Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Hier wird um die Zukunft gespielt
Nachrichten Kultur Hier wird um die Zukunft gespielt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:08 27.03.2019
Realistisch: Emese Bodolay und Klaas Werner vom Kollektiv Anna Kpop stehen noch mit dem Theatermobil des Jungen Schauspiels vor der IGS Mühlenberg.
Realistisch: Emese Bodolay und Klaas Werner vom Kollektiv Anna Kpop stehen noch mit dem Theatermobil des Jungen Schauspiels vor der IGS Mühlenberg. Quelle: Frank Wilde
Anzeige
Hannover

Neue Helden braucht das Land. „Der Gärtner“ vielleicht, um die Umwelt zu retten. Oder der „Brainwasher“, um das Denken zu verändern. Und welche Probleme gibt es überhaupt? Das soll ein neues Theaterprojekt des Jungen Schauspiels mit Jugendlichen ergründen: „Realität für Fortgeschrittene“.

Dahinter steckt das Bochumer Theaterkollektiv Anna Kpok. Drei Mitglieder – Klaas Werner, Emese Bodolay und Kathrin Ebmeier – sind seit vier Wochen mit dem Theatermobil des Staatstheaters im Stadtgebiet unterwegs, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und erste Ideen zu sammeln. An den Integrierten Gesamtschulen Kronsberg und Roderbuch; bis 29. März stehen sie (siehe Info) an der IGS Mühlenberg.

Der Ansatz ist zugleich sublokal wie global: „Die Jugendlichen beschäftigen sich viel mit Weltuntergangsszenarien“, hat Bodolay festgestellt: „Wir fragen zwar auch immer nach den Stadtteilen, stellen aber fest, dass es die viel größeren Fragen sind, die die Jugendlichen interessieren: Klimawandel, Mobilität, Gerechtigkeit ...“

Werner ergänzt: „Wir sammeln Wünsche und Fragen für die Zukunft – und Anknüpfungspunkte, an denen man die Zukunft jetzt schon in der Realität sehen kann.“ Die Ergebnisse werden auf ungewöhnliche Weise präsentiert: als eine Art analoges, begehbares Computerspiel. Bodolay verwendet den Begriff „Game-Performance“. An verschiedenen, von den Jugendlichen betreuten Stationen kann man sich den Fragen der Zukunft stellen.

Wie die genau aussehen, soll in den kommenden Wochen im Ballhof erarbeitet werden – noch werden auch Teilnehmer gesucht. Am Anfang jedenfalls soll sich jeder Gast zum Helden machen lassen können.

Die Übersetzung digitaler Entscheidungsprozesse in die Realität ist eine Spezialität der Gruppe: „An Games interessiert uns der Umgang mit Regeln und Gesetzen; es sind ja meist sehr starre Strukturen“, sagt Bodolay: „Auf der Bühne kann man die hintergehen.“ Das sei in jeder Aufführung zu Aufführung ein „Experiment, immer spannend“, so Werner: Wie reagieren die Schauspiel-Besucher, wenn sie selber zu Spielern werden.

Und sie sieht es nun aus mit der Jugend und der Zukunft? „Ich habe das Gefühl, dass es eine laute Generation werden könnte“, sagt Bodolay: „Die Zukunft wird bunt – und gefährlich für all diejenigen, die keinen Bock drauf haben.“

So kann man mitmachen

Das Theatermobil des Jungen Schauspiels steht noch bis 30. März vor der IGS Mühlenberg (Mühlenberger Markt 1). Geöffnet ist es jeweils von 14.30 bis 18.30 Uhr.

Ab 1. April geht die Arbeit an „Realität für Fortgeschrittene“ im Ballhof weiter, zunächst nur nachmittags, ab Beginn der Osterferien ganztägig. Bis dahin können sich 13- bis 18-Jährige noch um eine Teilnahme bewerben: bei Dramaturgin Janny Fuchs vom Schauspielhaus (über janny.fuchs@staatstheater-hannover.de oder 0511/ 99 99 28 53).

Das interaktive Theatergame wird an drei Terminen zu erleben sein: am 26., 27. und 28. April, jeweils ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Mehr Informationen gibt es hier.

Von Stefan Gohlisch