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17:17 30.12.2011
ROCK'N'ROLL FÜR IMMER:Im Mai 1012 bringt Peter Krausseine Rock-’n’-Roll-Revue an zwei Abenden ins Aegi. Mit dabei: viele Songs vom neuen Album „Für immer in Jeans".
ROCK'N'ROLL FÜR IMMER:Im Mai 1012 bringt Peter Krausseine Rock-’n’-Roll-Revue an zwei Abenden ins Aegi. Mit dabei: viele Songs vom neuen Album „Für immer in Jeans". Quelle: Wilde
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Rock‘n‘Roll ist sein Leben. Peter Kraus hat den Gitarrist von Dick Brave in der Band und kommt 2012 mit einer Revue nach Hannover. Die NP sprach mit dem Sänger, der einst als deutscher Elvis galt.

VON MATTHIAS HALBIG

Herr Kraus, Sie sind 72 und kommen im nächsten Jahr mit einer Rock‘n‘Roll-Revue. Wie wird die werden?

Im Gegensatz zur letzten Big-Band-Tournee kommen wir mit einer kleinen Rock‘n‘Roll-Formation. Wir haben sechs Musical-Leute in Wien gecastet. Es wird Show-artige Bilder geben und Sketche. Alles unter Verwendung von Musik aus der (lacht) guten alten Zeit. Und vom neuen Album.

Ein neues Album?

Es kommt Mitte Januar und heißt „Für immer in Jeans“. Sehr Rock‘n‘Roll-lastig

Wie bei „Vollgas“ von 2007: Rock‘n‘Roll-Klassiker mit deutschen Texten?

Nein, das sind diesmal neue Kompositionen, Sachen von Wolfgang Hofer, der ein Freund von mir ist und auch das letzte Udo-Jürgens-Album gemacht hat und von meinem Gitarristen Andre Tolba, der auch bei Dick Braves Backbeats spielt. Ich covere Lou Rawls‘ „Lady Love“ und Bobby McFerrins „Don‘t Worry, be happy“. Und zwei Duette gibts mit meinem Sohn Mike, der auch mit der Revue tourt.

Auch ein Rock‘n‘Roller?

Den Rock‘n‘Roll mag er gern, ja. Nach dem Konzert zu meinem 70. Geburtstag im Circus Krone ist er mit vier Leuten aufgetreten als „Peter Kraus mit Band in jung“. Er arbeitet aber derzeit an ganz anderem, an elektronischer Musik.

Mit „Vollgas“ sind Sie 2007 zu den Sounds Ihrer Anfänge zurückgekehrt ähnlich wie international Neil Diamond oder Johnny Cash. Ist Ihnen dieser Vintage-Sound wichtig?

Bei „Vollgas“ ja. Auf dem neuen Album spielen viele junge Leute, die greifen da anders an. Das klingt moderner.

Aber nicht so swingend aufgeweicht wie der Rock‘n‘Roll in den 70ern und 80ern oft eingespielt wurde.

Das Geheimnis ist, unbemerkt anders und moderner zu klingen, so dass das Publikum es nicht wahrnimmt.

Jüngst kam Ihr erster Film, „Das fliegende Klassenzimmer“ von 1954 neu auf DVD heraus. Damals waren Sie 14, 15. Welche Musik haben Sie damals gehört, im Jahr vor Bill Haley und Elvis?

Ich habe Sinatra gehört, Sammy Davis, Ella Fitzgerald. Das kam über meinen Vater Fred Kraus. Als ich 8, 9, 10 war, hatte der mit diesen Liedern eine Revue in Wien bestritten, übrigens ohne Englisch zu können. Ich wurde ein Riesenfan von Fred Astaire und Gene Kelly, ich habe Konzerte von Count Basie, Duke Ellington und Lionel Hampton gesehen, und hatte so gar nichts am Hut mit deutscher Musik. In München bin ich immer mit dem Radl zum Truppensender AFN gefahren. ich hatte damals schon ein Tonband. Und dann haben mir GIs auch die ersten Rock‘n‘Roll-Platten überspielt.

Dann wurden Sie der deutsche Elvis. War der Titel eine Bürde oder eher eine Ehre?

