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Kultur Fantasy-Spektakel "Snow White and the Huntsman"
Nachrichten Kultur Fantasy-Spektakel "Snow White and the Huntsman"
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12:21 31.05.2012
SIEHT AUS WIE JEANNE D'ARC; IST ABER SCHNEEWITTCHEN: Kristen Stewart auf dem Kriegspfad.
SIEHT AUS WIE JEANNE D'ARC; IST ABER SCHNEEWITTCHEN: Kristen Stewart auf dem Kriegspfad. Quelle: Universal Pictures
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Leuchtend weiß ist der Schnee, dunkel das Rot der Rose am kahlen Strauch. Eine traumhaft gemalte Winterwelt, in die Snow White (Kristen Stewart) kommt. Eine Welt im Untergang. Die Mutter stirbt, das Land siecht, das schwarze Heer fällt ein. Die letzten Königstreuen flüchten auf eine Burg im Gebirge. Snow White landet im Turm in der düsteren Festung am Meer.

Doch Snow White, so rein wie Schnee, flüchtet aus der Burg - in einen unheimlichen Horrorwald voll von Monster-Fledermäusen, Käfer-Armeen und Pilzen mit Augen. Ein Jäger, Witwer, Säufer und harter Kämpfer (Chris Hemsworth) soll sie aufstöbern. Der allerdings besinnt sich im letzten Moment und macht die Verfolger an seiner Seite nieder. Womit dieses Fantasy-Schneewittchen erst so richtig in Fahrt kommt.

„Snow White and the Huntsman“ von Regisseur Rupert Sanders ist ein überbordendes Fantasy-Spektakel, das so gar nicht in die gute alte Grimms-Märchen-Kiste passt. Zwar gibt es auch hier die biedere Moral von den Guten, die belohnt, und den Bösen, die bestraft werden, doch die Mär vom Schneewittchen ist nur ein locker sitzender Rahmen.

Was nicht schlimm ist - auch wenn die Gralshüter im deutschen Märchenwald womöglich aufschreien werden. „Snow White and the Huntsman“ dreht das Hin und Her von Stiefmutter und Prinzessin, sieben besorgten Zwergen, vergiftetem Apfel und Erweckungskuss gewaltig durch den Wolf. Es findet alles statt, aber doch anders als bisher.

Das macht den Reiz dieser Schneewittchen-Adaption aus, die wenig gemein hat mit der erst im April gestarteten, listig-lustigen Schneewittchen-Version („Spieglein Spieglein“). „Snow White and the Huntsman“ ist nicht romantisch, sondern roh, nicht licht, sondern abgrundtief schwarz. Dieses Märchen überfällt mit Horror und blutigen Händeln. Wenn Snow White und der Jäger durch den Wald flüchten, stellt sich ihnen ein gewaltiger Baumwolf in den Weg, treffen sie auf Frauen, die alle Narben im Gesicht tragen, damit Königin Ravenna (Charlize Theron) sich nicht für sie interessiert, wird gekämpft, erstochen und abgefackelt - bis am Ende auch die sieben Zwerge aus dem Tann kommen.

Das ist eine heruntergekommene Truppe, die den Jäger und Snow White erst mal an den Beinen aufhängt - bis ein blinder Vaterzwerg Snow White erkennt. So geht es in der einzigen idyllischen Passage in den Feenwald, wo ein weißer Hirsch Snow White sozusagen krönt und kleine nackte Gesellen mit spitzen Ohren aus Vogelfedern lustig herumspringen.

Mit Charlize Theron als Königin kann Schneewittchen Kristen Stewart nicht mithalten. Theron spielt in einer anderen Liga. Aber diese Comic-Fantasy-Version vom Schneewittchen, die mit einer Armee zum letzten Gefecht gegen Ravennas Burg reitet, ist mitreißend. Da liegt kein bisschen Staub drauf. Das ist perfektes, 70 Millionen Dollar teures Effektkino aus der Gothic-Kiste. Da braucht man keinen Spiegel an der Wand.

Bewertung: 5/5