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Kultur Hardy Schwetter alias Christian Steiffen: „Ich war nie Schlagerfan“
Nachrichten Kultur Hardy Schwetter alias Christian Steiffen: „Ich war nie Schlagerfan“
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16:33 13.02.2019
Pretty in Pink: Christian Steiffen (bürgerlich: Hardy Schwetter) ist der „Gott of Schlager“. Quelle: Manfred Pollert
Osnabrück

Der Osnabrücker Schauspieler und Sänger Hardy Schwetter (47) veröffentlicht am Freitag (8. Februar) unter dem Namen seiner Kunstfigur Christian Steiffen sein drittes Album mit parodistischem Schlager. Zu klassischen Siebzigerjahresounds von Disco-, Folk und Country hört man auf „Gott of Schlager“ Texte, die das klassische Heile-Welt-Ideal auf die Schippe nehmen.

Herr Schwetter, wie begann das mit Ihnen und dem deutschen Schlager?

Eigentlich begann das überhaupt nicht. Ich bin in den Siebzigerjahren sozialisiert worden, Das war die Zeit, in der ich im Partykeller meiner Eltern mit Schlager gequält wurde. Die Familie hat auch die ganzen Peter-Alexander-Filme geguckt. Das hat sich in mein Unterbewusstsein eingebrannt. Ein Trauma. Ich war nie Schlagerfan.

Was haben sie stattdessen gehört?

Mit acht war ich Beatles-Fan, mit zehn stand ich auf Elvis. Meine erste Platte, die ich mir selbst gekauft habe, war von AC/DC und ich fand auch die Sex Pistols toll. Das einzige Schlageralbum in meiner Vinylsammlung ist „Udo 71 live“ von Udo Jürgens.

Wie finden Sie den Schlager von heute – Helene Fischer, Andrea Berg, Semino Rossi und Co?

Kenn ich nicht, hör ich nicht. Nicht mein Thema. Bei mir liegt gerade Helge Schneider auf dem Plattenspieler.

Und trotzdem sind Sie der „Gott of Schlager“.

So ein Album braucht ja auch einen Titel. Und man kann sich das ja auch nicht aussuchen, ob man Gott ist oder nicht.

Was Ihre Lieder unterscheidet, ist die Ehrlichkeit im Komischen. Die Liebe, früher als Ideal beschworen, hält nicht ewig, so singen Sie in „Verliebt Verlobt Verheiratet Vertan“. Und in „Schöne Menschen“ sind Sie ein Protestsänger gegen Schönheitschirurgie und Selbstoptimierungswahn.

Ein bisschen Ehrlichkeit hat noch nie geschadet. Man muss einen Kontrapunkt setzen gegen all das Nichtssagende. Da ist der sogenannte Radiopop ja auch nicht besser als der Schlager. Dabei gab es nie ein Konzept. Es war nicht so: Ich hab eine tolle Idee und verdiene das große Geld. Das mit Christian Steiffen war immer nur gedacht, meine eigene Party zu sein. Den ersten Song „Sexualverkehr“ hab ich 1996 im Liebeskummer geschrieben.

Wie waren Christian Steiffens Anfänge so?

Ich bin mit meiner Playback-CD losgegangen, hab die auf Partys in den CD-Spieler getan, dem Barkeeper gesagt ,Mach mal Lied Nummer 5 an‘ und dann hab ich dazu gesungen. Ich war allein unterwegs – typisch Schlager. Als Martin Schmeing von den Angefahrenen Schulkindern mit seinen Keyboards dazukam, wurden die Läden größer.

Wie haben Sie Schmeing kennengelernt?

Osnabrück ist klein. Ich war Fan der Schulkinder. Er hat mich gesehen, als ich bei einem Poetry Slam „Sexualverkehr“ vortrug. Er sagte: Das müssen wir mal aufnehmen.

Können Sie inzwischen von der Musik leben?

Ich habe schon von der Musik gelebt, als ich noch nicht von der Musik leben konnte. 2005 habe ich als Regieassistent beim Osnabrücker Theater aufgehört. Seither habe ich keinen anderen Job gehabt. Die ersten Steiffen-Gigs brachten 50 Euro. Aber ums Hit-Haben und Geldverdienen ging es bei mir noch nie in der Musik.

„Kack Kack Kack Kack Karneval“, ihr Song-Mittelfinger gegen das Fasnachtsgewese, könnte jetzt zumindest ein saisonaler Hit bei Närrinnen und Narrelesen werden.

Ja, ich glaube, das lässt sich schwer vermeiden - trotz der eindeutigen Botschaft. Man kann dazu schunkeln und es finden sich in der Karnevalsszene auch Steiffen-Affine. Es gab sogar schon Auftrittsanfragen, aber ich geh da bestimmt nicht hin.

„Kein Steiffen für Nazis“ heißt es im Booklet Ihres Albums.

Das ist der Wunsch, dass die keinen mehr hochkriegen (lacht). Für manchen wäre ein Steiffen-Konzert aber vielleicht die letzte Chance für eine Sozialisierung. Im Ernst: Dummheit ist wieder Meinung geworden, das ist beängstigend. Und eine politische Diskussion bei Facebook ist keine politische Diskussion. Die allgemeine Verrohung macht mich betroffen. Man muss da den Mund aufmachen, zeigen, dass man dagegen ist.

Ist das auch eine christliche Haltung? Der „Gott of Schlager“ trägt auf dem Cover ein Kreuz um den Hals.

Ist Gott religiös? Ich bin christlich geprägt durch das Land, in dem ich aufgewachsen bin, aber ich bin mit 23 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Mal sehen, vielleicht kommt ja noch mal eine religiöse Phase, Bob Dylan ist das ja auch passiert.

Im März kommen Sie auf Tour. Ist da Spaß garantiert?

Keine Ahnung, ich habe noch nie eine Steiffen-Show gesehen, ich muss da immer arbeiten (lacht). Aber ich versichere Ihnen: Ich mache das, was ich da tue, mit einer großen Ernsthaftigkeit.

Zur Person: Hardy Schwetter (47) alias Christian Steiffen lebt mit Frau und Kind in Osnabrück. Neuzugang in der Familie ist der weiße Labradorwelpe Sunny (Künstlername Monty Steiffen), den Schwetter bei den Fotohootings für das Booklet zu seinem neuen Album „Gott of Schlager“ kennenlernte, und in den er sich prompt verliebte. Mit dem Musiker Martin Schmeing (alias Dr. Martin Haseland) sind vor dem aktuellen Werk zwei weitere Steiffen-Alben erschienen: „Arbeiter der Liebe“ (2013) und „Ferien vom „Rock’n’Roll“ (2015)

Neues Album: Christian Steiffen: „Gott of Schlager“ (Rough Trade)

Livedaten: 28. März: Berlin – Huxley’s; 29. März: Leipzig – Täubchental; 4. April: Frankfurt – Batschkapp; 11. April: Hannover – Capitol; 13. April: Hamburg – Große Freiheit 36; 25. April: München – Muffathalle; 26. April: Wien – Szene Wien; 27. April: Dresden – Alter Schlachthof

Von Matthias Halbig / RND

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