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Kultur Fischer-Z feiern Tourabschluss im Capitol
Nachrichten Kultur Fischer-Z feiern Tourabschluss im Capitol
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14:48 31.10.2017
Cooles Muster: Fischer-z-Frontmann John Watts im Capitol.
Cooles Muster: Fischer-z-Frontmann John Watts im Capitol. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Es ist kurz nach 20 Uhr, als John Watts, der Meister der Drei-Akkorde-Gitarrenromantik die Bühne des Capitols entert. Den Eröffnungssong „Angel Of Gardenia“ schlägt er kurz alleine an, dann, nach ein paar Takten, steigt seine Band ein. Dieses Jahr feiert man 40-jähriges Jubiläum, und es ist der letzte Abend für Fischer-Z auf ihrer Tour – „das sollte also Spaß machen“, ahnt der 62-jährige Engländer Watts.

Dass so ein Tourabschluss jedoch seine eigenen Gesetze hat, wird später noch deutlich. „Room Service“ packt die gut 900 Fans dann gleich im musikalischen Genick. „You don’t speak English, I don’t know Chinese“ – wer über 40 kennt nicht die berühmten Zeilen über die Sprachlosigkeit in einem Hotelzimmer.

Mit seinem Hütchen, der Sonnenbrille, Polohemd, einer gelben Karohose und scheinbar kaum gealtert grinst Watts freundlich in die Menge. Die ist ihm wohlgesonnen, es gibt viel Beifall gleich von Beginn an.

„The Worker“ stößt den Zuhörer tief in die 80er Jahre zurück. Das elektronische Spinett weckt Erinnerungen an Klänge aus einer vergangenen Epoche – The Stranglers, The Police – alles so schön englisch hier. Jetzt versteht man auch, warum Fischer-Z Anbeginn der 80er Jahre so groß waren. Sie spielten eine wichtige Rolle zur Post-Punk und New-Wave-Zeit, der Song „Battalions of Strangers“ passt dazu hervorragend.

Und auch wenn die Fans gerade in der Vergangenheit schwelgen, John Watts tut es nicht. Im neuen Stück „Damascus Disco“ singt er über das Schicksal Syriens – „Unlucky people lose their heads, little children bombed out of beds“. Harte Lyrik über eine tragische Zeit.

Die Setlist ist gut zusammengestellt, Klassiker wie „So Long“ existieren sicher neben neuem Material wie „Wild Wild Wild Wild“. Es ist der vielleicht beste Auftritt von Watts und seinen vier Mitmusikern in Hannover in den vergangen Jahren.

„Pretty Paracetamol“ stammt aus der Zeit, als er noch in einem Krankenhaus gearbeitet hat, erzählt Watts. Zu der freundlichen Songmelodie tanzt dann ein Techniker in Unterhose und Affenmaske über die Bühne. Es ist halt der letzte Tourabend, da fallen Respekt, Regeln und Garderobe.

Nach 70 Minuten kommen die Überhits „Marliese“ und „Berlin“, auch sie werden begeistert beklatscht und mitgesungen. Und Fischer-Z werden einfach nicht gehen gelassen. Als schon die ersten Zuschauer Richtung Ausgang streben, schaffen es Unermüdliche noch eine Zugabe herauszufordern: „In England“ wird zum Abgalopp eines schönen Abends, Band und Fans feiern sich gemeinsam.

Von Kai Schiering