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Kultur “Ad Astra”: Solotrip ins Herz der Finsternis
Nachrichten Kultur “Ad Astra”: Solotrip ins Herz der Finsternis
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09:12 19.09.2019
Muss sich der Einsamkeit stellen: Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) unterwegs im Weltraum. Quelle: -/20th Century Fox/dpa

Roy McBride (Brad Pitt) ist der perfekte Astronaut: gesundheitlich fit, den Ruhepuls bei 80, ein Muster an Pflichtbewusstsein, einsetzbar für schwierigste Missionen. Und jetzt wartet eine Aufgabe auf ihn, die ihm tatsächlich alles abverlangt - eine Reise zum Neptun, wo sein Vater Clifford McBride (Tommy Lee Jones), ein legendärer Weltraumpionier, vor 16 Jahren verschwand.

Erst geht's zum Mond, auf dem rechtlose Verhältnisse herrschen wie im Wilden Westen mit Schießereien und Verfolgungsjagden, dann zu einer Raketenbasis auf dem Mars. Dort erfährt er, dass der von ihm idealisierte alte Herr die Crew umgebracht haben soll und nun allein auf dem 4,5 Milliarden Kilometer entfernten Planeten ausharrt. Womöglich verfügt er über Wissen, um menschliches Leben auf der Erde auszulöschen.

Zunächst wird McBride auf seinem Weg von einem erfahrenen Astronauten und Freund seines Vaters (Donald Sutherland) begleitet. Bald aber ist McBride allein auf seiner Expedition, ohne zu wissen, wohin sie ihn führen wird.

Weitere Kinostarts der Woche: Neu im Kino ab 19. September

Futuristische Variante von "Apocalypse Now"

James Grays Sci-Fi-Thriller wirkt wie eine futuristische Variante von "Apocalypse Now". Der Solotrip ins Herz der Finsternis wartet mit sensationellen Bildern vor tiefschwarzer Kulisse auf. "Ad Astra" ist ein visuelles Meisterwerk schon durch die Impressionen von Schwerelosigkeit, Szenen in den Cockpits der Flugmaschinen und spektakuläre Aufnahmen, auf denen Roy Richtung Erde rast und in letzter Sekunde sanft mit einem löchrigen Fallschirm aufsetzt. Nicht einmal vom Mond aus sieht man in diesem Film Sterne.

Für Arthouse-Regisseur Gray ("Little Odessa", "Die versunkene Stadt") ist die Figur des alten Clifford eine Art Ahab-Figur wie aus "Moby Dick" und die Suche nach ihm eine Metapher für existenzielle Fragen nach dem "Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?". Auf bombastische Technologie verzichtet er.

Brad Pitt bezeichnete die Arbeit beim Festival in Venedig als seine größte Herausforderung, weil er keine Emotionen zeigen durfte: Sein Astronaut verbirgt den Schmerz der Kindheit hinter einer Maske. Er ist kein typischer Hollywoodheld, der im Orbit fremde Welten erobert, sondern ein in der Seele Verletzter, der im Off über Liebe, Familie und Beziehungen sinniert, eine große Leere empfindet und sich seinen Dämonen stellen muss.

Für Brad Pitt ist ein Oscar drin

Ohne den 55-Jährigen wäre die Intensität dieser Weltraumodyssee kaum denkbar. In der sich langsam entfaltenden Geschichte offenbart er mit jeder noch so kleinen Veränderung und trotz großer Traurigkeit den Willen nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Im einsamen Universum ist der Vater-Sohn-Konflikt Ausgangspunkt einer Selbstfindung, an deren Ende das Loslassen steht. McBride muss auch seine Männlichkeit neu definieren. Für Pitt, kürzlich ebenso brillant in Quentin Tarantinos "Once Upon a Time in Hollywood", könnte ein Oscar drin sein.

"Ad Astra" - Regie: James Gray mit Brad Pitt, Donald Sutherland und Tommy Lee Jones, 124 Minuten, FSK 12

Von Margret Köhler/RND

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