Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Ken Follett: Der Erfolg von "Das Fundament der Ewigkeit"
Nachrichten Kultur Ken Follett: Der Erfolg von "Das Fundament der Ewigkeit"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:56 24.10.2017
Von Sönke Lill
Ken Follett
Altmeister des historischen Romans: Ken Follett hat mit seinen 31 Büchern eine Gesamtauflage von mehr als 160 Millionen Exemplaren verkauft.
Anzeige
Hannover

Die Geschichte wird ein Bestseller, keine Frage. Seit der Veröffentlichung am 12. September steht Ken Folletts „Das Fundament der Ewigkeit“ auf den Top-Plätzen der Verkaufslisten – und wird dort bleiben. Denn Follett folgt auch im dritten Buch seiner historischen Romane, die in der fiktiven englischen Stadt Kingsbridge spielen („Die Säulen der Erde“, „Die Tore der Welt“), bewährten Mustern.

Ausgangspunkt für die Charaktere ist also das kleine Kingsbridge. Aber Follett legt wie auch in seiner zuvor veröffentlichten Jahrhundert-Saga („Sturz der Titanen“, „Winter der Welt“ und „Kinder der Freiheit“) einen Köder für die Leser aus: Der Protestant Ned Willard und seine katholischen Gegenspieler tummeln sich nämlich an den wichtigsten Orten des 16. Jahrhunderts: Paris, London, Sevilla, den Spanischen Niederlanden und sogar auf Hispaniola. Die Charaktere, die sich mit ihren Zielen, Leidenschaften und Intrigen die Zu- oder Abneigung der Leser verdienen, sind im Zen­trum der großen Politik. In Zeiten mit brutalster Gewalt zwischen Katholiken und Protestanten.

Wobei Follett schon unterscheidet. Die Bösen sind durch und durch böse – einer der Hauptschurken, Pierre Aumande, leidet natürlich unter einer hässlichen Hautkrankheit –, die Guten staffiert er differenzierter aus. Sein sympathischer Held Ned Willard, der im Dienste der englischen Königin Elisabeth I. katholische Umstürzler jagt, ist kein Katholikenhasser. Sein Ziel ist humanistischer Natur: Kein englischer Bürger soll wegen seiner Religion sterben müssen. Ein Verfechter der Toleranz also. Damit finden Leser brandaktuelle Probleme der heutigen Zeit wieder. Und damit verleiht Follett seinem Roman eine Relevanz, die über die Geschichte des 16. Jahrhunderts hinausgeht.

Dabei schreibt Follett überaus packend, beispielsweise in der Be­schreibung der blutigen Bartholomäusnacht 1572 in Paris. An anderen Stellen des Romans würde diese Textdichte ebenfalls helfen. Denn wenn bei einem 1168-Seiten-Werk (Lübbe, 36 Euro) ein englischer Katholik von einem ihm unbekannten Priester auf eineinhalb Seiten zu einer Konspiration gegen Elisabeth I. überredet wird, die ihn wegen Hochverrats buchstäblich den Kopf kosten könnte, dann treibt Follett zu sehr an die Oberfläche.

Der Autor spendiert auch Alltagsbanalitäten Platz, um seine Fans zu binden: Wenn Margery, die Liebe Ned Willards, an den Punkt kommt, dass sie sich eingestehen muss: „Lügen holen jeden ein, früher oder später“, dann hat das jeder, der das Buch liest, sicherlich schon einmal erlebt.