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Kultur „Excalibur“: Die Rockoper feiert ihr Comeback
Nachrichten Kultur „Excalibur“: Die Rockoper feiert ihr Comeback
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19:40 11.01.2010
Von Uwe Janssen
Michael „Merlin“ Mendl und der junge Artus. Unten der erwachsene Artus (Johnny Logan, links) und Jethro-Tull-Gitarrist Martin Barre. Quelle: Christian Burkert

Der Winter ist die Jahreszeit der Geschichten. Der großen und phantastischen Geschichten. ­Sagen und Legenden funktionieren im Winter einfach besser als an heißen Sommertagen, ob im Buch oder im Film.

Früher war das mal anders. Da hatten wir Musiker, die wetterunabhängig die großen Geschichten von Mythen und Monstern, Schamanen und Schraten erzählten – und manchmal auch so aus­sahen. Warum also nicht alles zu einem Massenspektakel zusammenrühren und der Generation Altrocker das Ganze als Rockoper präsentieren? Der Franzose Alan Simon hat’s getan, und für „Excalibur“ gleich die ganz großen Hallen gebucht.

Die Geschichte um Merlin, Artus und das Schwert, das nur der wahre Herrscher aus dem Fels ziehen kann und das übernatürliche Kräfte verleiht. Wer all das unter einen Hut bekommen möchte, darf nicht mit feiner Klinge arbeiten, sondern muss klotzen. Große Symbole, große Gesten, große Sprünge. Und so wird Schauspieler Michael Mendl, sonst durchaus Vertreter des Charakterfachs, in der Rolle des erzählenden Merlin zum Stichwortgeber, damit auf dem langen Laufsteg (natürlich in Schwertform) auch alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen: die Kostümakrobaten der Companie Feuervogel mit ­ihren Federstelzen, eine Tanzriege, die Sackpfeifer der Mittelalterband Corvus ­Corax. Sogar Pferde galoppieren durch die TUI Arena.

Und dann sind da natürlich die Rockmusiker. Alan Parsons, noch im Dezember mit den „Proms“ hier, ist wieder da, nur diesmal mit rotem Umhang. Martin Barre, Gitarrist von Jethro Tull, hat den Mittelalterrock quasi miterfunden. Softrocker Les Holroyd von Barclay James Harvest braucht man gar nicht besonders auf Rittersmann zu stylen, allerdings wird er mit seiner Wallemähne und den Schaftstiefeln auch dem Struwwelpeter immer ähnlicher. Supertramp-Saxofonist John A. Helliwell fällt mit seiner Designerbrille optisch aus der Zeit, der unverkennbare Ton seiner eleganten Soli holt aber augenblicklich „School“ und ­„Crime of the Century“ auf die Bühne. Die Mitglieder von Fairport Convention unterstreichen den „Celtic“-Aspekt der Produktion. Und der mehrfache Grand-Prix-Gewinner Johnny Logan trägt als Artus ein Gewand, das auch aus einem Eintracht-Braunschweig-Fanshop stammen könnte. Aber wenn man ihn singen hört, fragt man sich, warum der Mann ein Two-Hit-Wonder geblieben ist. Eine Pathoshymne über Träume, Freiheit und Liebe jagt die andere, und zwischendurch gibt’s Riverdance und Mummenschanz. Man muss der Handlung nicht folgen. Viele tun es aber trotzdem.

Denn im Publikum sitzt abgesehen von einigen jüngeren Fantasyfans eine Generation, die mit Rockgauklern aufgewachsen ist und sich von deren Geschichten hat gefangen nehmen lassen. Ohne Internet. Ohne iPod. Ohne Hast. Eine Konzeptalbengeneration. Im 21.  Jahrhundert sind auch Eltern und Großeltern Kinder des Rock ’n’ Roll – und sie sind im Gegensatz zu ihren Vorgängern eine lukrative Konsumentenschicht. Für Jugenderinnerungen, verpackt in großes Spektakel, geben sie Geld aus. Und bei Schlüsselfiguren im Dutzend erst recht. Dafür gibt’s in Hannover Ovationen im Stehen.

Auch Schneesturm Daisy konnte dem Fest nichts anhaben: Mit einer bunten Feier ist am Sonnabend in Essen der einjährige Kulturmarathon "Ruhr2010" eröffnet worden. Bis zum Ende des Jahres ist das Ruhrgebiet Europas Kulturhauptstadt.

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