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Kultur Jan Garbarek verzaubert im Pavillon
Nachrichten Kultur Jan Garbarek verzaubert im Pavillon
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14:40 21.11.2018
Virtuos: Der norwegische Jazzer Jan Garbarek war zu Gast im Pavillon. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Ein Eiswind heult durch die Lautsprecheranlage, Jan Garbarek und Band verwandeln ihn in eine melodische und folkige Weise. Saxofon-Jazz aus Norwegen, Echo-Töne und Wohlklang, dafür ist der 71-jährige Garbarek berühmt, der Pavillon ist fast ausverkauft.

Garbarek hat wie immer seine großartigen Musiker dabei: Rainer Brüninghaus an den Keyboards und am Piano, Yuri Daniel am Bass und den indischen Meisterperkussionisten Trilok Gurtu. Der bearbeitet nicht nur Felle und Metall, sein Spektrum ist hingebungsvoll, mit scheppernden Eimern und glucksenden Wasserflaschen beweist er Fantasie und Kreativität.

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Im blauen Flanellhemd und mit seiner grauen Tolle zieht Garbarek die Fäden, überleitet elegant in die Soli seiner Mitspieler. Ein geschmackvoller Bühnenhimmel in Wolkenweiß und vier große Filmscheinwerfer veredeln die groovige Musik. Und wenn Gurtu ein dynamisches, vielklingendes Solo spielt, treten die restlichen Herren in den Hintergrund, halten ihre Instrumente fest und hören gut zu. Das ist urbaner Jazz, der sich ebenso in einer Pfütze spiegelt wie auf der glatten Oberfläche eines skandinavischen Fjords.

Das erste Lied dauert alleine 24 Minuten; das ethnische Beatboxing und der Scat-Gesang Gurtus harmonieren mit seinem Cajón, humorvoll und naiv, pure Jazzkunst. Garbareks Saxofon-Töne tanzen dazu wie eine Boje auf den Wellenkämmen. Er brät und zerrt, das reißt den Zuhörer aus jeder Monotonie. Die Klavierklänge von Brüninghaus besitzen mehr Bodenhaftung, der Bass von Yuri Daniel blubbert und entrüstet sich mit aufgeregten Läufen über das vermeintliche musikalische Chaos.

Jan Garbareks Musik ist eine freudige, Trübes wird hier nicht geblasen – Intensität statt Sentimentalität. Bassmann Daniel bekommt Zeit für funkige Soli, er gibt seine kribbeligen Läufe an das Publikum weiter. Trilok Gurtu überträgt die Nervosität in den nächsten Song-Rhythmus. Orientalische Klänge fliegen nun aus Garbareks kleinem Saxofon und vollenden sich im Tangotakt des E-Pianos.

Es ist ein sehr taktfestes Konzert, auch Garbarek spielt perkussiv auf den Tasten seines Blasinstruments. Die Boogie-Woogie-Ideen von Rainer Brüninghaus ziehen sich wie eine Whiskey-Fahne durch einen Saloon, seine klassischen Ausflüge erhalten Szenenbeifall. Visionen eines „Parisienne Walkways“ entstehen, Mondänität und Tristesse in einem. Die Holzblas-Gesamtabrechnung folgt, befeuert vom Drum-Solo mit Gong und Wasserflasche – Attacke des wilden Trommelmagiers. Das erheitert. Garbarek steigt um und mit einer Querflöte wieder ein.

Viel Freiraum für vier Großmeister und zwei Stunden Platz für die hervorragenden Musiker. Da klatscht sogar Garbarek im Takt. Und die Zuschauer nach Zugaben.

Von Kai Schiering