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Kultur „Kiss ist das Monument“
Nachrichten Kultur „Kiss ist das Monument“
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00:19 31.05.2019
Die Schockmomente sind seltener geworden: Aber Gene Simmons (von links), Tommy Thayer und Paul Stanley (nicht im Bild: Schlagzeuger Eric Singer) beherrschen den Rock ’n’ Roll immer noch perfekt. Das bewiesen sie zum Tourauftakt in der Arena Leipzig. Quelle: Willnow/dpa
leipzig, leipzig

Sie sind schon seit 1973 im Geschäft, haben weltweit mehr als 100 Millionen Alben verkauft, ihr Markenzeichen sind die Maskierungen – und man mag kaum glauben, dass die „End Of The Road“-Welttournee wirklich die letzte Tour von „Kiss“ ist. Am Montag war der deutsche Tournee-Auftakt in Leipzig, am 5. Juni rocken die Legenden die Expo-Plaza in Hannover. NP-Mitarbeiter Kai Schiering traf sich in Leipzig mit Paul Stanley („The Starchild“) und Tommy Thayer („The Spaceman“).

Mister Stanley, werden wir Sie jemals wieder auf einer Bühne sehen?

Das würde ich nicht ausschließen. Aber nicht mehr mit Kiss. Das ist die letzte Tour für uns.

Haben Sie Pläne für ein Soloalbum?

Ja, ich bin zu 90 Prozent fertig mit den Aufnahmen mit einer Motown-Soulband. 13 Musiker insgesamt sind beteiligt. Aber das kommt nach Kiss. Wir können alle Sachen machen, die wir lieben, aber Kiss ist das Monument!

Was sind Ihre Pläne, Mister Thayer?

Darüber habe ich noch nicht einmal nachgedacht. Ich liebe, was ich gerade mache: Jede Nacht auf die Bühne zu gehen.

Sie wissen, dass Sie am Mittwoch in Hannover, der Heimatstadt der Scorpions spielen?

Thayer: „Scorpiooons“ (imitiert liebevoll Klaus Meine).

Stanley: Unsere erste Europa-Tournee spielten wir mit ihnen zusammen. Hermann (der Schlagzeuger) war der Einzige, der Englisch konnte, er schrieb die Texte. Wir sind immer noch mit Rudolf, Klaus und Matthias befreundet; bei unserem letzten Treffen, haben sie extra ihre Pyramide (eine Akrobatik-Figur der Scorpions, d. Red.)) für uns dargestellt. Wenn sie am Mittwoch Zeit haben, schauen sie sicher vorbei.

Welche Kiss-Songs mögen Sie live am liebsten?

Thayer: Rock and Roll All Nite!

Stanley: Detroit Rock City und Love Gun! Die sind beide perfekt und nicht zu verbessern.

Wieso heißt der Song Detroit Rock City und nicht etwa New York Rock City?

Stanley: Detroit hat eine großartige Musik-Geschichte. Mitch Ryder, Grand Funk Railroad, Bob Seeger, Iggy & the Stooges; die Stadt hat uns als erste begeistert empfangen. Aber der Song ist auch einem Fan aus Charlotte gewidmet, der bei einem Unfall verstarb. Es geht um Anwesenheit, ohne vor Ort zu sein.

Welche zeitgenössische Musik mögen Sie?

Thayer: Alles an guter Popmusik.

Stanley: Ich mag die Popsängerinnen; Pink ist großartig, Demi Lovato hat eine Killer-Stimme, Lady Gaga. Es gibt im Moment eigentlich keinen wirklichen männlichen Gegenpart.

Wer hatte die Idee zum „Won’t get fooled again“-Part der Who in ihrem Song Lick it up“?

Stanley: Das war nicht geplant. Es entstand bei einer Session. Wir haben das Rad nicht erfunden und ziehen damit unseren Hut vor Großartigkeit. Wir sind ein Produkt von Bands wie dieser.

