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Kultur Frank Castorfs „Siegfried“ erboste in Bayreuth, die Musik aber erfreute.
Nachrichten Kultur Frank Castorfs „Siegfried“ erboste in Bayreuth, die Musik aber erfreute.
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09:50 31.07.2013
Von Henning Queren
HEILIGE DES SOZIALISMUS: Die Kulissen sind gigantisch. Quelle: Enrico Nawrath
Bayreuth

„Verehrte Besucher! Wir weisen Sie darauf hin, dass es im II. Aufzug zu einem lauten Bühneneffekt (Gewehrsalve) kommt. Entsprechende Schallmessungen ergaben, dass das Gehör der Besucher dadurch nicht gefährdet oder geschädigt wird.“ Prompt wird einem Besucher dabei schlecht - doch die Entwarnung folgt schnell: Alles im Lot.

Denn der Drachen wird hier nicht per Schwert erledigt, sondern mit der echten Kalaschnikow - Pulverdampf zieht durchs Auditorium. Der Drache ist auch kein Drache, sondern ein Mix aus Zuhälter, Türsteher und Partymacher. Und der Schatz, den er bewacht? Mädels in knappen Kleidchen. Ja, hier muss man sich von ziemlich allem verabschieden, was man von Wagners „Siegfried“ gewohnt ist. Castorf kommt es nicht darauf an, eine stimmige Erzählung vorzulegen, er setzt auf Bilder, Details, Gags und Assoziationen.

Es ist ein Abend der starken, teils überwältigenden Bilder (Bühnenbild: Aleksandar Denic) - schon wenn sich der Vorhang hebt und man auf diesen Mount Rushmore der Heiligen des Sozialismus blickt, Marx, Lenin, Stalin und Mao in Fels gehauen. Das sind die Hausgötter von Jung Siegfried (Lance Ryan), den Wagner ja erfunden hat, um die alte Welt zu zerstören. Die liegt hier in der DDR, kaum dreht sich die Bühne, erscheint ziemlich realistisch der Alexanderplatz. Und der sexy Waldvogel (Mirella Hagen) sieht aus wie dem Friedrichstadtpalast entsprungen.

Einfälle über Einfälle, das macht den langen Abend abwechslungsreich mit Zitaten aus Popkultur, Kapitalismuskritik, Bayreuth-Geschichte und viel Slapstick. Gelächter, als der Zahlkellner kommt und Gott Wotan nach ausgiebigem Spaghetti-genuss seine Brieftasche nicht findet.

Das schönste Schlussduett von Brünnhilde und Siegfried beginnt bei gedimmtem Licht wie im Schwarz-Weiß-Film, das „Leuchtende Liebe, lachender Tod“ endet auf dem Alexanderplatz. Zum Schluss - Castorf kanns nicht lassen - watscheln zwei riesige Gummikrokodile heran und verspeisen den Waldvogel. Der rekordverdächtige Buh-Orkan wölbt den Bühnenvorhang nach hinten.

Der stoppt sofort, als die Sänger kommen. Weltklasse, wie Siegfried Lance Ryan die Schmiedelieder in die Höhe stemmt, dabei ausreichend Schmelz für das Liebesduett hat mit der überragenden Brunhilde (Catherine Foster). Die Sensation ist wieder das Orchester unter Kirill Petrenko, wunderbar, wie er beim Aufrauschen in den Schmiedeliedern kurz auskuppelt, um das Tempo dann umso dramatischer anzuziehen. Stardirigent Christian Thielemann hat einen ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommen.

Regie: 3/5

Musik 5/5

Bayreuth-Fan Bothe: „Fantastische Bilder!“

Eigentlich müsste er in diesem Jahr die silberne Nadel der Festspiele bekommen: Winfried Bothe (79), Gründer der gleichnamigen Tanzschule in Hannover, ist mittlerweile seit 50 Jahren Gast auf dem Grünen Hügel. Wie er den umstrittenen „Ring“ findet? „Fantastisch, tolle Bilder und viele Anspielungen, über die man erst einmal eine Nacht schlafen muss.“ Für die Festspiele begeistert hat ihn ein anderer Wagner-Fan aus Hannover: Ex-Opernintendant Hans-Peter Lehmann. „Der hatte bei mir Tanzen gelernt und mich nach Bayreuth eingeladen.“ Als er den ganzen Zauber hinter der Bühne erlebt hatte, entstand eine Begeisterung, die bis heute anhält – und die auch das harte Gestühl und schwüle Klima im Festspielhaus nicht dämpfen konnten. Was sich in dem halben Jahrhundert verändert hat? „Das Publikum ist liberaler und weltoffener geworden.“ Und seine Lieblingsoper von Wagner? „Tannhäuser, immer wieder.“

Das Wasser war reichlich Thema in diesem Jahr, mal als Flut, mal als Sturzregen, mal als lebensnotwendiges Gut, das nicht der Privatisierung anheim fallen sollte - oder zuletzt gern schlicht als Badeteich.

Evelyn Beyer 31.07.2013

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