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Kultur Joe Jackson reist durch 40 Jahre
Nachrichten Kultur Joe Jackson reist durch 40 Jahre
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15:06 28.06.2019
Zaubernder Narr: Joe Jackson bei seinem Konzert im Theater am Aegi. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Am Anfang ist der Click. Dann kommt Schlagzeuger Doug Yowell. Graham Maby am Bass steigt ein, dann Gitarrist Teddy Kumpel. Und dann kommt her, gebeugt und doch riesengroß: Joe Jackson. Setzt sich hinter seine zwei Keyboards, ein Platz, den er die nächsten zwei Stunden bis auf einen kleinen Abgang vor den Zugaben nicht verlassen wird. Und stellt Deutungshoheit her: „Alchemy“ heißt das erste Stück.

Denn Alchemie, erklärt er direkt danach, sei die Kunst, etwas aus Nichts zu erschaffen – „wie alle Kreativität“. Ein Zaubermeister sitzt dort also und entführt seine 900 Lehrlinge im nicht ganz ausverkauften Theater am Aegi durch 40 Jahre seiner Karriere.

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Jackson hat 1979 mal mit Offbeat-lastigem Wave begonnen und rotzt als nächstes gleich die erste Single „One More Time“ heraus. Ab da ist das Publikum elektrisiert Vier Alben aus vier Dekaden – „Look Sharp!“ (1979), „Night and Day (1982), „Laughter and Lust“ (1991) und „Rain“ (2008) – stehen im Zentrum dieses musikalisch großartigen Konzerts, dazu neues Material.

In den 80ern hat sich der Brite immer wieder neu erfunden, experimentierte mit Genres von Funk bis Klassik. Und alles findet an diesem Abend Niederschlag. Was für eine Taktzahl an Hits: von „Is she really going out with him“ über „Strange Land“ und „It’s different for Girls“ bis zu „I’m the Man“.

Die Stimme klingt jung, die Gesichtshaut sitzt straff (was allerdings sichtlich kein Verdienst gnädiger Natur ist), die Musik ist zeitlos: „Real Men“ von 1982 knüpft mit Text, fragendem Klavierlauf und Mackergitarre direkt an aktuellen Diskussionen über toxische Männlichkeit an. „Drowning“ von 1991 ist ein Verlassenenlied für die Ewigkeit. „Steppin’ out“ von 1982, seinen größten Erfolg, spielt er als erste Zugabe mit den scheppernden Instrumenten von damals.

Der Narr im Sinne Shakespeares sei sein Lieblingssuperheld, erklärt er sein jüngstes Album „Fool“: „Er lacht und sagt die Wahrheit.“ Mit einer Reprise von „Alchemy“ lässt der zaubernde Narr einen großen Abend ausklingen. Ein letzter Click. Abblende. Der Zauber bleibt.

Von Stefan Gohlisch