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Kultur Fast 450.000 Euro Preisgeld: So fördert ein britischer Multimilliardär muslimische Künstler
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12:11 01.04.2019
Mustafa Said gewann bei den Aga-Khan-Awards, die von Multimilliardär Karim Aga Khan (kleines Bild) in Lissabon zum ersten Mal ausgelobt worden waren. Quelle: Akma
Lissabon

Als zur Hochzeit des syrischen Bürgerkriegs Bomben und Granaten die Hauptstadt Damaskus erschütterten, versuchte Mohamad Osman etwas Normalität zu bewahren. Viele seiner Musikstudenten waren bereits aus der Hauptstadt geflüchtet waren. Doch der 49-jährige Dozent blieb, obwohl die Universität längst den Betrieb eingestellt hatte – um weiter Konzerte für die Einwohner zu spielen. „Das Publikum war da, aber die Atmosphäre war unheimlich“, sagt Osman. Heute fallen keine Bomben mehr in Damaskus, und er kann wieder als Dozent lehren. Doch der Krieg hat seine Arbeit als Musiker verändert: Spielte er regelmäßig etwa im Libanon, ist die Ausreise für ihn heute fast unmöglich. „Dort hat man Angst, dass ich bleibe – ich bekomme kein Visum.“

Am Wochenende stand für Mohamad Osman nun die erste Reise seit längerer Zeit an: Für die Verleihung des mit 500 000 Dollar (rund 445.000 Euro) dotierten Musikpreises des britischen Multimilliardärs und Imams Aga Khan flog er mit seinem Instrument, der Oud, nach Lissabon. Als einer von 14 weiteren Finalisten aus muslimischen Ländern stellte er sich bei einem Kurzkonzert der Jury. Seine Konkurrenten bei dem Wettbewerb für muslimische Weltmusik: Musiker aus Mali, Ägypten, Palästina, dem Libanon oder Pakistan.

Aga Khan: „Dass Menschen unterschiedlich sind, ist eine Chance“

Aga Khan (bürgerlich Karim al-Husseini), Jury, Redner, Moderatoren und Musiker werden rund um das Festival des steinreichen, 82-jährigen Khan nicht müde zu betonen, dass es eine Veranstaltung für Toleranz und Frieden ist. Hier sollen Brücken zwischen Genrens und Nationalitäten gebaut werden.Tatsächlich ist es für die Künstler in ihren Herkunftsländern kompliziert, eine Karriere aufzubauen: Es herrscht strikte Zensur, wie im Iran, es gibt keine Infrastruktur für die internationale Verbreitung der Musik, wie im Libanon oder Pakistan. Oder es herrscht Bürgerkrieg, wie in Syrien. Wer seine Kunst ausüben will, dem bleibt meist nur der Gang ins Exil. Aga Khan möchte das mit seinem Preis ändern.

Das sind Aga Khan und sein Musikpreis

Karim Aga Khan der IV. wurde 1936 in der Schweiz als Karim al-Husseini geboren. Die britische Königin verlieh ihm 1957 den Titel „His Highness“. Er ist religiöser Führer der ismailitischen Nizariten, die vorwiegend in Zentralasien leben – aktuelle Schätzungen belaufen sich auf rund zehn bis 15 Millionen Anhänger. Außerdem ist er Geschäftsmann und züchtet nebenbei Pferde. Sein Vermögen wird auf etwa drei Milliarden Dollar geschätzt. Die Aga-Khan-Foundation, ein Entwicklungsprogramm, gehört zu den größten und einflussreichsten der Welt. Am Wochenende richtete der Brite zum ersten Mal den MusikpreisAga Khan Music Awards“ aus. Aus 200 muslimischen Musikern wurden 14 Finalisten festgelegt, die in Lissabon um den Preis spielten: Jeder Künstler durfte 25 Minuten vor Publikum und Jury auftreten. Die fünfköpfige Jury ernannte schließlich den ägyptischen Musiker und Musikwissenschaftler Mustafa Said (36) zum Sieger. Außerdem wurden außerhalb des Wettbewerbs sieben Einrichtungen und Menschen ausgezeichnet, die sich in Bereichen, wie Bildung oder Zusammenhalt bewiesen hatten. Zusammen mit Said teilen sie sich das Preisgeld von 500 000 Dollar.

Durch den Award soll die Reichweite und der traditionellen Musik vergrößert und auch Menschen außerhalb des muslimischen Kulturkreises zugänglich gemacht werden. „Dass Menschen unterschiedlich sind, sollten wir als Chance sehen, um voneinander zu lernen“, sagte Aga Khan in Lissabon.

Punjab-Folklore trifft Indie-Rock

Schon unter den 14 Finalisten war das musikalische Spektrum denkbar weit: Der Malier und Instrumentalist Ballaké Sissoko gilt mit seinem sphärischen Kora-Spiel einer der besten Stegharfenspieler Afrikas. Auch der Pakistani Ejaz Sher Ali Khan widmete sich einer jahrhundertealten Musikrichtung: Dem aus dem Punjab stammenden Qawwali – eine Mischung aus hohem Harmonikaspiel und hypnotischem Gesang. Doch Khan ist gleichzeitig Vertreter eines modernen Zugangs zur Weltmusik. Der 34-Jährige, der mittlerweile in Dänemark lebt, bringt Qawwali mit seiner Band näher. RocQawali heißt die Gruppe, die westlichen Indie-Rock mit Gesang kombiniert – eingängig und doch ein Bruch mit westlichen Rock-Hörgewohnheiten.

Unter 14 Teilnehmern sind vier Frauen

Auch die gebürtige Palästinenserin und Aga-Khan-Finalistin Huda Asfour stach heraus: Unter den 14 Musikern der Endrunde war sie eine von nur vier Frauen. Kein Zufall, sagt die 36-Jährige: „Frauen sind so sozialisiert, dass sie gewohnt sind immer einen Schritt zurückzutreten. Wir brauchen mehr Vorbilder, die genau das Gegenteil machen und diese Barriere überwinden.“ Asfour glaubt an einen Fortschritt: „Jüngere Frauen haben eine neues Verständnis.“ Das gelte nicht nur für Musiker. Auch die Zusammensetzung der Jury, die den Gewinner der Awards bestimmt, besteht aus vier Männern und einer Frau.

Doch die in Lissabon versammelte Musikszene hat noch weitere Probleme: Viele Künstler verlassen ihre Heimatländer und wandern in die USA oder nach Europa aus. Dort ist es für die Musiker einfacher, Konzerte zu spielen oder ihr Instrument zu lehren. Huda Asfour selbst ist vor 14 Jahre aus Palästina nach Washington D.C. gezogen, wo sie hauptberuflich als Professorin für Bio-Medizin lehrt. Wer seine Musik einem größeren Publikum zugänglich machen wolle, der müsse den Schritt in den Westen wagen sagt sie: „Die Welt funktioniert nach der westlichen Perspektive“, sagt sie. In der Preisverleihung sieht sie eine Möglichkeit, die Lage für Musiker in ihren Heimatländern zu verbessern: „Hier können wir uns vernetzen“, sagt Asfour – „Mit westlichen Mitteln“.

Von Manuel Behrens

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