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Kultur Hannover: 2500 Klassikfans feiern Anne-Sophie Mutter
Nachrichten Kultur Hannover: 2500 Klassikfans feiern Anne-Sophie Mutter
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18:40 10.03.2011
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GESCHAFFT: Anne-Sophie Mutter und Kontrabassist Roman Patkoló nach der Penderecki-Uraufführung. Quelle: Martin Steiner
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VON HENNING QUEREN

Erst ewas streng mit eng anliegender schwarzer Hose und schulterfreiem Tafttop, nach der Pause dann in grüner Pracht aus flatternder Seide: Mehr Diva geht im Klassikbetrieb kaum.

In Hannover startete Anne-Sophie Mutter mit ihrem handverlesenen Kammerensemble „Mutter‘s Virtuosi“ ihre Europatournee. Sie tut etwas für den Nachwuchs, hat 15 junge Musiker von höchster Güteklasse um sich versammelt, ihr eigenes Projekt „Jugend forsch“ gewissermaßen.

Und sie tut etwas für die Morderne. Der Abend war gleichzeitig eine Uraufführung des jüngsten Werkes von Avantgardist Krzystof Penderecki – eine reizvolle Komposition allein für Violine und Kontrabass. Zehn Minuten Hochdruck und höchster geigerischer Anspruch: Das hatte schon besonderen Reiz, als die Violine sich über einem nachhaltig brummelnden Fundament in höchste Höhe schraubte und sich bartok-nah austobte.

Acht Streicher beschäftigt Mendelssohn-Bartholdys Oktett: Die jugendliche Spielvereinigung (mit Anne-Sophie Mutter an der ersten Geige) servierte das reizvolle Werk wie eine perfekt funktionierende Maschine. Kein Vergleich zu üblichen philharmonischen Ensembles, wie hier immer noch einen Gang höher geschaltet wird. Flüssiger, geschmeidiger kann man Mendelssohn kam spielten.

Grüne Pracht für Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, das passte für das Hauptstück des Abends: Wunderbar konventionell, von den rauen Klängen der Alte-Musik-Spezialisten hält Anne-Sophie Mutter nicht gar so viel. Bei ihr geht das Jahr in vollendeter Schönheit vorrüber.

Der Frühling erwacht e mit einer tollen Pianokultur voller Klänge, die tragfähig bis an die Grenze der Hörbarkeit blieben. Das stürmische Sommerwetter hatte dann in den Tutti eine fast turbinenhafte Geschwindigkeit, der Winter klirrte in eisig-glatter Präzision.

Das alles spielte sie mit einem süchtig machenden, nahezu kandiertem Geigenton – dessen Edelklang besonders auszumachen war, wenn sie im Duett mit ihren Ko-Musikern aufspielte, die ja auch schon phantastisch sind, hier aber fast nur den Rahmen abgaben für hochexquisites Geigenspiel.

Und da der Tourstart so schön geklappt hatte, gabs für jeden Musiker eine herzige Umarmung und fürs Publikum das extradicke Zugabenpaket mit einen geschmachteten Mittelsatz aus Bachs Doppelkonzert, einem Bach-Air, dass man die Kerzen anzünden mochte. Und in einem Vivaldi-Dacapo aus den „ Vier Jahreszeiten“ wurde es noch einmal richtig sommerlich. Mit geöffnetem Cabrio durch den Barock: Es ging noch schneller und präziser und perfekter als im eigentlichen Konzert. Zum Niederknien. Der (stehende) Beifall war entsprechend.★★★★★