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Kultur Im Sendesaal sind die „Orchester-Detektive“
Nachrichten Kultur Im Sendesaal sind die „Orchester-Detektive“
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14:40 23.09.2018
Kombiniere – Klassik: Malte Arkona ist im Großen Sendesaal als „Orchester-Detektiv“ unterwegs. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Klassik ist spannend – auch für Kinder. Das will der NDR Grundschülern mit einer neuen Reihe erklären. Als prominentes Zugpferd hilft KiKa-Moderator Malte Arkona. Und tatsächlich: Mit Dirigent Andrew Manze und der NDR-Radiophilharmonie lösen die „Orchester-Detektive“ den schweren Fall – und mit Beethovens Sinfonie Nr. 5 Begeisterungsstürme aus.

Der gebürtige Hannoveraner Arkona ist als Ermittler einem Skandal auf der Spur. Dazu muss er Spuren nachgehen, Beweise sammeln und Verdächtige befragen. Und ganz nebenbei erfahren so die Kinder, was eine Sinfonie ist, was ein Motiv, wie viele Motive es in einem Satz gibt und welche Instrumente was spielen und wer Beethoven überhaupt war.

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Der 39-jährige Entertainer („Die beste Klasse Deutschlands“) brennt ganz persönlich für klassische Musik. Der Sohn des Ex-Eloy-Gitarristen und Keyboarders Hannes Arkona ist mit Musik groß geworden, hat eine Gesangsausbildung und ist auch Musiker, Theater- und Musicaldarsteller sowie Opernsänger. Er weiß, wovon er spricht, er ist dabei mit seiner Begeisterung überaus authentisch, und das kommt beim jungen Publikum im ausverkauftem großem NDR-Sendesaal hervorragend an.

Sobald er die Bühne betritt, schießt er ein verbales Feuerwerk der Euphorie ab – ohne Punkt und Komma, aber auch ohne zu viel Fachsimpelei. Er weiß, dass er sein Publikum fordern darf, aber auch nicht überfordern muss, um es mitzureißen: „Hier hört ihr alles live!“, ruft er ins Publikum und zeigt schwungvoll auf die vielen Musiker, die auf der Bühne sitzen: „Das ist mal Musik ganz ohne Steckdose!“

Dann gibt er einen Schnelldurchgang durch die einzelnen Instrumente im Orchester, bei Andrew Manze hält er sich etwas länger auf und erklärt den Kindern, dass der Mann keine „Stricknadel“ in der Hand hält, sondern dass das Orchester das Instrument eines Dirigenten ist. Später wird er Manze noch auffordern, mit den Kindern zusammen einen 3/8-Takt zu dirigieren. Und das klappt bei diesen kleinen Menschen schon erstaunlich gut.

Über die ganze Stunde schafft es Arkona, die Aufmerksamkeit der Kinder zu halten. Geschickt wechselt er trockene Theorie mit Action ab, immer wieder bringt er die Kinder zum Lachen. So erklärt er ganz genau die zwei Motive des ersten Satzes und den besonderen Einsatz der Oboe, lässt die Musiker einzeln vorspielen, das zweite Motiv dürfen die Kinder dann sogar nachsingen.

Danach spielt das Orchester den ersten Satz komplett und alle Kinder haben von Arkona die Aufgabe bekommen, genau hinzuhören und bestimmte Handzeichen zu geben, wenn sie das erste oder zweite Motiv oder das Lied der Oboe erkannt haben, denn: „Detektive schlafen nicht ein, sondern passen gut auf!“ So ist es tatsächlich bei so jungem Publikum ungewöhnlich mucksmäuschenstill im Saal, die Kinder lauschen gebannt und erkennen, dass die Musik nicht einfach so vor sich hinklingt, sondern einen klaren Aufbau hat.

Arkona sucht den Kontakt, geht immer wieder durch die Reihen, interviewt Kinder oder nimmt sie mit auf die Bühne. Er ist eine Frohnatur, er bespielt den ganzen Saal, selbst Andrew Manze kommt da mit seinem britischen Charme und Humor nicht gegen an. Aber es ist eben auch die Malte-Arkona-Show. Immer wieder lässt er auch seinen Kameramann in die Noten schauen, die dann auf einer großen Leinwand über dem Orchester gezeigt werden.

So wissen die Kinder jetzt alle sogar, dass „Fermata“ auf Italienisch Haltestelle heißt, aber in der Musik den Musikern anzeigt, dass sie auf der Note etwas verweilen sollen. Sie lernen, dass Beethoven allein in Wien 67 Mal umgezogen ist und nicht der ordentlichste Mensch war – sogar seine Noten hat er mit Tinte vollgekleckst. Das Erstaunlichste – und das ist dann auch der Skandal, auf den Arkona am Anfang anspielt –: Beethoven war zum Schluss taub, konnte seine eigene Musik gar nicht hören. Wie aber konnte so einer überhaupt solch geniale Musik schreiben?

Die NDR-Radiophilharmonie-Reihe „Die Orchesterdetektive“ mit Malte Arkona wird am Sonntag, den 16. Dezember, mit zwei Aufführungen ab 14.30 und 17 Uhr fortgesetzt. Das Thema dann: „Weihnachten mit dem Feuervogel“.

Von Maike Jacobs