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Kultur Esther Schweins: „Wir kriegen sie alle“
Nachrichten Kultur Esther Schweins: „Wir kriegen sie alle“
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16:52 01.12.2010
Aparte Mutter: Esther Schweins hat das Solo-Comedy-Stück „Hi Dad!“ inszeniert.
Aparte Mutter: Esther Schweins hat das Solo-Comedy-Stück „Hi Dad!“ inszeniert. Quelle: Ludwig
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VON STEFAN GOHLISCH

Sie führen ein sehr unöffentliches Leben. War das eine bewusste Entscheidung oder hat Sie das Leben einfach anderswo hingeführt?

Beides: eine vom Leben herbeigeführte bewusste Entscheidung.

Sind Sie „Die Unfassbare“, als die Sie mal bezeichnet wurde?

Hoffentlich. Denn so lässt es sich vortrefflich leben: professionell wie auch privat unfassbar, in keine Schublade passend. In diesem Beruf gerinnt sonst alles so schnell. Und privat ist es einfach viel hübscher, einen gewissen Schutz zu genießen.

Was auf Mallorca besser funktioniert als in Berlin?

Ich muss sagen, dass es in Berlin auch einfach ging. Der Berliner an sich ist nicht so attraktiert von derBekanntheit. Ihm imponiert das nicht so; er weiß: Aufs Klo muss am Ende jeder. Und jede.

Kommen wir zu „Hi Dad!“. Was hat Sie an dem Stück interessiert?

Es war einfach perfektes Timing. Die Anfrage kam, als mein Sohn gerade drei Monate alt war. Als ich es gelesen hatte, war mir klar, dass ich es machen müsste. Und als dann auch klar war, dass Kristian Bader nach Mallorca zu den Proben kommen konnte, passte es. Und der Produzent musste die Kinder hüten (lacht).

Das Stück wird verkauft als „Caveman für Fortgeschrittene“. Ist das Segen oder Fluch?

Eigentlich stimmt es nicht, aber uneigentlich stimmt es doch. Weil es um ein Paar geht wie jedes andere auch. Wie beim „Caveman“ was mir damals wichtig war, gilt auch hier: auf den kleinsten gemeinsamen Humor-Nenner zu kommen – bitte nicht falsch verstehen. Das heißt: das Klischee zu erspüren und sich daran entlangzuhangeln. So fühlt sich jeder im Publikum angesprochen. Egal wer dort unten sitzt, wir kriegen sie alle.

Eine Reduktion aufs Menschliche-Allzumenschliche also…

Eben. Das, was jedem passiert, egal welcher Schicht und egal welchen Bildungsniveaus.

Immerhin haben Sie nicht ein Stück namens „Hi Mom!“ gemacht oder „Cavewoman“. Interessiert Sie das Mysterium Mann so sehr?

Welches Mysterium? In der Rückschau kann ich aber sagen, dass es mir als Frau mehr Spaß macht, über einen Mann zu lachen.

Was ist Ihnen als besonders kurios in Erinnerung aus dieser seltsamen Zeit der Schwangerschaft und danach?

Gar nicht kurios, aber eindrücklich: Die Art, wie man angesehen wird, wenn man sichtbar schwanger ist. Warmherziges Lächeln von allen Seiten. Und mit einem Mal sind alle Frauen Komplizinnen.

In Deutschland macht sich schon mal eine gewisse Ungeduld mit Schwangeren breit.

Aufgefallen ist mir das auch. Auf Mallorca, wo ich den größten Teil meiner zweiten Schwangerschaft verbracht habe, ist man emphatischer, so gut aufbewahrt, man wünscht sich fast, man hätte Zipperlein und könnte jetzt was anbringen. Aber ich bin es nicht gewöhnt und reihe mich da bei den Deutschen ein. Wir meinen eben, auch in der Schwangerschaft sportlich sein zu müssen – nach dem Motto: „Ich bin doch nicht krank, bin doch nur schwanger!“ Die spanischen Frauen zelebrieren die Mutterschaft mehr.

Was macht den Mann komisch als werdender oder gerade gewordener Vater?

Seine Situation als Außenstehender.

Er weiß es neun Monate lang und realisiert es erst, wenn das Kind da ist…

Oder wenn es das erste Mal zum Fußballtraining geht.

Es scheint auf jeden Fall gerade ein großes Thema zu sein. Selbst ein Michael Mittermeier berichtet jetzt auf der Bühne alle Neuigkeiten aus dem Kinderzimmer.

Ja, plötzlich kommen sie alle aus den Löchern. Ich meine: Früher haben die Männer doch die Klappe gehalten! Die haben doch nicht ihre Vaterrolle nach außen getragen. Was ist denn los?!

Was ist denn los?

Wir Frauen haben die Männer einfach zu oft gefragt „Wie fühlt ihr Euch?“ Und jetzt müssen wir dafür zahlen. An der Kasse. Im Olympiastadion.

Wie schwer hat es Frau in der Situation mit Mann? Mann hat ja manchmal das Gefühl, dass er es ihr überhaupt nicht recht machen kann.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Frauen ihre Schwangerschaft früher unter ihresgleichen ausgelebt haben. Da haben sich einfach die Gewichtungen, Verantwortlichkeiten und vor allem die Erwartungshaltungen verändert.

Wie funktioniert es?

Man muss als Frau – wie jeder – auch in dieser Situation für sein Glück selbst verantwortlich sein. Erst da, wo der Mann gebraucht ist in dem, was er wirklich kann, sollte er gebraucht werden: das Feuer anzünden, Nahrungsmittel heranschaffen und die Höhle sicher machen. Steckdosen kindersicher machen undsoweiter.

Wo wir wieder bei einer Mischung aus Caveman und Meisenmann wären …

Ja, lustigerweise. Ich kann nur sagen: Das konnte mein Mann gut, also zum Beispiel rote Beeren im Winter auf Mallorca besorgen. Da hat der sich reingekniet, und das hat funktioniert.

Sie haben jetzt wieder mit Kristian Bader zusammengearbeitet. Was schätzen Sie an ihm?

Dass er Spaß an der Freude hat. Er ist ein unglaubliches Arbeitstier. Und er kann diesen Abend alleine tragen und wie ein Trüffelschwein immer neue Sachen finden.

Sollen die Menschen, die „Hi Dad!“ gucken, nur einen guten Abend haben, da sitzen und „So isses!“ denken oder gar ein bisschen heitere Lebenshilfe bekommen?

All das. Plus die Erkenntnis, dass Kinder der abenteuerlichste und freudvollste Weg zur eigenen Sterblichkeit sind.

„Hi Dad!“ hat am 11. Dezember ab 20 Uhr im Pavillon Hannover-Premiere. Karten kosten 20,80 Euro.

www.estherschweins.de