Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Hannover: Alles neu in Schauspiel, Ballett und Oper
Nachrichten Kultur Hannover: Alles neu in Schauspiel, Ballett und Oper
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:41 26.04.2019
Durchstarten: Laura Berman (links) und Sonja Anders sind die beiden neuen Intendantinnen des Staatstheaters. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Der Auftritt ist mutig, zwei gekreuzte Blitze stehen ab der kommenden Saison für Hannovers Staatstheater – als wenn man das bekannte Kreuz-Logo unter Starkstrom gesetzt hat. In den beiden neuen Intendantinnen, die für Theater und Oper in Hannover eine neue Ära beginnen, steckt jedenfalls reichlich frische Energie. Gestern präsentierten Laura Berman (Oper) und Sonja Anders (Schauspiel) ihre ersten ehrgeizigen und umfangreichen Spielpläne.

Das neue Logo. Quelle: Staatstheater

Die reichen von Opern für Babys, der Grand Opera über Konventionelles bis zu harten Polit-Stücken (NSU-Morde) und Science-Fiction-Theater (vom Autor des „Blade Runner“). Marco Goecke, der neue Ballettchef, wird zu Jimi Hendrix und Patti Smith tanzen lassen.

Vorab wurde aber erst einmal der Kurs abgesteckt, auf dem sich der Bühnen-Tanker Staatstheater bewegen soll. Auf jeden Fall in Richtung Offenheit – ein Begriff der sehr häufig bei der Präsentation fiel, wie auch Diversität, Globalisierung und Vielfalt der Gesellschaft.

Das Denken in U und E, in unterhaltende und ernsthafte Kunst, sei nicht mehr zeitgemäß, so Laura Berman. „Es gibt so viele interessante Musik, die wir kennenlernen wollen.“ Hier würde die „Neugier auf das Fremde“ im Fokus stehen. Gleichzeitig soll aber der gewohnte Kanon aus bekannten Stücken nicht vernachlässigt werden – wie eben dem guten alten „Barbier von Sevilla“.

Offenheit gilt dabei auf für die Durchlässigkeit von Oper und Theater. Beide Intendantinnen streben eine enge Zusammenarbeit an. Dafür würde genau des Stück eines musikalisch-dramatischen Grenzgängers stehen, so Sonja Anders. Zu einer der spektakuläreren Premieren dürfte dabei die Oper „Der Mordfall Halit Yozgar“ für Sänger und Schauspieler von Ben Frost stehen: Der ist gleichzeitig in der Clubszene aktiv und hat auch für den Netflix-Hit „Dark“ komponiert.

Die „diverse Stadtgesellschaft“ hat Sonja Anders dabei im Blick. Die Offenheit will das Schauspielhaus auch ganz handfest umsetzen, plant größere Umbauten im Bereich Hof und Kantine, auch um neue Begegnungsräume zu schaffen.

Und um ganz neue Publikumsschichten zu erreichen – die auch gern jünger sein dürfen. Wobei die Staatsoper den konsequentesten Schritt geht – mit einer „Baby-Oper“ für die ganz kleinen Belcanto-Fans ab einem Jahr. Für Laura Berman ein logischer Schritt: „Schließlich ist das Gehör der erste Sinn, mit dem wir die Welt wahrnehmen.“

Ballett: Tanz zu Patti Smith und Zoff auf Facebook

Mit Marco Goecke hat das Staatstheater einen der weltweit besten Choreografen ans Haus geholt. Der Tanzstar war mit Hund Gustav bei der Präsentation seines Programms. Dabei wird es einen Klassiker geben, der in Hannover schon einmal zu sehen war und nun runderneuert wird: „Nijinsky“ über den legendären Tanzgott wird mit großem Orchester gezeigt.

Marco Goecke Quelle: Schaarschmidt

Zur Eröffnung gibt’s am 21. September den Dreier-Abend „Beginning“, Goecke zeigt da sein Stück „Thin Skin“ zur Musik von Patti Smith. Als Uraufführung ist dann „Der Liebhaber“ nach Marguerite Duras angesetzt – Goecke hat sich die Aufführungsrechte an dem Roman gesichert. Außerdem sollen internationale Choreografen in Hannover arbeiten.

Als Gastspiel-Gala kommt dann im kommenden Februar das Lettische Nationalballett für einige Tage nach Hannover, wird den Klassiker „Le Corsair“ aufführen und das vertanzte Astrid-Lindgren-Kinderbuch „Karlsson auf dem Dach“.

