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Kultur Festival Tanztheater International endet hochkarätig
Nachrichten Kultur Festival Tanztheater International endet hochkarätig
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16:42 09.09.2018
AUF ENGEM RAUM: Szene aus der Choreografie der Hungry Sharks. Quelle: René Deluomo
Hannover

Abschluss-Wochenende bei „Tanztheater International“ – und wer das Festival kennt, wird nicht überrascht gewesen sein, dass noch einmal satt Kontraste aufgefahren wurden.

Zunächst gab es in der Orangerie eine weitere Facette des diesjährigen Programm-Schwerpunkts Hip-Hop zu bestaunen. Die österreichische Gruppe Hungry Sharks schmuggelte zwar ein paar der bekannten Breakdance-Moves in ihre Choreographie „Hidden in plain sight“, der große Bogen war aber ein anderer.

Denn das Zauberwort hieß Verdichtung. Wie verändert sich die Wahrnehmung von Bewegungen, wenn diese in einen neuen Kontext gebracht werden? Das ließ sich schön verfolgen, als Farah Deen mit einem Solo startete, zu dem alsbald andere Mitglieder der achtköpfigen Compagnie stießen. Die Muster der Tänzerin blieben die gleichen, doch mutierte etwa durch das Eingreifen eines Kollegen ein Sprung zur Hebefigur.

Mittels Klebeband verkleinerte das Oktett, in dem auch Choreograph Valentin Alfery mitwirkte, auf offener Bühne die Tanzfläche. Bis alle auf derart beengtem Raum zugange waren, dass man um die körperliche Unversehrtheit der Akteure fürchten musste, die es indes zu vermeiden wussten, sich gegenseitig in die Rippen zu treten.

Eine virtuose Geschichte, die im zweiten Teil wieder offener, aber auch weniger zwingend wurde. Weshalb der enthusiastische Beifall, für den es ein paar Akrobatik-Zugaben setzte, doch ein wenig übertrieben schien.

Von derartiger Süffigkeit war der folgende Abend in der Musikhochschule weit entfernt. Dass der italienische Choreograph Roberto Castello sein Stück „In girum imus nocte et consumimur igni“ (Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt) genannt hat, deutete schon darauf hin, dass der Auftritt der Compagnie ALDES wohl kaum vor Frohsinn strotzen würde. Es kam jedoch noch eine Nummer härter.

Das begann mit der Tonspur – eine kurze perkussive Passage wiederholte sich per Loop, und daran sollte sich in der folgenden knappen Stunde auch nichts ändern. Auf schwarzer Bühne wurden dazu vier schwarz gekleidete Gestalten sichtbar, die einem expressionistischen Horrorfilm der 20er Jahre entsprungen zu sein schienen. Ein Beamer schuf zu den lakonisch peitschenden Ansagen „light“ und „dark“ immer neue Licht- und damit Raumsituationen, durch die sich das Gruselquartett bewegte. Gern mit Trippelschritten, hängenden Schultern und weggetretenem Gesichtsausdruck, aber auch schon mal mit hysterischem Armgefuchtel, und als diese Gespenster so etwas wie die Parodie einer Polonaise aufs Parkett legten, wurde es endgültig skurril.

Sehr schrecklich, das alles, sehr extrem, sehr intensiv und sehr souverän – auch ein kurzer Computer-Blackout, der die Ansagen zwischenzeitlich Lügen strafte, brachte die Truppe nicht aus dem Tritt. Der getanzte Wahnsinn hatte Methode und Erfolg: Am Schluss gab es sogar ein paar stehende Ovationen.

Und die Festivalbilanz? An zehn Tagen sorgten rund 2900 Besucher für eine Auslastung von 90 Prozent. Zahlen, mit denen die künstlerische Leiterin Christiane Winter sehr zufrieden ist: „Wir haben ein Stammpublikum, aber es ist schön zu sehen, dass in jedem Jahr auch wieder junge Leute dazukommen.“ Und kleine Klippen sind dazu da, überwunden zu werden: „Eine Tänzerin hat auf der Bühne Muskelprobleme bekommen und tapfer durchgehalten. Wir sind aber sicherheitshalber nachts noch ins Krankenhaus gefahren, wo sich dann herausstellte, dass es nichts Schwerwiegendes war.“

Sicherlich darf man auf die 34. Ausgabe von „Tanztheater International“ im kommenden Jahr gespannt sein. Zumal über eine Erhöhung des Etats nachgedacht wird – Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, die ein wichtiger Förderer der Veranstaltungsreihe ist, hatte entsprechende Überlegungen zum Festivalauftakt öffentlich gemacht.

Von Jörg Worat

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