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Kultur Hannover: „Fake Youth“ im Ballhof
Nachrichten Kultur Hannover: „Fake Youth“ im Ballhof
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16:19 29.04.2019
Mitten in Hannover: Junge Menschen aus Stadt und Region bringen „Fake Youth“ auf die Bühne. Quelle: Karwasz
Hannover

„Junge Menschen aus der Stadt und Region Hannover lesen Hannah Arendts ,Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft‘“: klingt knochentrocken und/oder superpädagogisch? Ist es aber nicht – der Untertitel der Produktion „Fake Youth“ im Ballhof erweist sich als mehrdeutig. Die Frankfurter Gruppe „andcompany&Co.“ hat den Abend für das Junge Schauspiel des Staatstheaters eingerichtet.

Und zwar mit elf hannoverschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 28 Jahren. Sie treten an zur „Hannah-Arendt-Challenge“, bei der es weniger darum geht, die erstmals 1951 erschienenen Thesen der aus Hannover-Linden stammenden Publizistin wohlfeil darzubieten. Und eine Lesung ist die Inszenierung erst recht nicht, tatsächlich dienen die bestürzend aktuellen Arendt-Schriften („Nichts ist wahr, alles ist möglich“) eher als Katalysator für eine Untersuchung darüber, was „Wahrheit“ heutzutage bedeutet und wie es um die Zusammenhänge von Macht und gesellschaftlichen Entwicklungen steht.

Delfine streben die Weltherrschaft an

Da flimmert dann auch schon mal in Leuchtschrift das Zitat „Nach der Wahrheit ist vor dem Faschismus“ des Historikers Timothy Snyder über die kunterbunte Bühne, und die Theorie, derzufolge eine Analyse des Wortes „Delfin“ eindeutig ergibt, dass die besagten Tiere die Weltherrschaft anstreben, war im politischen Diskurs bislang noch nicht bekannt.

Sie ist allerdings auch nicht bescheuerter als manches, was massenhaft Verbreitung gefunden hat. Was soll man denn überhaupt noch glauben in Zeiten des Internets? „Lies sind Likes ohne K“, heißt es an einer Stelle, und der Typ, der da im Einhorn-Kostüm rumrennt, gibt zu, dass er für Follower-Zahlen alle Peinlichkeiten der Welt auf sich nehmen würde.

Es wird gesungen, „Cry Me A River“ zum Beispiel, es wird getanzt, Instrumente kommen zum Einsatz. Genau genommen ist viel zu viel los, so dass man das Getümmel gar nicht in seiner Gesamtheit erfassen kann – das aber ist ja durchaus eine Spiegelung der Verhältnisse. Um so wichtiger, dass die chorischen und choreographischen Passagen sehr sauber gesetzt sind, und der sympathische Abend hat einen weiteren Vorteil: Die Akteure wirken durch die Bank so individuell, dass Gedanken an eine gleichgeschaltete Jugend sich für diese 70 turbulenten Minuten in Wohlgefallen auflösen.

Von Jörg Worat

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