Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur "Fair Game" - tadelloser Politthriller
Nachrichten Kultur "Fair Game" - tadelloser Politthriller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:45 25.11.2010
Die schöne CIA-Agentin Valerie (Naomi Watts) muss um ihr Leben und das ihrer Informanten bangen.
Die schöne CIA-Agentin Valerie (Naomi Watts) muss um ihr Leben und das ihrer Informanten bangen.
Anzeige

VON LAURENZ LIERENZ

Der frühere US-Botschafter Joseph Wilson soll für Präsident Bush in den Niger und gefälligst herausfinden, dass die Afrikaner bombenfähiges Uran an SaddamHussein vertickt haben. Was er herausfindet, ist die schiere Unmöglichkeit dieses Deals. Als seine politisch nutzlosen Resultate vertuscht werden, weil Amerikas Krieg gegen den Irak unabänderlicher Regierungswille ist, veröffentlicht Wilson sie in der „New York Times“. Dass hernach durch eine Indiskretion (bis zu 70) Informanten seiner Frau, der weltweit verdeckt als CIA-Agentin arbeitenden Valerie Plame Wilson, auffliegen, erscheint dem Ehepaar als Washingtoner Rache an Wilsons Öffentlichkeitssuche. Erst sieben Jahre her, das Ganze. Zu früh, um vergessen zu werden.

Im Gewande eines Politthrillers und Familiendramas wird die Geschichte der letzten Bush-Regierung aufgerollt, die immer wieder die Wirklichkeit ihren Wünschen anzupassen versuchte, die dabei über Leichen ging und die nicht erst seit Beginn der Ära Obama als unwürdig dasteht. Doug Liman, Regisseur von „Die Bourne-Identität“, gründet seinen Film auf die Bücher der beiden Wilsons. Und die Drehbuchautoren Jez und John-Henry Butterworth nehmen kein Blatt vor den Mund. Die Leute heißen alle so wie in Wirklichkeit, in Archivmaterial-Einschüben erscheinen Condoleezza Rice, Dick Cheney und ein beschämend zögerlicher George W. Bush.

Naomi Watts spielt souverän die kühle Undercoverfrau, Sean Penn ihren impulsiveren Ehemann. In der ersten Hälfte des Films – vor der verhängnisvollen Veröffentlichung – zeigt Liman den harten Alltag der Lebensvertuschung. Nicht einmal die eigenen Kinder, ahnen, was Valerie tut. Ihre Missionen in den Nahen und Fernen Osten muss sie beschweigen, das politische Dilettantengeschwätz von Freunden an „nettenAbenden“ ignorieren. Dann platzt Joes Essay in die Welt, die Medien belagern das bislang traute Heim, in der Folge beginnt auch die Ehe zu kriseln. Joseph geht in die Offensive und treibt sein Thema durch die Talk-Shows, Valerie schweigt weiter, was Josephs Glaubwürdigkeit in Frage stellt. Das Herz der Geschichte sind zwei Menschen, die von grundverschiedenen Instinkten angetrieben werden. Die Botschaft: Die wahren Patrioten sind immer die Verfechter der Wahrheit, nicht die der vermeintlichen Interessen der „freien Welt“.

Liman ist mit „Fair Game“ eines der besten Spionagestücke nach den großen Kaltkriegsstreifen gelungen. Ein Film, der so gewagt ist, dass man sich wundert, dass er nicht in Verleumdungsrozessen untergegangen ist. Die Wahrheit hat er freilich auch ein wenig gebeugt, seinen Joseph ver-„heldet“. Alles zu Gunsten des Thrills. Auch in Hollywood heiligt eben der Zweck die Mittel.

„Fair Game“, USA 2010, 108 Min. Regie: Doug Liman. Darsteller: Naomi Watts, Sean Penn,SamShepard.

Bewertung: 4/5

Vom üblen Politgeschäft und der Liebe in den Zeiten der Bush-Ära.