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Kultur Hannover hat Kunst für Raum und Zeit
Nachrichten Kultur Hannover hat Kunst für Raum und Zeit
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10:16 28.03.2019
Arcangelo Sassolino »Untitled« (2006 / 2007, Hydraulischer Greifarm, Maße variabel). Quelle: Federico Perezzani, Fausto Caliari Courtesy Galleria Continua and Galerie Rolando Anselmi
Hannover

Stefan Gohlisch stellt das Jahresprogramm vor.

Intelligent

„Artistic Intelligence“ – nicht „Artificial Intelligence“ – heißt die Gruppenausstellung, die der Kunstverein vom 27. Apirl bis 30. Juni zeigt. Es geht um das Wechselspiel von Künstlicher Intelligenz, mit Werken aus den vergangenen 40 Jahren.
Anne-Mie Van Kerckhoven, eine Pionierin auf diesem Gebiet ist ebenso vertreten wie der junge Italiener Arcangelo Sassolini, der – siehe Foto – einen gigantischen industriellen Greifarm wie ein Insekt durch den zentralen Ausstellungsraum krabbeln wird. Der bekommt einen doppelten Boden – in jeder Hinsicht.

kunstverein-hannover.de

Direktorin Kathleen Rahn und Kurator Sergey Harutoonian in der laufenden „Slavs & Tartars“-Ausstellung. Quelle: Wilde

Glaubhaft

Mit einem sehr zeitgenössischen Künstler startet der Kunstverein ins Ausstellungsjahr: Vom 16. Februar bis 14. April gibt es in einer großen Übersichtsschau einen Einblick in das Schaffen des Düsseldorfers Manuel Graf.

Der nutzt für seine Werke virtuos Computertechnologie, verwendet bei seinen Projektionen Techniken wie Morphing und Rendering, um Räume neu zu denken. So geht postmoderne in orientalische Architektur über, leiten Gotteshäuser unterschiedlicher Religionen ineinander über, wird der Kunstort als Raum der Kontemplation neu gedacht. Wie spiegelt sich Religion in der Architektur wieder? Wie wird Glauben inszeniert? Das sind Fragen, die ihn beschäftigen.

Exponal

Die Berliner Künstlerin Henrike Naumann, 1984 in Zwickau geboren, untersucht mit Mitteln des Films und der Installation, wie Raum und Zeitgeist einander bedingen. Ein typisches Beispiel sind ihre Nachbauten von ostdeutschen Wohnzimmern der Nachwendezeit: Das Alte musste raus; an seine Stelle traten die Traumbilder aus dem Möbelhaus – und alle Wurzeln zur Vergangenheit wurden gekappt.

Es macht etwas mit der Wahrnehmung, wenn das scheinbar Repräsentable seinerseits präsentiert wird. Das wird sich auch zeigen in der Arbeit, die Naumann für ihre Ausstellung im Kunstverein (13. Juli bis 25. August) erstellt: Sie wird das Exposeeum, den ideellen Nachlassverwalter der Weltausstellung im Künstlerhaus nachbauen – da geht es auch darum, wie sich Staaten präsentieren.

Beispielhaft

Die Mutter von Kaari Upson stammt aus Hannover. Eines Tages beschloss die Bankangestellte, ihren ganz persönlichen amerikanischen Traum zu verwirklichen, zog in die USA und „lebt heute amerikanischer als jeder Amerikaner“. So wurde sie zum Objekt des künstlerischen Schaffens ihrer Tochter: als Stellvertreterin einer weißen Gesellschaftsschicht und ihren Abgründen.

Upson nähert sich diesem Phänomen collagenhaft: mit Zeichnungen, Rauminstallationen, realen und fingierten Dokumenten und Filmen, in denen sie als ihre eigene Mutter auftritt und die an die düsteren Visionen eines David Lynch erinnern. Der Kunstverein zeigt ihre Arbeiten vom 7. September bis 17. November – als eine der ersten institutionellen Ausstellungen Upsons in Europa.

Erbaulich

Es wird heiß – im Winter: Vom 30. November dieses und bis 26. Januar kommenden Jahres wird die Kunst des Belgiers Koenraad Dedobbeleer gezeigt, und der nutzt scheinbar banale Gegenstände für seine Skulpturen – im Hauptraum des Kunstvereins zum Beispiel Heizungen.

„Er dreht das Objekt als solches auf den Kopf“, sagt Direktorin Kathleen Rahn. Dedobbeleer türmt Turnbalken zu Riesenmikados, versieht Baumarkt-Skulpturen mit der Nase seiner Frau, versteckt mal hier eine Cola-Dose, mal dort eine Zitrone. Mit anarchischer Freude bewertet er Alltägliches als Kunst-Stoff neu und um und hinterfragt hintersinnig und mit viel Humor, wie unsere ästhetische Wahrnehmung funktioniert.