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Kultur Hannover: Programm für Festival Theaterformen steht
Nachrichten Kultur Hannover: Programm für Festival Theaterformen steht
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18:29 24.04.2019
Theatermacher: Regisseur Marco Canale und Martine Dennewald, die künstlerische Leiterin des Festivals Theaterformen.
Theatermacher: Regisseur Marco Canale und Martine Dennewald, die künstlerische Leiterin des Festivals Theaterformen. Quelle: Kutter
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Zwischendrin schien Martine Dennewald sich genötigt zu sehen, eine kleine Abbitte zu leisten. „Wenn Sie jetzt den Eindruck haben, dass wie ausschließlich Inszenierungen ausgewählt haben, die es richtig krachen lassen“, lächelte die künstlerische Leiterin des Festivals Theaterformen am Mittwoch bei der Präsentation des Programms schalkhaft, „dann kann ich Sie beruhigen: Wir haben auch ruhige Sachen dabei.“

Nun ja. Auch manche der „ruhigen Sachen“ des dieses Jahr vom 20. bis 30. Juni wieder in Hannover laufenden internationalen Festivals – es wechselt seinen Standort jährlich zwischen Braunschweig und der Landeshauptstadt – sind auf ihre zurückhaltende Art fulminant bis spektakulär. Das gilt schon mal für die prägende Idee der Ausgabe 2019: Die Hälfte der zusammen 14 Produktionen entsteht erst in Hannover, die Regisseure entwickeln ihre Projektideen mit 150 Akteuren aus der Region, an neun verschiedenen Spielorten sind die Ergebnisse zu sehen

Eine Raum- und Zeitreise mit 50 Senioren

Der Argentinier Marco Canale etwa nimmt in „Die Geschwindigkeit des Lichts“ 50 Senioren und das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit und durch die Stadt, die Bühnenbilder sind private Wohnzimmer, Denkmäler und die Ruine der Aegidienkirche. Ein Jahr hat Canale diese so bislang noch nicht gehörten Stadtgeschichten mit seinen 50 Protagonisten erarbeitet.

Weitere Beispiele für „Stücke, die hier neu entstehen“ (Dennewald) sind die Choreografie „A Call of Dance“ von der Australierin Amrita Hepi, die in einem Shop am Bahnhof Menschen und ihre Bewegungen sammelt, am Ende stellt sie das Ergebnis in einer Performance im Ballhof zwei vor – ein Exzerpt all dessen, was die Menschen in Hannover bewegt. „600 Highwaymen“ interessieren sich in „The Collectors“ für Sammler aller möglichen materiellen und immateriellen Gegenstände – dafür suchen sie immer noch ein oder zwei Kinder, die mitmachen möchten.

„Lokis“ lässt es visuell und musikalisch krachen

Nun zu einigen der eingangs erwähnten Inszenierungen, die es laut Dennewald krachen lassen. Dazu gehört zweifellos „Lokis“ von Łukasz Twarkowski (20. und 21. Juni). Die Eröffnungsproduktion liefert den ersten Eindrücken nach einen rauschhaften Bilder- und Musikexzess, der Twarkowskis Inszenierung von „Es war einmal...das Leben“ als nicht enden wollenden Technoparty am Schauspiel Hannover durchaus ebenbürtig ist. Der polnische Regisseur erzählt die Geschichte dreier grässlicher Blackouts, die allesamt in Tod und Vernichtung enden, mit großer Heiterkeit ist also eher nicht zu rechnen.

Das gilt aber um so mehr für das Abschlussstück „Hate“ (29. und 30. Juni) von und mit der Französin Laetitia Dosch und dem Pferd Corazon. Dosch findet das Verhältnis der Menschen zu Tieren merkwürdig und versucht, ein gleichberechtigtes Verhältnis zu einem Tier einzugehen. Das führt zu Komplikationen, nicht zuletzt deshalb, weil auch das Pferd Fragen stellt. Albern, ernst und durchgeknallt – passt also gut in die Theaterformen.

Das Festival wäre undenkbar ohne ein ausschweifendes Musik- und Rahmenprogramm, im Festivalzentrum erwartet werden beispielsweise Christiane Rösinger (20. Juni), Sokee (22. Juni) und Soft Grid (29. Juni). Die erste Aufwärmparty steigt aber schon an diesem Freitag (22.30 Uhr) im Cumberland, Offizielles Motto: „Drop it like it’s hot“, inoffizielles Thema laut Martine Dennewald: „Sei funky, sei Frühkartoffel“ – ein dezenter Hinweis auf die Möglichkeit, sich Tickets im Vorverkauf zu sichern.

Karten gibt es im Vorverkauf im Schauspielhaus (Prinzenstraße 9) und im Opernhaus (Opernplatz 1).

Telefonischer Kartenservice: 05 11/99 99 11 11

Online-Tickets

Weitere Informationen 

Von Michael Lange