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Kultur Fährmannsfest: Elektropop bis Punk für die Fan-Gemeinde
Nachrichten Kultur Fährmannsfest: Elektropop bis Punk für die Fan-Gemeinde
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22:53 11.08.2019
Mieze: Die Sängerin der Berliner Band Mia. Quelle: Villegas
Hannover

Stark und auf den Punkt – Tag 2 des Fährmannsfests überzeugt mit kraftvoller Musik und deutschen Texten, mit viel Energie und Leidenschaft. Der Himmel ist grau, der Wind bläst Staubfontänen und Bühnenschall über die Köpfe der Besucher, doch das Wetter wird halten – no Rain!

Auf der Kulturbühne eröffnen Die Eisbrecher das Programm. Die Band der Hannoverschen Werkstätten beweist, wie großartig Inklusion klingen kann. „Wir haben den Blues“ ertönt ihr Mantra über die Faust-Wiese, bis auch jeder im Publikum einen Ohrwurm hat. Herzerwärmend, wie sehr sich die Band über ihren Auftritt freut.

Rock, Punk und Metal

Volter zelebrieren derweil ihren Highspeed-Rock ’n’ Roll mit Pressgesang à la Lemmy – ganz in schwarz und mit Koteletten. Und wie zur Bestätigung beendet das Powertrio aus Hannover ihren Auftritt mit „(We Are) the Road Crew“ von ihren Vorbildern Motörhead.

Ein gelungenes Fährmannsfest 2019 in Hannover mit den V8 Wankers, ZSK, Dritte Wahl, The Wild Men of Wongo, 8kids und der Berliner Band Mia.

„Willkommen zum Auf-die-Fresse-Tag!“ erklären die Moderatoren Stefan Henningsen im lila Anzug und Jean Couppong im Schottenkaro der Menge das Motto. Heute geht es um „Punk, Punk und Punk“, damit das klar ist. Die V8 Wankers haben alleine schon mit ihrem volltätowierten Sänger Lutz Vegas alle Vorgaben erfüllt. Ein gerade marschierendes Schlagzeug und wütende Shouts – Lutz tänzelt von Tinte ganz blau über die Bühne, das maskuline Publikum tobt zum Kniefall des Gitarristen Wally, der auch schon mal seinen Kopf in die Monitorbox steckt oder in den Graben springt. Die V8 Wankers aus Offenbach besitzen eben den „Black Belt in Rock ’n’ Roll“ und auch den gut einminütigen Gesamtstromausfall überstehen sie ohne Taktverlust.

Inklusive Modenschau

Das Fährmannsfest ist um Inklusion bemüht. Und das klappt. Helferinnen und Helfer in grünen Lotsen-Shirts kümmern sich um blinde Festivalgänger genauso, wie um Besucher, die im Rollstuhl sitzen. Und das ist bei der Diskussion auf der Kulturbühne auch Thema. Die Barrierefreiheit auf dem Fest ist erreicht, nun werden unter der Moderation von Jan Egge Sedelies Einsatzbereiche auf dem FMF für behinderte Mitarbeiter besprochen.

Die größte Überraschung ist jedoch die inklusive Modenschau, sie ist die erste Modenschau überhaupt auf dem Fest und eine Idee, die bei den Besuchern gut ankommt.

Ihr Prinzip ist „Hallo Hoffnung“ und so knallen die Berliner Skatepunks ZSK gleich von Anbeginn ihre Riffs über die Wiese. Stolz sind sie auf ihren Premierenauftritt auf dem Fährmannsfest, Sänger Joshi steht schon im ersten Song auf dem Absperrgitter, und jagt seine Parolen in die Menge. Die bedankt sich mit einer „Wall of Death“, nicht ungefährlich im Kreis zu rennen und auf Kommando gemeinsam in die Lücke zu stürzen. Aber die Pogo-Gemeinde bleibt unverletzt. „Ist das noch Punk?“ brüllt der blondierte Sänger – ja, ungemein. ZSK sind gut eingespielt und eine erfahrene Sommerfestival-Band. Punkrock-Hymnen mit Energie und einer positiven Message, da fliegen die Bierbecher. Und ein eher seltenes Bild – eine Konfettikanone wird abgefeuert.

Ein politisches Festival

Viel Beifall von den inzwischen 4000 FMF-Fans. Gut 2000 Besucher tummeln sich auf der anderen Seite, wo auf der Kulturbühne gerade „Macht Worte!“ – Der hannoversche Open-Air-Poetry-Slam stattfindet und das Bass-Drum-Duo TLR seinen Post-Punk-Core vorstellt. Sehr sauber und druckvoll präsentieren Dritte Wahl aus Rostock schließlich ihren Hardrock-Punk. Seit 30 Jahren sind sie unterwegs und rocken bereits das zweite Mal das Fährmannsfest. Ihre Fans sind gut vorbereitet, singen und ringen vor der Bühne. „Im Schlecht-Singen ist er gut, im Gut-Spielen ist er schlecht“, Bassmann Stefan muss Spott von Sänger Gunnar einstecken.

Der Fährmannssonntag ist erfahrungsgemäß stressfreier für alle Beteiligten, obwohl mehr Zuschauer auf dem Gelände sind: gut 8000 pendeln zwischen den Ufern. The Wild Men Of Wongo ist vermutlich die einzige Tubes-Tribute-Band Europas. Die Kapelle ist dabei leicht verrückt aber recht unterhaltsam. Martiste liefern auf der Hauptbühne großflächige Gitarren- und Keyboardklänge, professionell gespielt, in schwarzen Sakkos, melancholisch schön. Zu Kann Karate ist das Gelände schon wieder bestens gefüllt. Nimmermüde Musikfreunde bevölkern die Wiese, Karate kreuzen messerscharfe Gitarrenriffs mit großen Indie-Melodien. Treibende Nummern, massive Klangwände, Transparenz und Effekte.

Mia. geben alles auf dem Fährmannsfest

8kids aus Darmstadt gehen danach noch steiler und bieten komplexe Songstrukturen. Eingängiger Post-Hardcore, die beiden Sänger und Gitarristen Jonas und Hans sowie ihre Schlagzeugerin Emma transportieren zerreißende Melancholie und Freude. "Du bist über den Berg" prophezeien sie dem Publikum. Zum Ende des 3-tägigen Musik-Marathons geben MIA. alles, denn „Musik ist Alles“ ist ihr Leitspruch. Die vier Berliner sind unverkrampft und erfrischend, habe Ideen, Sängerin Mieze schafft die Balance zwischen Fans und neugierigen Besuchern. "Heiß kalt" singt Mieze in "Kreisel" und "Wie weit willst du gehen" in "Hungriges Herz". Und genau dorthin treffen ihre Melodien.

Zum Schluss singen die Moderatoren Stefan Henningsen und Jean Couppong noch „Dankeschön“ – und bekommen vom Publikum zum Dank Pfandbecher als Spende für Hilfsprojekte auf die Bühne geworfen.

Das Fährmannsfest ist ein politisches Festival. „Bunt statt Braun“ lautet der Leitspruch, und die Basis zieht voll mit. Das war wieder ein großer Erfolg, mit Musik, Tanz, Gesang und Jubel und vielen gut gelaunten Fans.

Von Kai Schiering

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