Für den Start konnte einem nichts Besseres passieren. Das war sensationell. Aber dann war es auch unangenehm. Denn sowohl Elvis als auch ich wurden damals pressemäßig ziemlich runtergemacht.

Gabs Anfeindungen der Kollegen aus der bis dato braven deutschen Nachkriegsschlagerszene?

Anfangs ja. Das war auch völlig ungewöhnlich, dass da einer mit 17 Jahren ein Teenageridol wurde. Und wenn das nicht Gerd Mendelson gemacht hätte, der große Erfolgsproduzent damals, der sich sagte: „Den jungen Bub nehm ich einfach und mach das“, wäre das auch schiefgegangen. Ein Jahr später schwappte das um, dann sangen auch Fred Bertelmann und Ralf Bendix Rock‘n‘Roll.

Waren Sie rebellisch, passend zur Rebellenmusik?

Wir waren alle höflich, gut erzogen. Als Idol hatte ich eine Vorbildfunktion zu erfüllen, so sah ich das. Und ich machte mir einen Spaß daraus, die Klischees zu unterlaufen. Rock‘n‘Roller sind unpünktlich hieß es. Ich kam immer mit dem Gongschlag.

Also kein Halbstarker Peter Kraus?

Mit Rock‘n‘Roll rebellierte man gegen die Eltern, die verboten die „Negermusik“, die dadurch erst richtig groß wurde. Das war der Anfang. Aber dann war der nächste Schritt doch der zu den Eltern hin. Anders als heute hatten die Kinder nämlich kein Taschengeld. Es war eine Gratwanderung zwischen Rebell und Schwiegersohn. Und irgendwann merkten die Plattenfirmen, dass man mit Nicht-Rock‘n‘Roll-Singles das Fünffache verkaufte. Es wäre blöd gewesen, weiter herumzurevoluzzern.

Ihr Image war das des lässigen Sportwagen-Rock‘n‘Rollers.

Ja, ich war der Liebe, Ted Herold der Böse, Wilde.

Ted Herold hat sich mal in einem Gespräch mit mir darüber beschwert, er habe vom gemeinsamen Chef Mendelson nur die von Peter Kraus abgelehnten B-Songs abbekommen?

Ja, Ted Herold hat leider viel Quatsch erzählt in seinem Leben. Das war eine ganz klare Planung. Ich habe die Mädcheneinlullsongs bekommen und Ted sollte die harten Sachen singen. Diese Nummern haben leider nur ein Drittel verkauft. Als ich ihm tatsächlich die Ballade „Moonlight“ überließ, wurde das sein größter Hit.

Hätten Sie auch gern mal Teds Lederjacke übergestreift?

Nein, ich hab mich so wohlgefühlt, wie es war. Das Lederjackenimage hats so ja auch nicht gegeben, das kam erst später mit Filmen wie „Grease“. In den 50ern war Lederjacke nur Marlon Brando, für junge Leute war so ein Ding viel zu teuer. Da war man froh über eine Jeansjacke. Elvis war ja übrigens bei seinen Auftritten meist richtig gut angezogen.

Sie haben jetzt Beatles-Lieder im Repertoire. als Beatles, Rolling Stones und Kinks in den 60er Jahren aufkamen, mochten Sie die?

Erst einmal war ich stocksauer. Tom Jones hats mal gesagt, dass die Idee, dass vier Typen mehr Mädels schaffen als einer im Prinzip gut sei, aber plötzlich standen wir Solisten im Abseits. Musikalisch konnte ich mit dem ersten „Yeah! Yeah! Yeah!“ der Beatles nichts anfangen, aber was danach kam, war fraglos genial.

Der Rock‘n‘Roll der 50er war nie wirklich tot. Wie finden Sie die Neuen wie Baseballs oder Dick Brave?

Finde ich super. Wenn die Jungen was tun, brauch ich das nicht bis zum letzten Atemzug zu machen (lacht).

Peter Kraus‘ Rock‘n‘Roll-Revue am 3. und 4. Mai im Theater am Aegi, Karten zw. 44,50 und 73,25 Euro unter 0511 / 44 40 66.