzig Songs im typischen Pur-Kanon hat die Band im Gepäck.

Es folgen über zwanzig weitere Songs im typischen Pur-Kanon: Hoffnungsliedern, vollgepackt mit Wortschöpfungen Marke „Herzbeben“ und „Funkelperlenaugen“. Balladen wechseln sich mit dynamischem Pop-Rock ab, die Songs des neuen Albums „Zwischen den Welten“ sind bekannt und beliebt, die Klassiker ohnehin.

Pur haben ihren Stil und sind ihm treu geblieben: leichte und eingängige Melodien, flockig-lockere Lieder. Auf ihrer Centerbühne sind Engler und die Band ganz nah dran an den Fans, sie spielen inmitten der Arena, keine Traverse versperrt den Blick, maximale Publikumsnähe. Ein Videowürfel und die Scheinwerfer hängen über den Köpfen der Musiker, auf große Showeffekte wird verzichtet.

Pur wandern auf bekannten Pfaden, musikalische Experimente – ausgeschlossen. Anders ist dies bei ihren Texten. Die sind alles andere als ausschließlich seicht. Beim Song „Affen im Kopf“ geht es um Bedenken in unsicheren Zeiten. Da erscheinen Gorilla-Tänzer, die Engler umzingeln, ihn „kirre machen“, wie es im Text heißt.

Natürlich sind auch die Hits mit im Programm – da geht es dann besonders ab. „Wo sind all die Indianer hin?“ oder „Ein graues Haar“. Gänsehaut pur beim Lied „Freund und Bruder“. Der Song ist dem schwer erkrankten Keyboarder der Band, Ingo Reidl, gewidmet. Englers Stimme klingt fest, denn seit 1975 spielen sie zusammen.

57 Jahre alt ist Engler, immer freundlich und gut gelaunt. In Jeans, T-Shirt und mit offenem Hemd tänzelt der „Meister der Worte“ über die Bühne, seine Stimme ist unverwechselbar. Aufstehen und sich starkmachen für Toleranz, Nächstenliebe und Humanität, das sind Purs Themen. Auch der Pur-Freund Rüdi, ein Junge mit Down-Syndrom, bekommt seine Erwähnung, in dem Song „Mein Freund Rüdi“.

Zum Hexenkessel wird die Tui-Arena immer dann, wenn die alten Klassiker kommen: „Funkelperlenaugen“, „Ich lieb dich“ oder „Lena“. Pur-Klassiker wie „Abenteuerland“, „Wenn du da bist“ und „Herzbeben“ bescheren den Besuchern selbiges.

Mit ihrem Überraschungsgast Max Giesinger singt Engler dessen Titel „Legenden“ und „80 Millionen“, in jeder Stadt stieß bislang ein musikalischer Freund dazu. Der Spaß am Auftritt ist ihnen anzusehen.

Beim Song „Wenn sie diesen Tango hört“ wird Engler ein weiteres Mal emotional. „Das war der Lieblingssong meiner Mutter“, erzählt er und hat dabei Tränen in den Augen. Beim Song „Neue Brücken” singt Engler „Brüder gibt’s am Stammtisch, Schnaps im Kopf, den Geist im Glas … dass Deutsche bess’re Menschen sind, wer’s nicht weiß, kann’s dort erfahren“.

Bei „Bis der Wind sich dreht“ erscheint er im Gestapo-Mantel und mit schwarzer Schirmmütze auf der Bühne. „Gegen den zunehmenden Rechtsruck müssen wir uns stellen“, positioniert er sich, während das Publikum laut applaudiert. Am Ende badet die Arena im Handy-Lichtermeer, Giesinger kommt zurück und sie singen gemeinsam „Zu Ende träumen“. Ein Konzert mit großen emotionalen Mo­menten. So soll es sein.

 

Von Kai Schiering

09.12.2018
08.12.2018