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Kultur Festival Theaterformen: Erste Proben im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur Festival Theaterformen: Erste Proben im Schauspielhaus
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15:39 31.03.2011
Die Theaterformen starten in Hannover am 22. Juni.
Die Theaterformen starten in Hannover am 22. Juni.
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HANNOVER. Das hat schon eine spezielle Ausstrahlung, wenn sich auf der Bühne ein gutes Dutzend kräftiger Männer lässig in Arbeitskluft um den Tisch lümmelt, man klopft Sprüche, lacht, isst, trinkt. Bühnenarbeiter in ihrer Pause: Wenn das zum Zentrum des Bühnengeschehens wird, kommt da eine eigene Power, die Kraft des Alltäglichen über die Rampe.

Doch lässt sich das zum Stück machen? Vor Publikum spielen? „Warum nicht?“, sagt Philippe Quesne, der dies einzigartige Projekt leitet. In seinem Kopf verdichten sich in dieser zweiten Probenwoche mit der Bühnentechnik des Schauspiels Hannover allmählich die Inszenierungsideen: „Pièce pour la technique du Schauspiel de Hanovre“ soll im Juni beim Festival Theaterformen Uraufführung haben.

Ein Experiment. Also etwas, worauf der französische Shooting-Star des Theaters spezialisiert ist. Wenn einer Alltag in poetischer Überhöhung in Bilder bannen kann, dann er, seine Produktionen touren weltweit. Bei den Theaterformen 2009 gastierte sein Vivarium Studio in Hannover mit „La Mélancholie des Dragons“ und „L‘Effet de Serge“. Stücke, die wie im Labor ausprobieren, wie etwas auf der Bühne wirkt: ein Hund, ein verschneiter Miniwald, ein Auto.

Noch nie hat Quesne ein Repertoire-Stück für ein Staatsschauspiel inszeniert, sagt er. Es ist „eigentlich das totale Gegenteil“ zu der zusammengewürfelten Gruppe. Doch die Bühnentechnik hat ihn bei seinem Gastspiel fasziniert: „Das Ineinanderwirken einer so großen Gruppe, die ständig szenische Elemente bewegt, Grenzgänger zwischen der wirklichen und der Theaterwelt“, da habe er sofort den Impuls zum Stück gehabt.

Und so hat er sie Bühnenbilder auf- und abbauen lassen, zugesehen, alles notiert. Bei seinem nächsten Besuch soll es vielleicht schon eine Art Storyboard, eine Skizzierung der Geschichte geben. Das französische Wort „Pièce“, so ein Grundgedanke, bedeutet nicht nur Stück, sondern auch Raum: Damit spielen die ersten Probe-Arrangements.

Hatte er das gleich im Kopf? „So arbeite ich nie“, sagt Quesne, „mein Theater lebt von der Entdeckung und gerade nicht von einer vorher geformten Vorstellung.“ Fest steht nur: Er will aus Bühnenarbeitern keine Schauspieler machen. „Es geht um ihre körperliche Präsenz auf der Bühne, nicht darum, dass sie Rollen spielen.“ So werden die Darsteller wechseln, je nach Schicht: „Vermutlich wird das Stück dann auch verschieden aussehen“, sagt er und klingt hochzufrieden.
Eine Art Handlung wird das Bühnengeschehen poetisieren. Einen Hauch von Weihnachten hat er gerade hinten auf die Bühne gezaubert, einen kleinen grünen Baum und einen Schaukelesel, und irgendwann fällt Schnee. Typische Quesne-Bilder.

Ein spannendes Experiment, Ausgang offen. Ganz sicher aber bekommt Hannover bei den Theaterformen eine schon beifallbedachte Quesne-Produktion zu sehen: den „Big Bang“ nämlich, der auf eigene Weise die Welt neu erschafft. Das verriet der Regisseur im Gespräch; sonst bleibt das Programm bis 8. April Geheimsache.

(Von Evelyn Beyer)