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Kultur Hannover: Diese Oper wird App-gefahren
Nachrichten Kultur Hannover: Diese Oper wird App-gefahren
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14:15 28.06.2019
Ab in die Unterwelt: 80 Elf- bis 21-Jährige stehen am Samstag auf der Bühne der Staatsoper. Quelle: Thomas M. Jauk/Stage Picture
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Hannover

Es gibt für alles die passende App. Sogar, wenn man Orpheus-gleich in die Unterwelt möchte – etwa um Oma, Mama oder das verstorbene Haustier zu besuchen. Das ist zumindest der Plan einer Gruppe Jugendlicher in der App-Oper „Unterwelt“, die die Staatsoper gemeinsam mit 80 jungen Menschen aus Hannover und Umgebung am Samstag uraufführt.

Grob orientiert an Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“ haben die beiden Komponisten Vivan und Ketan Bhatti den Schülern eine eigene Musik „auf den Leib geschneidert“. Den zu vertonenden Stoff haben die Regisseure Martin G. Berger und Jonas Egloff mit den 11 bis 21-Jährigen aus hannoverschen Schulen und Jugendeinrichtungen gemeinsam entwickelt.

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„Ok, Eurydike...“

Im Mittelpunkt steht dabei die App „Eurydike“, die Google-gleich von den Jugendlichen für diverse Dienste aufgerufen wird (“Ok, Eurydike...“) – vor allem aber, um in die titelgebende Unterwelt zu gelangen. Einfach wird das dank eines renitenten Höllenmeisters jedoch nicht, so viel sei verraten.

Musik mit dem Tablet auf der Bühne

Apps spielen auf der Bühne auch sonst eine tragende Rolle: So werden vor allem im ersten Teil der Oper per Tablet Bühnenbilder an die Wand geworfen und Musik auf der Bühne produziert, im zweiten Teil liegt der musikalische Schwerpunkt beim Orchester. In der App-Oper verschmilzt Digitales und Analoges, Klassisches und Zukünftiges, Oper und Performance.

Oberflächlichkeit und Tiefgründigkeit

So zumindest der Anspruch der Regisseure, die seit fast einem Jahr mit den Jugendlichen gearbeitet und wöchentlich geprobt haben. Die beiden Grundpfeiler „App“ und „Orpheus“ hätten schon ganz früh fest gestanden, im Laufe der Zeit sei man auf ihre Gemeinsamkeiten gestoßen: „Eine App ist ja letztlich nur eine Oberfläche“, erklärt Regisseur Martin G. Berger. Auch unter ihr verberge sich eine Art „Unterwelt“. Oberflächlichkeit und Tiefgründigkeit wechseln entsprechend auch in den Dialogen auf der Bühne, etwa wenn WhatsApp-Nachrichten samt Smiley-Angaben vertextet werden.

80 junge Menschen „bändigen“

Die Arbeit mit den 80 Amateuren war für die ebenfalls jungen Regisseure mitunter anspruchsvoll: „Es nicht immer einfach, 80 junge Menschen zu bändigen“, gibt Martin G. Berger zu. An Motivation habe es aber nicht gefehlt: „Viele wollten mehr tun, als wir im Stück unterbringen konnten.“

Kooperation macht es möglich

Zustande gekommen ist die App-Oper übrigens aus einer Kooperation der Staatsoper, des Musikzentrums und der Landeshauptstadt. Es handelt sich nicht um ihr erstes Projekt: Vor gut zehn Jahren entstand aus der Zusammenarbeit die Rap-Oper „Culture Clash“.

Premiere der Oper ist am Samstag, 29. Juni, um 19.30 Uhr in der Staatsoper. Weitere Aufführungen sind Montag und Dienstag, jeweils um 11 Uhr.

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Von Simon Polreich