Zurzeit hat Marco Goecke mit kleinen Nickeligkeiten zu kämpfen, über Facebook wird er angefeindet, dass er in Sachen Ballett nun kaputt machen will, was über lange Jahre aufgebaut wurde. Aber: „Ein Umbruch ist immer schmerzhaft.“

Oper: „La Juive“, „Tosca“ und „Alcine“

Die Eröffnungspremiere zeigt schon, wohin es mit der neuen Oper geht: „La Juive“ von Halévy startet am 14. September die neue Ära, eine echte Grand Opéra, die allein hundert Mitwirkende auf der Bühne erfordert. Großartige Musik, prachtvolle Arien und eine Lust auf Entdeckung. „Eine tolle Chance für das gesamte Ensemble, sich zu präsentieren“, so Operndramaturgin Regine Palmai. 1836 stand „Die Jüdin“, ein Stück über Machtmissbrauch der Kirche, schon einmal auf dem Spielplan des hannoverschen Opernhauses.

Regine Palmai Quelle: Schaarschmidt

Das Motto der ersten Spielzeit klingt etwas ungriffig: „Koordinaten des Anderen“. Es kommt aber immer darauf an, was man darunter versteht. Immerhin sind auch etliche bekannte Klassiker unter den zwölf Premieren. Da wird es „Tosca“ geben, den „Barbier von Sevilla“ und als Ausflug in den Barock Händels „Alcina“ – verpflichtet sind für die Inszenierungen jüngere Regisseure. die bereits am Durchstarten zu einer größeren Karriere sind.

Zu den gemäßigt zeitgenössischen Sachen gehört dann der wunderbare „Nixon in China“ von John Adams oder „The Greek Passion“ von Bohuslav Martinu.

Da es ja keine Trennung von U und E gibt, wird auch die Operette wieder gepflegt werden mit „Märchen im Grand Hotel“ von Paul Abraham – und das Musical von Georg Kreisler heißt „Heute Abend: Lola Blau“.

Aber die guten alten Sachen bleiben vorerst erhalten: Vor Weihnachten steht natürlich „Hänsel und Gretel“ auf dem Spielplan, weitere Wiederaufnahmen sind „Rigoletto“, „Die Fledermaus“ und „Aida“.

Das Orchester sucht noch seinen Generalmusikdirektor. Die Intendantin will sich Zeit nehmen, und lässt das Orchester unter verschiedenen Dirigenten Großsinfonisches von Bruckner, Strauss und Schostakowitsch spielen – und sogar ein wenig Frank Zappa.

Schauspiel: Klassiker und junges Theater

Ein Blick in die Zukunft: Mit Science Fiction startet das Schauspielhaus in seine neue Ära. Philip K. Dick, Autor von „Blade Runner“ liefert die Vorlage zu „Zeit aus den Fugen“ (Premiere; 13. September). Thema: Realitätsflucht, nationale Abschottung und die Spaltung der Gesellschaft in verschiedene politische Lager ist hier das Thema. „Öffnung und Pluralität“ steht über der ersten Spielzeit, die mit 27 Premieren, davon zwölf Erst- und Uraufführungen üppig bestückt ist.

Nora Khuon Quelle: Schaarschmidt

Zu den besonderen Stücken gehört dabei „Dance Nation“ von Clare Barron, in der Regie von Stephan Kimmig. Dabei darf es auch ein wenig laut und rhythmisch werden: „Es geht um Jugendliche, die tanzend erfahren wollen, was im Leben wichtig ist“, so Schauspieldramaturgin Nora Khuon (ja, es ist die Tochter vom ehemaligen Schauspielintendanten Ulrich Khuon).

Neben etwas merkwürdig klingenden Titel wie „The Männy. Eine Menschtierverknotung“ von Kevin Rittberger wagt sich das Schauspiel auch an eherne Klassiker wie „Judith“ von Friedrich Hebbel, Goethes „Werther“ oder „Orlando“ von Virginia Woolf mit Corinna Harfouch in der Hauptrolle.

Das Ensemble ist schön ausgewogen, Hälfte-Hälfte Männer und Frauen. Und da bekommt auch der gute, alte Anton Tschechow sein Gendersternchen, in dem sein „Platonow“ als „Platonowa“ von Stephan Kimmig auf die Bühne gestellt wird.

Und noch ein Klassiker: „Der zerbrochene Krug“ wird zusammen mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen produziert.

Der Ballhof macht in Zukunft wieder Theater für Menschen aller Altersstufen, und das Junge Schauspiel kommt mit drei Produktionen ins große Haus: „Wir zeigen junge Lebenswelten jetzt in allen Spielstätten in unterschiedlichen Formaten“, so Nora Khuon, „so dass sich Generationen treffen und mischen können.“

Von Henning Queren

Eine düstere Inszenierung nach dem Bestseller von Umberto Eco: Das Berliner Kriminaltheater gastiert mit „Der Name der Rose“ bis Sonnabend im Theater am Aegi..

29.04.2019

Mit Talent und Traktor fuhr der italienische Land-Art-Künstler Dario Gambarin über ein Feld in der Nähe von Verona. Herauskam ein gigantisches Mona-Lisa-Porträt.

26.04.2019

Wolf Biermann kriegt sein eigenes Biopic. Eine Produktionsfirma hat sich die Rechte an der Biografie „Warte nicht auf bessre Zeiten!“ gesichert – auch ein Starttermin steht schon fest.

26.04.2019