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Kultur So war das Cro-Konzert in der Tui-Arena
Nachrichten Kultur So war das Cro-Konzert in der Tui-Arena
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08:19 01.12.2018
Cro immer im Zentrum: Der Mann mit der Pandamaske braucht nicht viel auf der Bühne. Zwei Backgroundsängerinnen und ein Keyboarder müssen reichen. Quelle: Franson
Hannover

20.05 Uhr, der Vorhang fällt und auf der Bühne erscheint einer der erfolgreichsten deutschen Rapper der vergangenen Jahre: Cro ist seit seinem ersten Album „Raop“ aus dem Jahr 2012 einer der größten der Rapszene. Der Mann mit der Pandamaske, der eigentlich Carlo Waibel heißt, tourt nun mit seinem neuesten Langspieler „tru.“ durch die deutschen Konzerthallen – Freitagabend machte er Station in der Tui-Arena – vor rund 7000 Fans.

10 000 Fans feiern den Mann mit der Pandmaske in der Tui-Arena.

Mit „tru.“ will Cro – wie der englische Name schon andeutet – echt, wahrhaftig, nahbar sein. Es gab sogar Gerüchte, der Rapper aus dem baden-württembergischen Mutlangen wolle die Maske fallen lassen. Ganz so weit ist er an diesem Abend nicht gegangen – die Anonymität bleibt sein Markenzeichen.

Auf der Bühne braucht er nicht viel

Sein Musikstil allerdings hat sich über die Jahre verändert: Schoss er mit früheren Songs wie „Hi Kids“ noch locker aus der Hüfte, sind seine neueren Stücke von einer gewissen Tiefe geprägt: „Wo bin ich hier? Vom Licht geblendet, ist da jemand, der mich versteht? Oder bin ich allein?“, schallt eine weibliche Stimme gleich zu Beginn des zweiten Liedes des Abends aus dem Computer. Zu „Kapitel 1“ und „Forrest Gump“ lässt es sich locker mit dem Kopf nicken: „Langer Run, ich komme an, bin Forrest Gump, bin Forrest Gump.“ Dazu läuft auf der LED-Wand im Hintergrund der Namensgeber des Titels.

Die meisten Klänge werden an diesem Abend elektronisch erzeugt: Eine Band aus Schlagzeuger, Keyboarder, Gitarrist und zwei Backgroundsängerinnen gibt es zwar, doch die Songs sind beat-lastig. Zwischendurch legt Cro auch mal selber Hand an die Gitarre und ein kleines Keyboard – doch überzeugend wirkt das nicht, schließlich steht hier auch der Text im Vordergrund und nicht die instrumentale Finesse.

Das Bühnenbild prägt eine nicht näher definierbare Skulptur, die aber dank Mapping-Technik ständig mit unterschiedlichen Motiven angestrahlt wird: Ist es beim ersten Song „Hi“ noch eine Rakete, wird daraus später ein Eisberg oder ein Lagerfeuer – das schafft Atmosphäre.

Rap ist für ihn eine Herzensangelegenheit

Der musikalische Wandel Cros zeigt sein größtes Problem: Viele, die seinen lockeren Spaß-Rap vor sechs Jahren gefeiert haben, sind jetzt erwachsen – und wollen mehr als nur oberflächliche Gute-Laune-Hits. Es wird sich zeigen, ob Cro einen Image-Wandel à la Sido hinbekommt. Wohl auch deshalb blieben in der Tui-Arena gestern Abend etliche Plätze frei.

Doch, dass der 28-Jährige Qualität liefern kann, ist unbestritten. In „Fake You“ beschreibt er seinen Weg als Künstler – und, dass Rap für ihn eine Herzensangelegenheit ist: „Ist alles Peace, alles nice, ich brauch' nicht mehr zu rappen, Diggi, Ziel ist erreicht, doch ich lieb' diesen Scheiß.“

Zur Freude der Fans gibt es zum Abschluss sogar noch zwei Zugaben: Mit „Easy“, einem von Cro frühen großen Hits, gehen alle noch mal richtig mit. Bis er seine treuen Anhänger nach dem poppigen „Unendlichkeit“ entlässt.

Was bleibt? Ein Künstler zwischen Altem und Neuem, der noch immer nach Höherem strebt: „Um zu verhindern, dass die Seele kilometerweit schwerelos ins Leere treibt, bitte Gott, steh mir bei, dass am Ende dieses Lebens mehr als 'ne Trophäe bleibt!“ Man kann es ihm nur wünschen.

Von Janik Marx

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