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Kultur Klaus Florian Vogt ist der Meistersinger
Nachrichten Kultur Klaus Florian Vogt ist der Meistersinger
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13:14 13.08.2009
Überzeugte alle Kritiker: Klaus Florian Vogt
Überzeugte alle Kritiker: Klaus Florian Vogt Quelle: ddp
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Und das Besondere: kein einziges Buh des sonst so überkritischen Publikums für den Sänger! Klaus Florian Vogt gibt jetzt schon im dritten Sommer bei den Bayreuther Festspielen in Richard Wagners „Meistersingern von Nürnberg“ den Stolzing und ist vom ersten Auftritt an der Publikumsliebling. Mit seinem natürlichen Gesang, deutlicher Aussprache, höhensicher und trotz aller Lyrik mit markant-männlichem Timbre, kassiert er Beifallsstürme. Dem kühlen Norddeutschen scheint das eher unangenehm zu sein: „Ob ich ein Publikumsliebling bin? Das weiß ich gar nicht“, sagt er.

Schon mit seinem ersten Auftritt 2007 in der Premiere von Katharina Wagners „Meistersingern“ war klar: Vogt ist ein jugendlicher Wagner-Tenor, wie er auf dem Grünen Hügel lange nicht mehr zu hören war, einer, bei dem man nicht um die Spitzentöne bangen muss, dazu blendend aussehend und mit strahlender Bühnenpräsenz. Die „Welt“ bescheinigte ihm gar ein „hinreißend eigenwilliges Chorknaben-Timbre“ und eine „verführerische Stahlbeimischung“ in der Stimme.

Der in Heide in Schleswig-Holstein geborene Sänger, der aus seinem Alter wie eine echte Opern-Diva ein großes Geheimnis macht, ist noch gar nicht so lange im Geschäft. Seinen Durchbruch hatte der Heldentenor 2002 in Erfurt mit dem Rollendebüt in Wagners „Lohengrin“. Mit dieser Partie gastiert er seitdem rings um die Welt. Seine berufliche Laufbahn aber begann als Hornist. Nach dem Musikstudium arbeitete er einige Jahre im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, bevor er eine Gesangsausbildung begann und vom Orchestergraben auf die Bühne stieg.

Dass die Musik Richard Wagners zu seinen ganz persönlichen Vorlieben gehört, stammt schon aus seiner Zeit als Hornist. „Es war schon als Orchestermusiker so, dass ich Wagner sehr geliebt habe. Und dass ich das jetzt auch auf der Bühne singen darf, ist wunderbar“, sagt er. So sind es vor allem die Wagner-Partien, die sein Repertoire heute bestimmen: „Der fliegende Holländer“, „Parsifal“, „Das Rheingold“, „Die Walküre“ und immer wieder „Lohengrin“, den er in der kommenden Spielzeit in Hamburg und Dresden singen wird.

In der 2010 in Bayreuth geplanten Neuinszenierung wäre er auch gerne der Gralsritter gewesen. „Sehr gerne hätte ich das gemacht. Leider hat es nicht geklappt, da ich schon lange vorher anderweitig einen Vertrag unterschrieben hatte, den ich nicht brechen wollte.“ Doch um heutzutage als Wagner-Sänger anerkannt zu werden, müsse man nicht unbedingt in Bayreuth gesungen haben, sagt Vogt. Das habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. „Aber Bayreuth ist sozusagen das Sahnehäubchen im Lebenslauf eines Wagner-Sängers.“

Auch darum verbringt er wiederum seinen Sommer mitsamt seinem Wohnmobil, diesmal mit Kind und Kegel, in der fränkischen Provinz und steht sechs Mal als Stolzing auf der Bühne. Ist es doch für den Vater von vier Kindern immer wieder schwierig, den Sommer zu opfern und sich zwischen Engagement und Familienferien aufzuteilen.

„Das sind die besondere Atmosphäre und der besondere Spaß, den man bei den Festspielen hat. Es ist ein anderes Arbeiten als im normalen Geschäft: Es ist eine schöne Gemeinschaft, weil alle in der gleichen Situation sind, alle opfern ihren Sommer, um dort mitzuwirken“, sagt er. Zudem sei es reizvoll, ehemalige Orchesterkollegen wiederzutreffen. „Als Hornist hätte ich damals gerne im Orchester gespielt - dass ich nun als Sänger dort auf der Bühne stehen kann, ist besonders schön.“

Vogt mag es, mit herausfordernden Regisseuren zu arbeiten. So ist er im Herbst in Peter Konwitschnys legendärem „Lohengrin“ ebenso zu sehen wie in einer Neuinszenierung von Erich Wolfgang Korngolds „Toter Stadt“ in Frankfurt am Main und in der Münchner „Ariadne“ in der Regie von Robert Carsen. „Ich mag das gerne, wenn die Regisseure einem auch darstellerisch einiges abverlagen“, sagt Vogt. So habe er sich gefreut, wie Katharina Wagner den Stolzing angelegt habe: permanent in Bewegung, mit vielen Aktionen, fast ständig auf der Bühne. „Aber man muss aufpassen, dass man nicht zu viel macht. Es sollte nicht in Aktionismus ausarten.“

Angelika Rausch (ddp)