Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Florian Sump – für immer Deine Freunde
Nachrichten Kultur Florian Sump – für immer Deine Freunde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:25 19.11.2019
Die coolste Kinderband der Welt: (von links) Florian Sump, Lukas Nimscheck und Markus Pauli sind Deine Freunde. Quelle: Handout
Hannover

Im Sommer spielten Deine Freunde auf der ausverkauften Gilde-Parkbühne. Bei der Tour zum neuen Album „Helikopter“ muss es schon die Swiss-Life-Hall sein. Wir sprachen mit Bandgründer Florian Sump (38).

Deine Freunde sind ganz schön groß geworden. Sie haben jetzt sogar ein eigenes Label, „Sturmfreie Bude“ ...

So nach dem Motto: Die Eltern sind raus; jetzt können wir machen, was wir wollen ... Es fühlt sich noch ein bisschen an wie „Oh, Gott, gleich kommt der Chef!“, und es ist geil, zu merken, dass er nicht kommt.

Wie haben Sie denn vorher gearbeitet?

Vorher hatten wir nur unser kleines Studio, und vieles lief über Handy. Jetzt haben wir einen Ort, zu dem wir gehen, und es fühlt sich viel mehr nach seriöser Arbeit an, obwohl es das ja schon die ganzen letzten Jahre war.

Plötzlich wird eine Band zu einer kleinen Firma ...

Richtig. Aber wir machen jetzt auch nicht auf Plattenbosse, sondern freuen uns einfach über die Möglichkeit, unsere Musik selber veröffentlichen zu können.

Bloß nicht zu erwachsen werden?

Nee, nee, nicht übertreiben (lacht).

Lesen Sie hier: So war es mit Deine Freunde auf der Gilde-Parkbühne

„Kinder haben viel mehr Spaß, wenn die Latte zu hoch hängt“

Die Idee zu der Band kam Ihnen damals bei Ihrer Arbeit im Kindergarten, oder?

Ja, angesichts der doch recht überschaubaren Auswahl an Musik, die für Kinder produziert wird. Letztlich haben mich die Kinder darauf gebracht. Angefangen damit, dass ich Musik von amerikanischen Hip-Hop-Artists mitgebracht habe, die mir gefallen hat, wo ich ganz schnell an der Art, wie die Kinder sich dazu bewegt haben, gemerkt habe, wie sie es mögen, auch wenn sie die Texte nicht verstehen. Das ging mir ja früher auch so, auf der Rückbank im Auto meiner Eltern. Am Ende geht es darum, was für ein Gefühl einem Musik vermittelt.

Lesen Sie hier: Neue Kindermusik – Schluss mit Fiderallala

Kinder haben ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein.

Und sie lassen sich nicht gerne abspeisen mit zu wenig. Die haben viel mehr Spaß damit, wenn die Latte zu hoch hängt; das ist interessanter. Wir schreiben seit zwei Alben ja auch Texte, die eher aus Perspektive der Eltern berichten als aus der der Kinder. Ganz oft sind das die Lieder, mit denen sich die Kinder auch viel intensiver auseinandersetzen und das mit Freude. Kinder belehren einen immer eines Besseren.

In „Kater vs. Vollzeitrausch“ vom neuen Album geht es um die Zweifel, die neue Eltern haben.

Wir wissen inzwischen, dass die Kinder sich auch austauschen mit ihren Eltern über Texte wie diesen: „Wie habt ihr das erlebt? Wie ging es euch?“ Das freut uns sehr.

„Nach wie vor finden wir es cool, eine Kinderband zu sein“

Da spielt Ihnen vermutlich in die Hände, dass Eltern zu Ihren Konzerten nicht nur notgedrungen, sondern spürbar gerne kommen, oder?

Ja, da sind einige ziemlich textsichere Eltern dabei ... Nach wie vor finden wir es cool, eine Kinderband zu sein. Aber natürlich gehören die Eltern auch zu unserem festen Publikum, und darum nehmen wir es uns heraus, ab und zu mal einen Song für sie zu schreiben. Bei „Kater vs. Vollzeitrausch“ kann ich mir vorstellen, dass Kinder den Song eher skippen, weil er ihnen zu emotional ist. Aber vielleicht überraschen sie uns erneut.

Was hat sich für Sie geändert? Arbeiten Sie noch in der Kita?

