Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Hannover: Backstreet Boys verzaubern 11.000 Fans
Nachrichten Kultur Hannover: Backstreet Boys verzaubern 11.000 Fans
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:14 22.05.2019
Auch in Hannover angetanzt: Die Backstreet Boys können es immer noch – zur Freude ihrer vielen Fans. Quelle: Franson
Hannover

Als sich die Leinwand hebt, sieht man in der Tui-Arena: nicht viel. Denn die Backstreet Boys lassen die 11 000 Fans beim Auftakt der Deutschland-Tour erstmal zappeln. Noch eine Leinwand, golden funkelnder Glitzer, Pyro-Fontänen, dann erscheint der Schriftzug, und als die fünf Helden der Y2K-Ära hinter dem Spektakel auftauchen, ist das Kreischen in der Halle so laut geworden, dass man den Opener „Everyone“ kaum hört.

Die erste von vier Shows in Deutschland spielen die Backstreet Boys in der Tui-Arena in Hannover.

Die Backstreet Boys sind wieder zurück auf dem Kontinent, der sie in den 90ern als erstes liebgewann, und fast scheint es, als hätte sich seitdem wenig geändert. Eine innerhalb von Minuten ausverkaufte Halle, das Licht- und Lasergewitter von der Bühne, mehrere Kostümwechsel und eine intensive Partyatmosphäre: Mit den Hits von damals liefern die BSB eine Party like it’s 1999. Schnell geht es weiter, zu „I Wanna Be With You“ und „The Call“ werden die Boxen nochmal aufgedreht, dass die rundum rot leuchtende Bühne bebt. „Alles klar?“, fragt Brian ins Publikum, solo singt er „Nobody Else“, den ersten neuen Titel des Abends, zu „New Love“ traut sich die Band auf die Vorbühne, schüttelt Hände und pirouettiert, als wären nicht 20 Jahre vergangen.

factbox

Schon zwei Stunden vor Konzertbeginn warteten 500 Fans vor der Tui-Arena in Hannover auf die Backstreet Boys. Sie himmelten die US-Boyband noch immer an. Beliebt: Vor allem die alten Songs.

Es ist der gelebte 90er-Zeitgeist, ohne daran zu scheitern: Die BSB hatten Nummer-eins-Hits in drei Jahrzehnten, und obwohl spätestens mit dem Album „Black & Blue“ im Jahr 2000 das Ende der CD-Ära eingeläutet wurde, haben sie mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft – ein fünfstimmiges Pop-Monster wie aus der Petrischale gezüchtet.

Ein Pop-Monster wie aus der Petrischale gezüchtet

„DNA“ heißen Tour und neues Album, in einem Sci-Fi-Promovideo werden die Gene der fünf analysiert und als perfektes Boygroup-Erbgut beschrieben: Charisma und mehrstimmiger Gesang (zusammen mit den Pop-Krachern einiger der erfolgreichsten Produzenten weltweit) sorgten für Massenkollabierungen in den 90ern. Heute sind dieselben Fans nicht mehr so leicht zu beeindrucken, was die Boys auf der Bühne wissen: Schwächere Titel wurden aussortiert, neue nur angespielt, die Crowdpleaser-Attacke verfeinert. „Get Down“ ist Pop in Reinform, die Tänze werden ausgelassener, der Beifall laut. Viele Fans haben Luftballons in allen Farben dabei, die zur Liebeskummer-Hymne „Show me the Meaning of Being Lonely“ hin und her schwenken. Howie nennt Deutschland die zweite Heimat der Band, „wir haben euch vermisst“, sagen Kevin und AJ auf deutsch, für ihre ersten, hiesigen Erfolge bedankt sich die Band ausladend. Mehrere Titel kommen in Medleys verpackt, trotz nur knapp anderthalb Stunden Musik ist das ein Mammut-Konzert mit mehr als 30 Songs, gigantischer Produktion und entsprechendem Unterhaltungswert. Gerade ist eine knapp zwei Jahre dauernde Vegas-Residenz mit 81 Shows beendet, und was dort funktioniert, klappt erst recht in Hannover. Mit „Quit Playing Games (With My Heart)“ schwelgen, mit dem Übersong „Everybody (Backstreet’s Back)“ zurück auf die ersten Partys: einer Generation hat die Band durch diese Gefühle geholfen, und die gemeinsame Erinnerung daran ist stark.

11 000 Fans sind am Ende glücklich

Anders als ihren einstigen angeblichen Rivalen NSYNC, denen Frontmann Justin Timberlake bald zu groß wurde, ist den Boys nie ein Solomitglied entwachsen. Kevin Richardson versuchte es 2006, kam aber bald zurück: Die Backstreet Boys sind als Gruppe angelegt, auf Synchrontanz, Harmonien und Uniform. Allein, ihre Lieblingssongs vom neuen Album singend, bleibt keiner der Jungs lange auf der Bühne.

Kurz vor dem Ende sind die späten 90er noch nicht ganz auferstanden, es fehlen aber auch drei seiner größten Nummern: Mit „The One“, „I Want It That Way“ und „Larger Than Life“ ist die Zeitreise komplett — und 11 000 Fans sind glücklich.

Von Lilean Buhl