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Kultur Iron Maiden rocken Hannover
Nachrichten Kultur Iron Maiden rocken Hannover
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22:57 10.06.2018
Martialisch: Iron Maiden mit Sänger Bruce Dickinson stehen auf Kriegsdekor. Quelle: Fotos: Franson
Hannover

Das Sommerwetter hat glücklicherweise gehalten, es ist trocken geblieben, zwar schwül, doch die 25 000 Iron-Maiden-Fans freuen sich auf den Besuch der alten Dame: „Ohhhhh - Aaa-ces Hiiiigh!“ singen sie beseelt zusammen mit Leadsänger und Frontmann Bruce Dickinson. „Aces High“ – hoch die Asse, was für ein Auftakt auf der Expo-Plaza.

Dickinson, mit 59 Jahren der Jüngste in seiner Band, trägt eine Fliegerhaube, denn er ist nicht nur Sänger, sondern auch Pilot. Dass er Jumbojets steuert, hat sich schon herumgesprochen. Dazu passt das Modell einer Spitfire: Das Jagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg baumelt in luftigen Höhen an der Traverse. Martialisch geht es weiter, die Verstärkertürme sehen aus, als ob sie in Flammen stehen, viel Nebel qualmt aus den Tarnnetzen die darüber geworfen wurden.

Nicko McBrains Schlagzeug stößt bullig durch die Schwaden, seine Trommeln sind mit Folie bespannt – „Bleiglasfenster des Bösen“, auf denen das furchteinflößende Band-Maskottchen Eddie zu sehen ist. Wie Fußballer, die ihren Strafraum sichern, stecken Steve Harris, Dave Murray, Janick Gers und Adrian Smith ihr Metal-Schlachtfeld ab.

Lange Mähnen, Jeans und Cargo-Pants, Maiden-Muscle-Merchandise – ihre Mode hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Murray, Ur-Mitglied, Smith, dabei seit 1980, und Janick Gers – drei Gitarristen gönnt sich die Band, dazu McBrain, der einst bei Trust getrommelt hatte.

Bandgründer und Bassmann Steve Harris galoppiert mit seinen Fingern über den Vier-Saiter, er ist der Hauptsongschreiber der Band, die Schweißbänder an seinen Handgelenken sind inzwischen kult. Bruce kommt wie Jack the Ripper um die Ecke, stilecht mit Gaslaterne, schwarzem Zylinder und einer gruseligen Maske. Mit dem weißen Rüschenhemd und der schwarzen Robe kreischt er sich durch ein viktorianisches „Fear of the Dark“.

Die Karriere der „Eisernen Jungfrau“ hat ihren eigenen Biorhythmus. In Hannover spielte die Band aus der Ära der „New Wave of British Heavy Metal“ sogar mal im Capitol. Das war 1995 und mit Ersatzmann Blaze Bayley, der den zuvor ausgestiegenen Dickinson vertrat. Sechzehn Studio-Alben hat die Band aus East London seit 1975 aufgenommen, mittlerweile veröffentlichen sie ihre eigenen E-Games und Comic-Hefte.

Mit „Flight of Icarus“ zitieren Maiden einen Song, den sie letztmalig 1986 live spielten. Bruce greift zum Flammenwerfer, der silberne Ikarus, die Flügel erhoben und eigentlich bereit für den Abflug, stirbt den Schmelztod. Spaß mit Eddie – zu „The Trooper“ kommt er mit Säbel und stattliche fünf Meter hoch zum Kampf auf die Bühne, doch gegen einen Fechter wie Dickinson, hat er keine Chance.

Das Bühnenbild mit Skelett in Uniform, Union Flag und lohendem Schlachtfeld ist typisch für das Sextett – Kriegsdekor bemühen Iron Maiden gerne, jetzt greift sich Bruce eine Deutschlandfahne, das machen sie in jedem Land auf ihrer Tour, der Jubel ist groß.

„The Number of the Beast“, den Knaller vom gleichen Album, umrahmen Lichtsäulen und Feuerfontänen, die Bühne ist zur blutroten Hölle geworden. Bruce singt sicher, mit seinem Heldentenor schraubt er sich mühelos in die Höhen. Zum Fußball-punkigen „Iron Maiden“ taucht der Gehörnte mit Predator-Gebiss und einem Kopfmaß von zehn Öltanks hinter dem Schlagzeug auf – „Iron Maiden can‘t be fought“, sie können nicht geschlagen werden.

„Hallowed be thy Name“, hier hat jemand eine Verabredung mit dem Henker, „Yeah!“ skandieren die Fans, der Strick baumelt schon vom Bühnendach. Und mit „Run to the Hills“, ihrem größten Hit und der letzten Zugabe, ist nach 16 Songs Schluss. Diese „Jungfrau“ hatte mal wieder alles im „eisernen“ Griff.

Von Kai Schiering