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Kultur Hannover: 12.000 feiern Peter Maffay in der TUI-Arena
Nachrichten Kultur Hannover: 12.000 feiern Peter Maffay in der TUI-Arena
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16:04 14.11.2010
Rockte die TUI-Arena: Peter Maffay
Rockte die TUI-Arena: Peter Maffay Quelle: Behrens
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VON MATTHIAS HALBIG

Lederjacke, rote Akustikgitarre. Peter Maffay sitzt auf einer kleinen Bühneninsel in der Hallenmitte, die Szenerie erinnert entfernt an Elvis anno 68, umbrandet von Fans. „Steppenwolf“ unplugged – ein Solo für alle Unverstandenen. Die markante Stimme erfüllt die Saalnacht, warm undwürzig, voller Soul und Zuversicht. Ganz spartanisch geht das in der TUI-Arena heute los.

Dann aber strahlt auch schon das Philharmonic Volkswagen Orchestra, Maffay brettert mit der Harley auf die Hauptbühne (Klischee lass nach!) und singt beim 40. Bühnenjubiläum zum sattesten Sound seit je. Zuvörderst sind zwar auch die „Tattoos 2010“ eine Rockshow und zum Beweis ist die Halle unbestuhlt (danke!), trägt der Kapellmeister Lederhose, rocken Maffays Mannen wirklich knallhart. Aber anders als noch beim Hamburger Tourauftakt dringen die Streicher und Bläser ans Ohr, die Soundveredelung wird von der Band nicht ins Unhörbare geschickt.

Einer sichtlich vergnügten Band, vielleicht ists die beste der Republik – mit Gitarrist Carl Carlton drin, Schlagzeuger Bertram Engel, Keyboarder Jean Jacques Kravetz. Mit sichtlichem Wohlbehagen arbeiten die sich durch Hymnen, Rocker und Balladen aus 40 Jahren Maffay. Und ernten vom Publikum Verehrung und auch mal Hilfestellung. Bei der Mannwerdungsballade „Und es war Sommer“ (ich war 16 und sie 31) etwa ersetzen die Fans die in der neuen Countryrockversion fehlende Schluchzgitarre des Originals, mit einem quietschvergnügten „Diu-diu-diuuuu“. Und im Hintergrund glüht dazu ein Video in psychedelischen Farben: Frauen, Flora, Schmetterlinge. Maffay freut sich an der Freude seiner 12000 Fans: „Mann ist das ein Anblick. Fantastisch. Ein Traum.“ Man glaubt ihm das. Image und Person klaffen bei Maffay nicht auseinander, der Mann ist „jraaduss“ wie Baps Wolfgang Niedecken sagen würde.

Eine Bluesrunde mit brandneuen Songs gibts ohne Sinfoniker. Da schlittert Carlton mit der Bottleneck am Gitarrenhals lang, und Mundharmonikamann Chris Kramer fruttet sich in Ekstase. „Ich bin nur ein Mann“ singt Maffay das Hohelied der Wollust. Und nimmt sogar seine Anfangsjahre locker. Der Schlager „Du“ (einer seiner besten Songs) kommt, dezent angerockt, in voller Länge. Auf dem Screen reihen sich dazu 70er-Jahre-Poster und Bravo-Titelseiten, das unsägliche Cool von Gestern: Uns Peter im orangenen Overall mit roten Plateaustiefeln, Uns Peter, sitzend im Silberdress, mit Dalmatiner an der Seite – der Suzi-Quatro-Stil. Zum Piepen schön. Das Volk singt Maffay an: „Du .... bist alles ... was ich brauche auf der Welt.“ Und alles wird gut in der TUI-Arena.

Weil auch klug umgestellt wurde. Den allzu langen Block mit Rockklassikern hat man um zwei Stücke gekürzt, so kann Golden Earrings swingender Hardrocker „Radar Love“ weidlich thrillen. Und „Halt dich an mir fest“, hat nicht mehr allein die Last des Finales zu tragen. Es bekommt jetzt Rückenstärkung von „Freiheit, die ich meine“ und einer großen Frauwerdungsballade: „Josie, Josie, es ist soweit ...“ Ein Fest.

Apropos Josie: Der Tag ist – wie in dem Song verheißen wird – abends schlafen gegangen, wir aber würden getreu weiterrocken, bis er als Morgen aufwacht. Nach „Nessaja“ aber ist unwiderruflich Schluss, da zeigt das Orchester noch mal Majestät, Sterne funkeln auf der Leinwand, im Hallendunkel brizzeln sogar die totgeglaubten Wunderkerzen. Perfekt. Klar, das Rock-Klassik-Ding ist ein alter Hut. Aber ein hübscher. Würde man in diesem Moment um Handzeichen bitten, wer nächsten Mai wieder dabei ist, die Hände wären wohl alle oben.

Peter Maffay mit Band & Orchester, 24. Mai 2011, TUI-Arena; Karten zw. 49,95 und 79,85 Euro unter 0511 / 44 40 66