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Kultur In den Reichen von Tieren und Tabus
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14:17 18.01.2012
TIERE IN DER KUNST: Der "Hühnerhof" von Melchior D'Hondecoeter.
TIERE IN DER KUNST: Der "Hühnerhof" von Melchior D'Hondecoeter. Quelle: Landesmuseum
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Hannover

VON EVELYN BEYER.

Aquarien und Mittelalter-Altäre, Dinosaurierknochen und asiatische Kultstücke, dazu deutsche Impressionisten: Es soll Menschen geben, die eine solche Gemengelage für ein Handicap für ein niedersächsisches Landesmuseum halten.

Nicht so Katja Lembke, seit Mai 2011 Direktorin des Museums: „Das Haus hat das Potenzial zum Universalmuseum, zum Weltenmuseum“, sagt sie bei der Vorstellung des Jahresprogramms und konkretisiert: „Naturwelten im Untergeschoss, Menschenwelten im Erdgeschoss und Kunstwelten oben in der Landesgalerie – unser Antrag auf eine Auslobung der Umgestaltung liegt schon beim Ministerium.“

Bleiben also auch die Fische in der Dauerausstellung erhalten, trotz Sea Life, trotz des Zoos? Lembke: „Im Gegensatz zu diesen Institutionen haben wir als Museum den Bildungsauftrag. Wir können die Zusammenhänge zeigen, die Reviere der Fische, die Geschichte, die Entwicklung.“ Wenn es nach ihren Plänen geht, wird der Tierbestand sogar wachsen: „Wir haben das Wasserelement und das Land – fehlt die Luft“, sagt sie, „wir wollen Vögel ins Haus holen. Lebende.“

Das ist noch Zukunftsmusik und hängt auch von den Geldern ab. Fest steht, dass die beiden Sonderausstellungen des Jahres zentrale Brücken schlagen. „Im Reich der Tiere. Streifzüge durch Kunst und Natur“ vom 23. März bis 12. August vernetzt erstmals zwei Fachbereiche des Hauses, die Kunstgeschichte und die Naturkunde. Präparierte „Zeitzeugen“ werden zu sehen sein, stellvertretend für die Menagerien, in denen Maler wie Max Slevogt ihre Motive fanden. Die bunten Vögel, die seinen „Papageienmann“ umflattern, können durch die kirchhoffsche Vogelsammlung im Museum illustriert werden. Naturkundlich werden Entwicklungslinien aufgezeigt, wie Katze, Hund, Schwein und Pferd zu Haustieren wurden; doch auch „Untiere“ rücken an: In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Hannover entstehen 3-D-Animationen von Drachenwesen, wie die Kunst sie erdachte.

Auch die zweite Ausstellung appelliert an die Fantasie: „TABU?! Verborgene Kräfte – geheimes Wissen“ vom 28. September bis 7. April zeigt Kultgegenstände und rituelle Objekte aus Polynesien – von wo Thomas Cook den Begriff „tabu“ mitbrachte –, Afrika, Amerika und Asien. Aus Sammlungen in Oldenburg, Göttingen, Hildesheim und Braunschweig wurden sie zusammengetragen – auch diese Kooperation ein Novum.

Gefeiert wird auch, am 5. Februar steigt passend zur derzeitigen Marco-Polo-Ausstellung der „Karneval in Venedig“, ein Familienfest mit vielen Angeboten und Aktionen und einer echten Gondel.