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Kultur Pur erobert Hannovers Abenteuerland
Nachrichten Kultur Pur erobert Hannovers Abenteuerland
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22:57 23.08.2019
Hört gut zu: Pur mit Sänger Hartmut Engler spielte neue und viele ältere, beliebte Songs. Quelle: Franson
Hannover

Nico Röger ist für mehrere hundert Konzerte im Jahr verantwortlich, auch Weltstars wie Pink und Ed Sheeran wickelt der Manager mit seinem Team professionell ab. Wenn aber Pur nach Hannover kommt, wird es für den Geschäftsführer von Hannover Concerts emotional. Der 32-Jährige kennt Deutschlands erfolgreichste Pop-Formation aller Zeiten seit 1997, da war er nicht einmal zehn. Nicos Onkel Uli Roth managte die Band 20 Jahre lang, „Hartmut Engler und die anderen Jungs gingen bei uns in Mannheim ein und aus. Das waren und sind enge Freunde.“

Natürlich traf Röger die sieben Puristen kurz vorm ersten Ton, „es war herzlich wie immer. Für Hartmut ist Hannover fast ein zweites zu Hause.“ Bei herrlichem Sommerwetter hatten sich die 5000 Fans auf der seit langem ausverkauften Gilde-Parkbühne mit der Vorband „Füenf“ in Stimmung gebracht für Engler und das Motto des Abends „Zwischen den Welten“.

Fans warten auf „Hör gut zu“ und „Prinzessin“

So heißt das Album, das Pur nach dreijähriger Schaffenspause 2018 auf den Markt gebracht hat. Natürlich versuchen sie, Songs wie „Beinah“, „Zu Ende träumen“, „Verboten schön“ und „Energie“ populär zu machen, aber eingefleischte Fans wie Kerstin Salzer aus Sarstedt warten eher auf die uralten Hits: „Hör gut zu“ von 1992 oder „Prinzessin“ – sogar schon 30 Jahre alt.

5000 Fans begeisterte Pur am Freitagabend auf der Gilde-Parkbühne bei herrlichem Sommerwetter.

Nach gut einer halben Stunde kommt der Tango, auf den sie alle gewartet haben. Abend für Abend singt Hartmut Engler die Geschichte seiner Mutter. Einer alleinstehenden Witwe im Nachkriegsdeutschland. Die sich wegtanzt aus der Hoffnungslosigkeit der Zeit. „Wie sie jetzt lebt ist weit, weit entfernt wie ein längst verglühter Stern.“ Keiner, der jetzt nicht die Freundin im Arm oder das Feuerzeug hoch hält, textsicher sind Pur-Fans ja eh.

Pur-Sänger Hartmut Engler gerührt

Und während unten Rotz und Wasser geheult wird, wirkt Engler oben ergriffen. Als wenn er den Tango zum ersten und nicht zum 1000. Mal angestimmt hätte. Die Arme hat der 57-Jährige weit geöffnet, der Blick geht zum Himmel, die Augen sind tatsächlich mit Tränen gefüllt. Großaufnahme.

Jetzt hat Engler sein generationsübergreifendes Publikum im Griff. Da kreischen Teens neben einer vierköpfigen Familie aus Bremen, sogar Oma Ingrid ist mit ihren 69 Jahren nochmal mitgekommen. „Das lange Stehen fällt mir schon schwer“, sagt die Rentnerin, „aber für diese Beatmusik lohnt es sich doch.“

Pur kann auch aggressiv und politisch – gegen Rechts

Wo es eben noch sanft und seicht war im Sportpark, wird es plötzlich aggressiv und politisch. „Bis der Wind sich dreht“ mit Bildern aus der rechten Szene untermalt. Für den Appell gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit tritt Engler mit Lederjacke und Sonnenbrille auf, mit Eisenkreuz-Mütze und düsterem Blick.

Was Pur wirklich will, kommt direkt hinterher: „Neue Brücken“ über „Flüsse voll dummer Arroganz und Täler tiefster Intoleranz“. Neu sind die Lieder nicht und „wir haben immer wieder überlegt, ob wir sie rausnehmen können, aber die Themen sind leider aktueller denn je“, erklärt Engler und spricht über die rechte Gefahr: „Populisten schüren Ängste, die wir sonst nicht hätten.“

Zum Schluss geht’s ins „Abenteuerland“

Schluss mit Ernst, es geht ins Abenteuerland mit Nachwuchssängerin Leonie. Das Pur-Karussell dreht sich immer schneller. „Herzbeben“, „Wenn du da bist“, „Indianer“, jetzt ist es ein Best of aus 34 Jahren Bandgeschichte. Wir sehen uns in die „Funkelperlenaugen“, dann kommt „Leeeenaaaaa“, der größte Hit der Gruppe.

Gut, wer bei „Ich lieb‘ Dich“ eine Hand zum Ergreifen in der Nähe hat, besser, noch ein paar Jahre von „Ein graues Haar“ entfernt zu sein. Lied 27 ist das Happy End gegen 23 Uhr, das „Wiedersehen“ ist schon zum Greifen nah. Pur kommen regelmäßig rum. Und niemand zweifelt daran, dass es genauso sein wird wie am Freitagabend.

Von Christoph Dannowski

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