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Kultur Joachim Kosters okkulte Welten
Nachrichten Kultur Joachim Kosters okkulte Welten
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11:28 25.11.2010
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VON HENNING QUEREN

Er interessiert sich für das Okkulte in der (Kunst-)Welt und hat mit der Kamera die Wirkungsstätten des düsteren Sektenführer Aleister Crowley und die Wohnungen der MansonFamily (ermordete Sharon Stone) abgelichtet. Dabei ist Joachim Koester ein überaus freundlicher Däne, dessen frappierendes Filmschaffen die Kestnergesellschaft im unteren Stockwerk präsentiert.

Das Ambiente passt jedenfalls, die Vorführungsräume könnten auch an Schreckensorte erinnern. Balken aus grobem Bauholz begrenzen die einzelnen Vorführkabinen, die Installation wirkt wie eine vernagelte Ruine, ein Holzverschlag oder längst verlassene Abrisshäuser.

Und da läuft dann so etwas: Ein Gesicht ist in Großaufnahme zu sehen, der Kopf zittert, zuckt, irgendetwas Manisches geht hier vor. Der Film heißt wie die komplette Koester-Schau „Ich bin selbst nur ein Aufnahmeapparat“. Das Zitat stammt von Kurt Schwitters, der Aufnahmeort für die Zitterpartie ist dessen legendärer Merz-Bau im SprengelMuseum.

Andere Filme sind „Ghost Hunting“ oder „Tarantism“ (ein Tanz aus dem 17. Jahrhundert, mit dem die Wirkung eines Tarantelbisses gemildert werden sollte). In „Pit Music“ schrabbt ein Streichquartett Schostakowitsch, die Kamera schwebt und zoomt ganz abenteuerlich – und irgendwo taucht auch der Künstler kurz auf, in einem Akte-X-T-Shirt. Der sagt, dass er keine Kunst mag, die „nichts Tiefes, Verborgenes“ hat.

Zu Aleister Crowley nach Sizilien gehts mit Wackelkamera in „one + one + one“. Die Koester-Kunst funktioniert ein wenig wie das „Blair Witch Project“ – die Filme liefern nur die Folie, das dazugehörige eigentliche Grauen ergänzt von selbst der Kopf des Betrachters. Und dann kann es schon ganz schön düster werden.

Bewertung: 4/5