Seit diesem Jahr nicht mehr. Ich war da zwar vor kurzem noch im Ferienprogramm, weil mir der Austausch auch nach wie vor so viel Spaß macht. Ansonsten gibt es hauptberuflich nur noch Deine Freunde. Das ist natürlich ein Traum. Wir sind super dankbar dafür, dieses Leben führen zu können. Der Spaß, den wir auf der Bühne haben, ist nicht geheuchelt, sondern das bringt wirklich so viel Bock. Wir machen das jetzt acht Jahre und spüren noch keinerlei Abnutzungserscheinungen. Auch wenn uns Kinder auf der Straße erkennen, ist das immer lustig und süß.

„Für Ballast hat man schlicht keine Zeit mehr“

Sie haben mal gesagt, dass Ihre heutigen Fans sich viel erwachsener benehmen als damals die Teenager in Ihrer Echt-Zeit ...

Stimmt. Wenn du ein 15-jähriges Teenie-Fangirl bist, ist das ja völlig okay, hysterisch zu werden; da ist halt gerade der kleine Hormonhaushalt durcheinander. Doch die Kinder finden uns zwar cool und freuen sich doll, wenn sie uns treffen, und trotzdem führen die eine gesunde Kommunikation. Die beschweren sich auch sehr direkt, wenn wir ihr eines Lieblingslied nicht gespielt haben.

Sie sind seit ein paar Jahren selber Vater. Was hat das für Sie als Musiker geändert?

An der Herangehensweise an Musik und Texte hat sich nicht viel geändert, weil meine Kinder noch sehr jung sind, nämlich vier und zwei. Die haben in diesem Sommer hier in Hamburg zum ersten Mal ein Konzert von uns gesehen, wo mein Sohn Carlo auch die ganze Zeit am Tanzen war. Ansonsten hat das – wie vermutlich bei allen Eltern – im Privaten viel verändert. Wenn ein Kind geboren wird, ist man selber auch noch mal ganz nackt und schutzlos in die Welt geworfen, weil noch einmal ein ganz neues Leben beginnt. Das ist ab und zu beängstigend, aber in erster Linie sehr beglückend. Und für viele Dinge, die man vorher als Ballast mit sich herumgeschleppt hat, hat man schlichtweg keine Zeit mehr.

Es wurde immer größer bei Ihnen.

Ja. Ich weiß noch, wie wir das erste Mal in einer 1500er-Halle gespielt haben und uns dachten, größer kann es eigentlich nicht werden. Inzwischen merken wir, dass größere Hallen sich viel besser eignen, weil man die viel besser im Überblick hat. Was sich durch mein Vatersein vielleicht noch geändert hat, ist dass wir noch mehr darauf achten, wie die Konzerte ablaufen. Dazu gehört, dass man vorher auch mit den Security-Leuten spricht und sagt: „Hört mal, das ist ein Familienkonzert; wir wünschen uns den und den Umgangston.“ Jetzt spielen wir in 5000er-Hallen und sind wieder an dem Punkt, an dem wir sagen, größer kann es nicht werden. Mal sehen.

Deine Freunde live: am 22. März 2020 ab 17 Uhr in der Swiss-Life-Hall. Karten (36,30, ermäßigt 30,80 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops.

Das neue Album

Nein, Deine Freunde sind lange „Noch nicht fertig“, wie ihr Rauswerfer vom neuen Album Helikopter (Sturmfreie Bude, ab 22. November 2019) heißt, eine treibende Disco-Nummer mit Ibiza-Beats und der Botschaft, dass, wer Mensch ist, immer auch Kind bleibt. Das Hamburger Trio macht einmal mehr Hip-Hop für die ganze Familie, holt die Kleinsten mit „Das Lied vom Abholen“ ab, albert mit „Jedes Mal“ herum und schreibt auch – ganz erwachsen – vom unbeschreibbaren Zustand überforderten Glücks junger Eltern („Kater vs. Vollzeitrausch“). Das ist allzeit kindgerecht, holt stets aber auch die Eltern ab. Großartig.

Von Stefan Gohlisch

Die britische Popsängerin Katie Melua ist stolz auf ihr Herkunftsland Georgien. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erzählt sie von Kindheitserinnerungen, ihrer Trennung von ihrem Entdecker und Produzenten Mike Batt und ihren Plänen für Weihnachten.

09.12.2019

Cate Blanchett spielt eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. In Richard Linklaters Kinodrama „Bernadette“ (Kinostart am 21. November) ist die Australierin eine liebende Ehefrau und Mutter und zugleich eine Sozialphobikerin ersten Ranges. Natürlich gilt es, ein Trauma zu ergründen.

20.01.2020

„Mädchenleben oder Die Heiligsprechung“ heißt das neue Buch von Martin Walser. Es sind nur 90 Seiten, die er sich für Geständnisse und Bekenntnisse nimmt. Auslöser ist das Mädchen Sirte. Doch gibt es das wirklich?

19.11.2019