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Kultur Gute Zeiten für böse Bad-Religion-Lieder
Nachrichten Kultur Gute Zeiten für böse Bad-Religion-Lieder
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01:15 25.06.2018
Hoffnungsvoll: Bad Religion sind (von links) Mike Dimkich, Jay Bentley, Greg Graffin, Jamie Miller und Brian Baker.
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Hannover

Die neue Single ist draußen, die Wut noch da: „The Kids are Alt-Right“ von der US-Punk-Institution Bad Religion ist eine Abrechnung mit Trumps USA. Wir sprachen mit Gitarrist Brian Baker (53).

Ich erwische Sie in der Schweiz ...

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Ja. Und wir gucken Fußball.

Sind Sie etwa Fußball-Fan?

Wir kommen seit Ewigkeiten nach Europa, bestimmt 30 Jahre, und haben eine Menge Weltmeisterschaften gesehen. Es ist immer aufregend. Der internationale Aspekt einer WM, die Begeisterung der Menschen, das ist großartig. Zuhause gucke ich keinen Fußball, aber hier komme ich einfach nicht drumherum.

Es ist ungewöhnlich, dass eine Band zur WM tourt, weil die meisten Menschen anderweitig beschäftigt sind.

Wir kennen ja die Spielpläne. Wir treten nicht in Deutschland auf, wenn die deutsche Mannschaft spielt.

Seien Sie ehrlich: Sie sind doch nur froh, gerade nicht in den USA zu sein.

Mein Gott, ja (lacht). Es ist eine gute Zeit, nicht dort zu sein. Kinder als Geiseln für ein unerreichbares politisches Ziel zu nehmen, ist widerlich. Es ist kein Geheimnis: Unser Land hat Krebs, eine der dümmsten und abstoßendsten Arten. Aber es ist nicht nur unser Land. Weltweit gibt es einen Aufstieg von Menschen, die nicht verstehen, dass das Gemeinsame immer stärker sein wird als Nationalismen. Es ist erdrückend. Nichts in meinem Leben hat mich vorbereitet auf solche Ignoranz und einen solchen Mangel an Mitgefühl.

Als Sie anfingen, war Ronald Reagan Präsident, und man dachte, schlimmer könne nicht mehr kommen ...

In Amerika ist man nicht gefeit vor solchen Entwicklungen. Die Republikaner sind seit 40 Jahren so drauf. Aber damals gab es noch einen Filter, nach dem Motto: „Wir möchten böse sein – aber wenn wir es sind, kommen wir damit nicht davon.“ Jetzt aber ist die Gesellschaft so weit verblödet, dass sie es sich erlauben können. Und die Bürger neigen dazu, gegen ihre persönlichen Interessen zu wählen.

Erklären Sie mir das?

Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren. Sie glauben, es liegt daran, dass ein Schwarzer Präsident war. Jeder erhebt Anschuldigungen, die keinen Sinn ergeben. Am meisten Probleme haben die Menschen, die nie das Land verlassen haben. Sie verstehen nicht, dass die USA zwar ein großes Land sind, am Ende aber eben doch nur eines unter vielen. Die Welt ist so viel größer als eine Ölraffinerie in Texas ...

Also tut es auch Ihnen gut, dann und wann die Welt zu sehen?

Ich bin privilegiert. Ich verbringe die Hälfte des Jahres mit Bad Religion, und wir spielen viel im Ausland. Das sind wertvolle Erfahrungen. Die wichtigste: In ihren Herzen sind alle Menschen gleich. Das Menschsein obsiegt. Ich glaube, dass Menschen gut sind und nett sind.

Und diese Hoffnung gibt Ihnen Auftrieb, weiter politischen Punkrock zu machen?

Ja, sicher. Ich habe die Hoffnung, dass es genug gute Menschen gibt, damit das Böse ein Ende hat. Ich glaube, dass die Geschichte in Zyklen verläuft, und hoffe, dass wir am Ende dieses spezifischen Zyklus sind. Aber aus diesem Stoff sind gute Songs gemacht. Bad Religion hat immer schon über die Probleme gesungen, die wir gesehen haben, und das tun wir weiter.

Also genug Stoff für Ihr neues Album?

Ja, und gerade ist unsere Single „The Kids are Alt-Right“ erschienen. Wir arbeiten an dem Album, wann immer wir Zeit haben. Es sind einige wirklich gute Songs herausgekommen. das Album wird voraussichtlich im März erscheinen. Aber da es diese ganzen neuen Vertriebswege gibt, werden wir immer wieder neue Songs veröffentlichen. Ich mag das.

Worum geht’s?

Wie immer bei Bad Religion: eine Feier des menschlichen Geistes. Es ist kein einziges „Fuck Trump“, denn Nihilismus war nie unsere Sache. Die Menschen, die mögen, was wir all die Jahre gemacht haben, werden nicht enttäuscht sein.

Was steht auf dem Programm der Tour?

Generell feiern wir den 30. Geburtstag unseres „Suffer“-Albums. Wir spielen es komplett, auch die Naja-Songs, und das macht viel Spaß. Es gibt Menschen, die jede einzeln Zeile kennen. Das erinnert an Zeiten, als die Menschen Alben wirklich noch von vorne bis hinten gehört haben und nicht nur einzelne Songs. Nun ist das Album – typisch Bad Religion – nur 25 Minuten lang, also nutzen wir den Rest der Zeit, auch andere Sachen zu spielen.

Bad Religion live: am 17. August auf der Gilde-Parkbühne. Im Vorprogramm spielen ZSK. Karten (41,10 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops. Mehr Informationen finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch