Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Jochen Distelmeyer im Musikzentrum Hannover
Nachrichten Kultur Jochen Distelmeyer im Musikzentrum Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:37 04.02.2010
Von Karsten Röhrbein
Anzeige

Draußen schneeregnet es ohne Unterlass, aber Jochen Distelmeyer gibt alles, um den Winterblues zu vertreiben: Die Gitarren flirren, der Bass groovt, und mittendrin steht der grinsende Mittvierziger auf der Bühne im hannoverschen Musikzentrum und feuert sein Publikum an: „Mehr! Noch mehr!“

Ganz langsam geht es los mit „Schnee“ vom letzten Blumfeld-Album „Verbotene Früchte“. „Noch trägt die Welt ihr weißes Kleid, die Nacht hat alles zugeschneit“, singt Naturlyriker Distelmeyer da, ehe er bei „Wohin mit dem Hass?“ den wütenden jungen Mann gibt, als der er Anfang der Neunziger bekannt wurde. Mit gleich drei Gitarren lässt der akkurat gescheitelte Sänger seine Band gegen die „Reichen und Mächtigen“ zu Felde ziehen. 17 Jahre lang hatte Blumfeld Fans und Feuilletons mit solchen stilistischen Brüchen herausgefordert – besonders seit sich die Band 1999 anschickte, den Schlager vom Heimatradiomief zu befreien. Immer wieder würde er den vermeintlich uncoolen Reim „Herz“ auf „Schmerz“ verteidigen, hat Distelmeyer erst kürzlich erklärt.

Rund 200 Fans – halb so viele wie beim letzten Blumfeld-Gastspiel in Hannover – freuen sich über unkonventionelle Liebeserklärungen wie das neue „Murmel“ oder „Viel zu früh und immer wieder; Liebeslieder“ aus dem Blumfeld-Frühwerk.

„Ein Oldie feiert sein Comeback, die Leute finden’s funky, denn es macht ihnen Mut“, schlaumeyert Distelmeyer später im fiebrigen „Hiob“ – was die euphorische Stimmung im Publikum auf den Punkt bringt. Wer zu spät kommt, weil er nicht erwartet hätte, dass Familienvater Distelmeyer schon gegen 20 Uhr loslegt, wird mit zwei Zugabenblöcken entschädigt – und einer phantastischen Solo-Akustikgitarrenversion der neuen Single „Regen“. So macht das schmuddelige Winterwetter wirklich Spaß.