Zu guter Letzt, war die Maskerade Ihre Idee, Mister Stanley?

Ich wünschte, das könnte ich behaupten, aber nein, die Synergie aller vier damaligen Musiker hat die Masken entstehen lassen. Und jetzt, über 45 Jahre später, sind sie zu Ikonen geworden.

Mr Stanley, Mr Thayer, vielen Dank für das Gespräch, wir wünschen Ihnen eine gute Reise um die Welt und freuen uns auf ihren Hannover-Auftritt.

Dankeschön! Und bis Mittwoch!

Konzertkritik Leipzig: Ein Guter Anfang für das Ende

Es ist der Anfang vom Ende – der Tourauftakt der US-Rocker Kiss in Leipzig. „End of the Road“ nennen sie ihr Rock-n-Roll-Spektakel, nach 46 Jahren Musikkarriere soll nun Schluss sein.

Begeisterung in der Leipzig-Arena, 10 000 Zuschauer füllen die Halle, es ist fast ausverkauft. Erwachsene Männer rufen lauthals nach Gene, einige der Fans sind geschminkt wie ihre Helden. Gene der „Dämon“ ist sehr populär, oder Eric, als „the Catman“. Rumms – von der Hallendecke lassen sie sich abseilen, rumms – und nochmal knallen die Kanonenschläge. Alte Männer mit Krückstock? Von wegen, alte Männer mit Flammenwerfern! Laut wird es werden, und manchmal auch so richtig schön schräg, „Psycho Circus“ as it’s best!

Es ist „die erste Nacht der letzten Tour“, erklärt Paul „the Starchild“, und dass sie Mitglieder der Rock’n’Roll- Hall-of-Fame sind, betont er stolz. Hier glitzert und blendet alles, von den Gitarren bis hin zu ihren Fantasie-Kostümen, das Feuerwerk sowieso. Viele Unkenrufe gab es im Vorfeld, ob die Stimmen halten, doch Paul ist kräftig am Singen – „Detroit Rock City“, ihr Opener, ist eine der Hymnen des Rock. Viele feine Laser schneiden sich zu „Shout it out loud“ durch den künstlichen Nebel, die Verfolger und Scheinwerfer bewegen sich dabei mehr, als die Band zusammen – die 20-Kilo-Kostüme fordern ihren Tribut, ihre Plateau-Stiefel stammen nicht von dieser Welt. Übergroße Lautsprecher schweben über der Bühne, mobile Leinwände und zugleich Hydraulik-Podeste, die immer wieder einen der Musiker nach oben „entführen“. Zu „War Machine“ spuckt Gene ein bisschen Feuer, „Lick it up“ überrascht mit einem ausgefeilten wie berührenden „Won’t Get Fooled Again“-Part von The Who.

Der Klang in der Arena ist exzellent, die Menge vor der Bühne staunt träge, sie sind überwiegend im selben Alter, wie ihre Lieblingsband. Doch ein Drumsolo von Eric Singer, befreit von Lethargie. Tommy Thayer ist „the Spaceman“, seinen Solopart bekommt er bei „Cold Gin“; und das Publikum mit Plektren zu bewerfen, ist für beide Gitarristen Sport, während „God of Thunder“ – Gene Simmons höchstpersönlich – Blut spuckt. Mit einer Seilbahn fliegt Paul zur Hallenmitte, auf einer Bühne im Publikum stöhnt er „I was made for Lovin’ You“, ihr größter Hit donnert im Disko-Groove.

Die Kiss-Show ist gelungen, an den Schockeffekt hat man sich allerdings schon länger gewöhnt. „Beth“ spielt Eric Singer am Piano, und mit einem Konfetti-Bombardement und einer zerschlagenen Gitarre endet der Kiss-Kanon letztmalig. „Rock and Roll All Nite“ ist somit für Leipzig Geschichte.

Von Kai Schiering

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