Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Immer noch ganz groß: Simple Minds im Capitol
Nachrichten Kultur Immer noch ganz groß: Simple Minds im Capitol
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:39 17.02.2014
GIBT ALLES: Simple-Minds-Sänger Jim Kerr gibt im Capitol gute Ratschläge. Im Hintergrund links: Gitarrist Charlie Burchill. Foto: Treblin Quelle: Nigel Treblin
Anzeige
Hannover

Schon beim ersten Song kniet er sich an den Bühnenrand des Capitols, die Fotografen im Graben geben alles. „Broken Glass Park“ heißt der Opener der Simple Minds, der einzige neue Song vom Greatest-Hits-Album „Celebrate“.

Diese ihre Hits wollen sie auf der Tour spielen, versprochen. Das wuchtige „Waterfront“ von 1983 folgt, dann schlucken alle: „Stars will Lead the Way“ - ist das nicht? Ja, die Melodie aus der Pils-Werbung, diese unverwechselbare Gitarre. „Wunderbar!“, ruft Kerr, wirkt etwas träge und hält das Mikrofon in die Menge. 1600 Fans benehmen sich wie junge Leute, klatschen und singen. „Once upon a Time“ ist schöner, weißer Indie-Funk, schräg wie Bowie. Danach gibt es den „Rat eines Schotten: „Don’t drink too much - ihr werdet euch morgen an nichts mehr erinnern!“

Anzeige

Und das wäre schade um „Let There Be Love“ und „Promised you a Miracle“. „Let the Day Begin“ ist ein Cover-Song von The Call, dazu gibt es viel weißes Licht - und nach 50 Minuten tatsächlich eine Pause. Mit „Book of Brilliant Things“ kehren die Simple Minds glücklicherweise zurück, anschließend singt Background-Sängerin Sarah im roten Schotten-Karo-Kostüm „Dancing Barefoot“ von Patti Smith. Klasse.

Eigentlich sind die Simple Minds keine Club-Band mehr. Von Avantgarde, Pop und Folk ging es zu den Stadionrock-Hymnen, große und theatralische Gesten inklusive. Charlie Burchill ist ein guter Gitarrist, er hat wie the Edge von U2 den Klang seiner Band geprägt. Gegen Ende wird es kultig: „The American“, der 80er-Jahre-Ohrwurm der Indie-Diskos, und natürlich „Don’t you (Forget about me)“, ihr Überhit und Live-Aid-Knaller von 1985. Mit „New Gold Dream“ und „Love Song“ folgen die Höhepunkte und die zwei besten Songs des Abends. Vorahnungen von Elektro-Musik und angenehm ruppig und direkt. Immer noch „Alive & Kicking“, diese Simple Minds. Ein gutes, weil ungewöhnliches Konzert.

Kai Schiering