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Kultur Erstes Schnarchmuseum in Alfeld eröffnet
Nachrichten Kultur Erstes Schnarchmuseum in Alfeld eröffnet
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13:43 03.04.2009
Ausstellungsstücke: Mittel gegen das lästige Schnarchen
Ausstellungsstücke: Mittel gegen das lästige Schnarchen Quelle: ddp
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Und das mutet auf den ersten Blick wie ein Kuriositätenkabinett für Folterinstrumente an. Wirth deutet auf eine gefährlich aussehende Apparatur und verrät schmunzelnd, dass man einst 1000 Mark dafür zahlen sollte:
„Stromschocktherapie gegen das Schnarchen“ ist auf dem Schildchen an der Vitrine zu lesen, in der eine Schaufensterpuppe mit verkabeltem Körper steht.

Etwa 300 Exponate rund ums Schnarchen stellt Wirth in Zusammenarbeit mit der Alfelder Schlafapnoe-Gesellschaft (AGS) aus. „Das Elektroschockgerät in der Vitrine hat mir ein Patient mitgebracht“, sagt der Mediziner. Durch die Behandlung erlitt der Patient Verbrennungen an den Handgelenken - von seinem Leiden geheilt wurde er von dieser Apparatur nicht. Mit derartigen Fundstücken von Schnarchgeplagten habe seine Sammelleidenschaft begonnen, sagt Wirth. Zuerst habe er die Mitbringsel der Patienten bei sich im Keller verwahrt, im Jahr 2000 aber beschlossen, sie der Öffentlichkeit zu zeigen. Das war der Anfang des Schnarchmuseums.

Wirth führt den Besucher durch seine Sammlung. Da finden sich wuchtige Ledermasken, die den Mund geschlossen halten sollen oder ein verkabelter Halsriemen, der anfängt zu vibrieren, sobald man sich auf den Rücken legt. Neben mechanischen Hilfen sind auch wundersame Pillen, energetisches Pulver, Salben, die neben Schnarchunterdrückung auch gegen Hornhaut helfen sollen, und Nasenklammern zu sehen. In einer Vitrine sind Büsten prominenter Schnarcher wie Winston Churchill, Albert Einstein und Napoleon ausgestellt.

Die typischen, bis zu 80 Dezibel lauten Schnarchgeräusche entstünden, wenn die Atemluft durch den Mund strömt und erschlafftes Gewebe des Zäpfchens und des Gaumens im Luftzug schwingen, erklärt Wirth. Am häufigsten trete das Symptom bei der Rückenlage auf. Der Zungenmuskel falle dann nach hinten und flattere ebenfalls im Atemwind. Deswegen seien im Schnarchmuseum auch so viele Gerätschaften, die eine Rückenlage im Schlaf verhindern sollen, sagt er und weist auf einen sogenannten Morgensterngürtel aus dem 19. Jahrhundert hin.

Den gebe es mit einer Metallkugel in der Mitte oder auch in der moderneren Variante mit einem Schaumstoffkissen. Schon im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg habe man den Soldaten Kanonenkugeln in die Rückseite ihrer Uniform genäht, um ihren Schlaf und somit ihre Leistungsfähigkeit im Gefecht zu verbessern, weiß Wirth.

Viele der Fundstücke hat er im Internet entdeckt. „Wenn ich ein neues fragwürdiges Fundstück finde, kaufe ich es sofort“, sagt Wirth. Anti-Schnarch-Neuerungen seien in der Regel „ein halbes Jahr auf dem Markt und haben danach nur noch musealen Wert“. Denn dann hätten die meisten Menschen die Nutzlosigkeit der angeblichen Wundermittel erkannt.

„Das Museum ist bundesweit einzigartig“, sagt Claudia Exner-Hövel, Schul- und Kulturamtsleiterin in Alfeld. Inzwischen habe sich die Existenz des Museums herumgesprochen. Das locke durchaus Besucher nach Alfeld, die dann oft auch in die übrigen Museen der Stadt gingen.

Im Museum wird auch über wirklich wirksame Methoden gegen das Schnarchen informiert. Die nasale Überdruckbeatmung, eine Art Beatmungsgerät mit Maske, sorge für eine stetige Luftzufuhr und sei vor allem bei der gefährlichen Schlafapnoe, den bis zu zehnsekündigen Atemaussetzern, hilfreich, sagt Wirth. Bei einer durch jahrelanges Schnarchen hervorgerufenen Zäpfchenverlängerung helfe eine operative Verkürzung. Leichten Schnarchern sei oft schon mit einer Kieferschiene geholfen, die den Unterkiefer nach vorne drücke und so das schlaffe Gewebe spanne.

Ursachen für das lästige Symptom seien unter anderem Übergewicht, genetische Veranlagung oder Alkoholkonsum, sagt Wirth. Eigentlich aber sei das Schnarchen „ein lästiges Überbleibsel aus der Steinzeit“. Das Geräusch sollte Tiere vertreiben. „Schnarcher wollen also nur die Familie beschützen, stattdessen bekommen sie das Kissen über den Kopf gezogen“, witzelt der Mediziner. ddp

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