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Kultur Haochen Zhang ist die Entdeckung der hannoverschen Konzertsaison
Nachrichten Kultur Haochen Zhang ist die Entdeckung der hannoverschen Konzertsaison
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19:54 02.12.2009
Von Stefan Arndt
Quelle: Martin Steiner (Symbolbild)

Laut stampft er den Takt mit den Füßen wie Friedrich Gulda. Wie Glenn Gould summt er eher schlecht als recht die Melodien mit. Manchmal klappern seine Finger auf den Tasten, ehe der Ton erklingt, und bevor er zu spielen beginnt, wischt er umständlich die sauberen Tasten mit einem Seidentuch ab. Trotzdem ist der Pianist Haochen Zhang kein größenwahnsinniger Nachahmungstäter, der berühmte Vorbilder an Exzentrik noch zu übertreffen sucht. Er hätte auch kopfstehend oder mit den Füßen die Tasten bearbeiten können – wer so spielt, wie Zhang jetzt beim Pro-Musica-Konzert im Kleinen Sendesaal des hannoverschen Funkhauses, der darf alles. Der 19-jährige Chinese, der im Sommer den renommierten Van-Cliburn-Wettbewerb im texanischen Fort Worth gewann, ist viel mehr als einer der vollendeten Pianisten, die sich üblicherweise in den Debütkonzertreihen tummeln: Er ist ein Musiker, wie man ihm nur alle paar Jahre einmal begegnet.

Das ist schon nach den ersten Tönen von Chopins 24 Préludes zu hören, die Zhang als Gesamtzyklus präsentiert. Man wird lange und bei den größten Pianisten suchen müssen, ehe man jemanden findet, der diese Miniaturen ähnlich souverän klanglich durchdrungen hat und die Architektur der Gesamtanlage vergleichbar überzeugend hörbar macht. Es ist, als habe Zhang die Musik der Stille oder dem Lärm abgetrotzt, wie ein Bildhauer dem Marmorblock eine filigrane Skulptur: Alles Überflüssige ist entfernt, und auch der kleinste Teil hat noch Licht, Luft und Bedeutung. Es ist bewundernswert, wie bestürzend nachvollziehbar der Chinese Chopins emotionale Achterbahnfahrt (der Zyklus ist während des katastrophalen gemeinsam mit George Sand verbrachten Winters auf Mallorca entstanden) hörbar macht. Von technischer Perfektion, von ungewöhnlicher pianistischer Makellosigkeit braucht man da gar nicht mehr zu reden.

Nach der Pause frönt Zhang seiner offensichtlichen Liebe zu strengen, zyklischen Werken mit Brahms’ Händel-Variationen, mit denen er schon im Sommer die Jury in Texas überzeugt hatte. In Franz Liszts „Rhapsodie espagnole“ (und auch in der zugegebenen Bearbeitung eines chinesischen Volksliedes) beweist er dann noch eindrucksvoll, dass seine gestalterische Kraft in der Stärke seiner Finger eine Entsprechung findet: Selten klingt ein Flügel so laut und trotzdem kultiviert. So kann man sich immerhin vorstellen, was gemeint sein könnte, wenn Zeitgenossen im Spiel von Franz Liszt die „Tastendonner“ bewunderten.

Die Karten für das Konzert haben höchstens 14 Euro gekostet. Noch hat die Werbemaschinerie der großen Klassikplattenfirmen den jungen Pianisten nicht entdeckt. Doch es ist gut möglich, dass sich der Eintrittspreis schon vervielfacht hat, wenn Zhang das nächste Mal in Hannover spielt.

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