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Kultur Hannover dreht das „Pornoding“
Nachrichten Kultur Hannover dreht das „Pornoding“
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16:25 21.06.2018
Bereit zum Dreh: Szene aus dem Theaterstück „Das Pornoding“. Quelle: Foto: Theater fensterzurstadt
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Hannover

Hannover war einmal Deutschlands Pornohauptstadt. Das erfahren die Premierenbesucher von „Das Pornoding“, einer Produktion des Ensembles fensterzurstadt, während sie auf der Aussichtsplattform des Ihme-Zentrums stehen und über die Dächer der Calenberger Neustadt schauen.

Hier hingekommen ist man über eine Wendeltreppe, unter dem Gitter fließt die Ihme. Auf dem Kopf trägt jeder Zuschauer ein Headset, durch das die Texte der Schauspieler eingespeist werden – ein riesiger, auf ein Fahrrad montierter Phallus, der am Ufer entlangfährt, stimmt die Besucher auf die Thematik ein: das Pornografie-Geschäft um Hans Mosers und Teresa Orlowskis VTO-Studios, deren Produktionen in den 90er Jahren Millionen scheffelten.

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In eine Ladenzeile im Ihme-Zentrum folgt man Isabella, die als junge Erwachsene in der Porno-Garderobe anfing. Sie erzählt vom drögen Alltag hinter den Kulissen, von einer Romanze mit einem Darsteller, die katastrophal endete – ihre ist die erste von sechs Einzelgeschichten, die “Das Pornoding“ erzählt.

Unaufgeregt meldet sich eine Mitarbeiterin aus dem Catering und erzählt von höflichen Darstellern. Eine Synchronsprecherin berichtet vom peinlichen ersten Vorsprechen, ein Produzent mit offenem Hemd und Goldkette aus großen Tagen mit internationalen Stars mit illustren Namen wie Jimmy Testosteroni oder Mike Prestige.

„250 Mark pro Kassette, und 2000 gingen pro Tag raus, das kann man sich ja mal ausrechnen“ – mit Porno wurde und wird Geld verdient, das macht der Text von Sascha Schmidt klar. Grundlage waren Interviews, die er mit Veteranen der Industrie führte. Über die Abstumpfung, den „emotionalen Overkill“, wie es der Produzent ausdrückt, spricht das Stück auch, und erlaubt so jedem Zuschauer, eine differenzierte Meinung zum Gehörten zu entwickeln, ohne es schwerfällig zu kommentieren.

Am Ende, beim Dreh, sind die Darsteller dran. 1000 Szenen hat sie gemacht, eine Ehe sei am Beruf gescheitert, er ist körperlich und seelisch am Ende, kann aber „ohne Porno nicht leben“. Wieder formuliert es das Stück am besten: Die Arbeit im Studio „kriecht durch die Augen direkt ins Herz“ – diesen Satz hört man zweimal von unterschiedlichen Charakteren.

Mehr Informationen zu Preisen und Zeiten finden Sie hier.

Von Lilean Buhl