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11:55 17.03.2012
Von Johanna Di Blasi
Das Deutsche Historische Museum in Berlin muss eine wertvolle Plakatsammlung zurückgeben. Quelle: dpa
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Berlin

In wenigen Tagen eröffnet im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin eine Ausstellung zum großen Preußenkönig: "Friedrich der Große - verehrt, verklärt, verdammt". Deutschlands wichtigstes Geschichtsmuseum selbst hat - anders als der König - keine Verdammung, aber überraschenderweise eine gerichtliche Verurteilung zu verdauen. In dem langjährigen Prozess um eine Plakatsammlung aus jüdischem Besitz, die sich im DHM befindet, ist nun eine Entscheidung gefallen: Am Freitag verkündete der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, das Berliner Museum sei angewiesen, eine in der NS-Zeit aus privaten Händen geraubte Sammlung von 4200 Plakaten im Wert von geschätzten vier Millionen Euro herauszugeben. Die Blätter stammen vom Berliner Zahnarzt und Kunstliebhaber Hans Sachs (1881-1974) und gehen nun an dessen in den USA lebenden Sohn Peter Sachs.

"Die Stiftung Deutsches Historisches Museum akzeptiert das Urteil", hieß es bei DHM. Die Stiftung werde zeitnah mit dem in den USA lebenden Sohn des Berliner Kunstsammlers "eine zügige und einvernehmliche Abwicklung der Eigentums- und Besitzverhältnisse" vornehmen.

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Bei der Sammlung Sachs handelt es sich um eine der weltweit bedeutendsten frühen Plakatsammlungen. Der Berliner Zahnarzt war einer der ersten, der Gebrauchsgrafik der Massenkultur als sammelwürdig erachtete. Sachs leistete auf dem Gebiet auch publizistisch Pionierarbeit. Ende 1938 wurde der Sammler im Zuge einer Hausdurchsuchung seines Eigentums beraubt. Es gibt Indizien, dass Joseph Goebbels persönlich dahinterstand. Sachs wurde ins KZ verschleppt, konnte jedoch kurze Zeit später besitzlos in die USA emigrieren. 1961 erhielt er für seine verschollen geglaubten Schätze von der Bundesrepublik eine Entschädigung von 225.000 Mark.

Ein paar Jahre später wurde etwa ein Drittel der Blätter im Museum für Deutsche Geschichte in der DDR entdeckt. Dem dortigen Kustos schrieb Sachs 1966, die erhaltene Summe habe alle seine "Ansprüche gedeckt". Vierzig Jahre später, die Sammlung war inzwischen ins Deutsche Historische Museum gelangt, forderte der Sohn des Sammlers die Plakate dennoch zurück: Eine Verzichtserklärung habe sein Vater damals nicht abgegeben - es sei nur zur Zeit des kalten Krieges nicht vorstellbar gewesen, Exponate aus der DDR zurückzuerhalten.

Mit ihrer jetzigen Entscheidung widersprechen die Karlsruher Richter einer Empfehlung der sogenannten Limbach-Kommission. Diese hatte dem DHM 2007 geraten, die Plakate nicht herauszugeben.